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Wie viel geht noch? – Dax erklimmt ein Rekordhoch

Cünnen, Andrea
·Lesedauer: 5 Min.

Der deutsche Börsen-Leitindex erreicht ein neues Rekordhoch. Wie viel Potenzial hat der Dax jetzt noch? Was Experten sagen.

Der deutsche Aktienindex Dax ist auf den höchsten Stand seiner Geschichte geklettert. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer stieg am Montag zeitweise auf ein Rekordhoch von 14.169,49 Punkten. Auch der EuroStoxx50 notierte mit 3678,95 Zählern so hoch wie zuletzt vor rund einem Jahr.
Angesichts guter Vorgaben von der Wall Street deckten sich Anleger mit Aktien ein. So hatten in den USA der breite S & P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq schon am Freitag und vergangenen Montag Rekordstände markiert.

Der Dax übertraf damit den bisherigen Höchststand von Anfang Januar. Damals hatte er 14.132 Punkte erreicht. Danach ging es für den deutschen Leitindex aber zunächst wieder nach unten. Doch inzwischen ist die Zuversicht an den Börsen zurückgekehrt. Der Dax startet stärker ins laufende Jahr als von vielen erwartet. Doch wie viel Potenzial bleibt dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer jetzt noch?

Die meisten Experten sehen immer noch Chancen für eine weitere Aufwärtsbewegung - doch die Luft wird dünner. Der DZ Bank schob am Montag bereits ihre Prognose für den Dax nun weiter nach oben. "Wir erhöhen die Indexprognose für den Dax per Jahresende 2020 auf 15.000 Punkte", kündigten die Analysten der Bank an. Hintergrund für den wachsenden Optimismus sei, dass die Dax-Unternehmen 2020 wesentlich geringere Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen mussten als befürchtet. Neue Rekordgewinne dürften nun bereits 2022 erreicht werden, statt der bisherigen Erwartung für das Jahr 2022/23.

Auch nach Ansicht von Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, überschatten die jüngsten Angriffe der im Internetforum Wall Street Bets organisierten Anleger auf Hedgefonds nicht die sich verbessernden Aussichten von Aktien: „Die Impfprogramme nehmen weltweit stetig an Fahrt auf, und auch die Konjunkturaussichten hellen sich auf, gestützt durch zusätzliche fiskalische Anreize.“

So wie Paolini sehen es viele Strategen. Sie gehen davon aus, dass die Märkte weiter zwischenzeitlich nachgeben werden, letztlich sollte es für Aktien aber bergauf gehen – wenn auch nur in relativ bescheidenem Umfang und unter Schwankungen.

Dax-Durchschnittsprognose: 14.450 Punkte

Für den Dax sagen 24 Banken, die die Nachrichtenagentur Bloomberg Mitte Januar befragt hat, für Ende des Jahres einen Dax-Stand von im Mittel 14.550 Punkten voraus. Das entspräche aus derzeitiger Sicht einem Aufschlag von nur rund 2,8 Prozent.

Zwischenzeitlich müssen Anleger sich aber auf Rückschläge gefasst machen. Denn die Stimmungsindikatoren unter den Investoren sind derzeit extrem positiv, fast euphorisch. Das ist jedoch ein Alarmzeichen.

Euphorie gilt an der Börse als Warnsignal für fallende Kurse. Denn in diesem Fall gibt es nur noch wenige Investoren, die Aktien nachkaufen wollen. Und bei schlechten Nachrichten droht die Gefahr, dass viele Investoren erst mal ihre Gewinne sichern und Aktien verkaufen.

Verhaltensökonom Joachim Goldberg erwartet, dass Investoren beim Dax spätestens im Bereich von 14.150 bis 14.200 Punkten Gewinne mitnehmen werden - was den Aufstieg vorerst bremsen könnte. Auch Andreas Büchler, charttechnischer Analyst vom Börsenstatistik-Seminar Indexrader, warnt: „Der Dax ist heiß gelaufen“. Für eine weitere Aufwärtsbewegung müssten Anleger noch etwas Geduld mitbringen.

Zinsentwicklungen im Blick

Beat Thoma, Chefanlagestratege bei Fisch Asset Management in Zürich, sieht eine „Reihe von Gefahren, die derzeit noch nicht akut sind“. Immer problematischer werde auch die am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) abzulesende hohe Bewertung der Aktienmärkte.

Im Dax liegt das KGV mit Blick auf die erwarteten Unternehmensgewinne für das laufende Geschäftsjahr inzwischen bei knapp 16, im S & P 500 sogar bei 23. Beides ist historisch hoch.

Gerechtfertigt ist das nach Meinung vieler Strategen wegen der historisch niedrigen Zinsen der Notenbanken und den entsprechend niedrigen Renditen der Staatsanleihen.

Wenn es für sichere Anleihen nur noch Mini- und Minuszinsen gibt, dürfen die Bewertungen an den Aktienmärkten nach Ansicht von Fachleuten höher sein. Damit sind die Märkte laut Thoma aber „sehr anfällig für kleinste Störungen in Form steigender Zinsen".

Covestro, Siemens, Bayer und Daimler zweistellig im Plus

Doch viele Papiere haben in den Augen von Analysten nicht mehr viel Luft nach oben. Zyklischen, also von der Konjunktur abhängigen Aktien trauen viele Strategen generell noch etwas mehr zu als dem breiten Markt zu. So haben sich seit Jahresanfang im Dax die Zykliker besonders gut entwickelt.

Allen voran legte die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer seit dem um rund 17 Prozent zu. Auch die Aktien von Siemens, Covestro und Daimler gewannen zweistellig.

Das hat auch mit Unternehmensnachrichten zu tun. So will Bayer Ende des Jahres Impfstoffe für den Tübinger Hersteller Curevac produzieren und hat außerdem einen neuen Anlauf unternommen, um sich in den USA außergerichtlich mit Klägern wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat zu einigen.

Covestro hat schon im Dezember die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 erhöht. Zahlen legt Covestro erst am 23. Februar vor, doch die Märkte nahmen die positive Entwicklung vorweg. Siemens erhöhte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Bei Daimler feierten Anleger, dass Daimler-Chef Ola Källenius die Lkw- und Bussparte aus dem Konzern ausgliedern und an die Börse bringen will.

Am unteren Ende des Spektrums liegt die Aktie des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Einbruch von mehr als 16 Prozent seit Jahresanfang. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern einen massiven Gewinneinbruch mit einem Rückgang des Konzernergebnisses von bis zu 25 Prozent. FMCE rechnet mit weniger Dialyse-Behandlungen, weil überdurchschnittlich viele Dialysepatienten an Covid-19 gestorben sind.

Die sehr unterschiedliche Bewertung der deutschen Aktien bietet Anleger und aktiven Fondsmanager aber auch Chancen. Schon das vergangene Jahr mit dem historischen Einbruch und der anschließenden rasanten Erholung der Börsen erlaubte es der Mehrheit der aktiven Fondsmanager besser abzuschneiden als die Indizes. Viele hoffen, dieses Kunststück auch dieses Jahr zu wiederholen.