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Dax hält sich über 13.000 Punkten – Delivery Hero legt deutlich zu

·Lesedauer: 6 Min.

Rückschläge bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen und -Medikamenten sorgen für Nervosität an den Börsen. Der Dax schließt kaum verändert.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Anleger haben sich am Mittwoch unentschlossen gezeigt. Der Deutsche Aktienindex änderte im Handelsverlauf mehrfach seine Tendenz. Am Abend schloss er 0,1 Prozent höher bei 13.028 Punkten. Am Vortag hatte er ein knappes Prozent auf 13.018 Punkte verloren. Damit machte der Dax nach den kräftigen Gewinnen der Vorwoche vorerst eine Verschnaufpause.

Das Thema Coronavirus belastet erneut die Märkte: Erstmals seit April ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland innerhalb eines Tages auf mehr als 5000 gestiegen. Experten der Hessischen Landesbank kommentieren, Marktteilnehmer hätten sich mittlerweile daran gewöhnt, mit dem Risiko eines Stimmungsumschwungs zu leben.

Doch neben den erneut gestiegenen Fallzahlen versetzen weltweit auch die jüngsten Entwicklungen im Kampf gegen die Pandemie den Börsen einen Dämpfer. Denn nachdem bereits der US-Konzern Johnson & Johnson (J & J) wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Probanden seine Tests für einen Corona-Impfstoff aussetzen musste, hat auch der amerikanische Pharmahersteller Eli Lilly wegen Sicherheitsbedenken eine klinische Studie zu einer experimentellen Antikörpertherapie gegen das Virus unterbrochen.

In den USA verzeichneten Dow Jones und S & P 500 im Handelsverlauf leichte Verluste. Auch abseits der Coronakrise dürfte die Aufmerksamkeit der Anleger sich an diesem Mittwoch auf die USA richten, da mehrere Großbanken ihre Quartalszahlen vorlegen.

In Europa richtete sich der Blick auf Zahlen der europäischen Statistikbehörde zur Industrieproduktion der Euro-Zone im August. Der Juli-Wert hatte mit 4,1 Prozent zwar noch im positiven Bereich gelegen, war jedoch im Vergleich zu Juni mehr als die Hälfte niedriger.

Außerdem haben in Deutschland führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Herbstgutachten für die Bundesregierung vorgelegt. Sie erwarten für 2020 einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,4 Prozent. Damit werde die Wirtschaft nicht ganz so stark schrumpfen wie in der Finanzkrise 2009. Im nächsten Jahr soll die Konjunktur dann um 4,7 Prozent anziehen.

Die Experten sehen trotz Risiken für das Bankensystem durch die Coronakrise keine neue Finanzkrise heraufziehen. Für die kommenden Monate seien zwar merklich steigende Insolvenzzahlen zu erwarten, doch angesichts der guten Kapitalausstattung vor der Krise und der ergriffenen Maßnahmen zur Überwachung der Stabilität des Finanzsystems sei davon auszugehen, dass eine Finanzkrise verhindert werden könne. Die Forscher erwarten zudem, dass die Kreditvergabe „nicht übermäßig“ beeinträchtigt wird.

Zugleich teilte allerdings das Wirtschaftsministerium mit, die Konjunkturbelebung in Deutschland verliere zum Jahresende hin an Kraft. „Nach der ersten kräftigen Belebung im Mai und Juni als Reaktion auf das Ende des harten Lockdowns kommt der weitere Erholungsprozess mühsamer voran“, hieß es.

Einzelwerte im Fokus

Delivery Hero: Die Aktien des Essenslieferanten waren gefragt und stiegen bis zum Handelsende um 4,7 Prozent. Damit waren sie am Mittwoch größter Tagesgewinner im Dax. Sie profitierten von den guten Zahlen des Rivalen Just Eat Takeaway. Wegen der Pandemie-Restriktionen fuhr dieser im dritten Quartal 46 Prozent mehr Mahlzeiten aus.

Die aggressive Investitionsstrategie der „Lieferando“-Mutter zahle sich aus, und der Vorsprung zur Konkurrent wachse, lobte Analyst Giles Thorne von der Investmentbank Jefferies. Außerdem habe sich der bisherige Problemmarkt Australien zum Wachstumstreiber gemausert. In Amsterdam legten die Titel von Just Eat Takeaway um 6,5 Prozent zu.

Covestro: Das Dax-Unternehmen hat über Nacht rund 450 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt. Der Kunststoffhersteller bot großen Investoren rund 10,2 Millionen neue Aktien an – das sind knapp sechs Prozent des Grundkapitals. Covestro bekam 43,85 Euro pro Aktie.

Das bedeutete nur einen kleinen Abschlag auf den Xetra-Schlusskurs von 44,25 Euro. Laut Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank signalisiert das ein starkes Investoreninteresse und unterstreicht seine positive Einschätzung des Unternehmens. Die Aktie gewann 0,4 Prozent.

Cineworld: Ein Bericht über mögliche Zahlungsschwierigkeiten lastet auf den Aktien des Kinobetreibers Cineworld. Die Papiere gaben am Mittwoch um mehr als vier Prozent nach. Einem Bericht des „Telegraph“ zufolge könnte dem Unternehmen bis Ende November wegen der Folgen der zweiten Corona-Welle das Geld ausgehen. Der weltweit zweitgrößte Kinobetreiber hat vergangene Woche angekündigt, Kinos in Großbritannien und den USA vorübergehend zu schließen.

Dermapharm: Dermapharm-Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratschef Wilhelm Beier hat einen weiteren Teil seines Aktienpakets an dem Pharmaunternehmen zu Geld gemacht. Die Familienholding Themis platzierte über Nacht einen Anteil von zehn Prozent an Dermapharm bei institutionellen Investoren und nahm damit knapp 248 Millionen Euro ein, wie die mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank Berenberg am Mittwoch mitteilte. Themis gibt mit dem Verkauf seine Sperrminorität an Dermapharm auf und hält nun noch gut 65 Prozent der Anteile. Beier hatte das Unternehmen mit Sitz in Grünwald bei München 2018 an die Börse gebracht und damals 269 Millionen Euro für ein Viertel der Anteile kassiert. Die Aktie verlor am Mittwoch knapp acht Prozent.

Nordex: Wegen Verzögerungen durch die Corona-Pandemie hat der Windanlagenhersteller Nordex im dritten Quartal weniger Aufträge an Land gezogen. Kunden bestellten 271 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1229 Megawatt – 28 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Allerdings lief es schon deutlich besser als noch von April bis Ende Juni. Da hatten Kunden lediglich 888 Megawatt geordert. Die Aktie gewann sechs Prozent.

Siemens Healthineers: Die Ankündigung eines Coronavirus-Schnelltests gab den Aktien von Siemens Healthineers zusätzlichen Schub. Sie schlossen 2,4 Prozent höher.

Deutsche Bank: Die Papiere des größten deutschen Geldhauses verloren 0,6 Prozent. Die Deutsche Bank hatte am späten Dienstagabend Angaben über das Engagement ihres Großaktionärs Capital Group korrigiert. Danach hat sich die Beteiligung des amerikanischen Fondshauses zwar erhöht, aber nicht, wie es zunächst hieß, verdoppelt.

Vivendi: In der Hoffnung auf Milliardeneinnahmen durch den Verkauf von Anteilen an der Musik-Tochter Universal Music Group (UMG) steigen Anleger bei Vivendi ein. Die Aktie des französischen Medienkonzerns legt leicht zu. Einem Medienbericht zufolge will der chinesische Technologiekonzern Tencent seine Beteiligung an UMG auf 20 von zehn Prozent aufstocken.

Blick auf andere Assetklassen

Öl: Die Ölpreise sind am Mittwoch leicht gestiegen. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 43 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag bei 40,83 Dollar. Der Preis für amerikanisches Öl pendelt seit Monatsbeginn um die 40-Dollar-Marke.

Kupfer: Wegen des Tarifstreits in der weltgrößten Kupfermine decken sich Anleger mit dem Industriemetall ein. Es verteuert sich zeitweise auf 6712 Dollar je Tonne. Die Betreiber der Mine Escondida verlängerten ihre Verhandlungen mit den Arbeitnehmern, um einen Streik abzuwenden. Mögliche Angebotsausfälle träfen auf eine anhaltend hohe Nachfrage des weltgrößten Kupfer-Abnehmers China, konstatieren die Analysten der ANZ Bank.

Euro: Der Euro wurde am Mittwoch weiterhin unter der Marke von 1,18 US-Dollar gehandelt. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,1757 Dollar.

Pfund: Einen Tag vor dem EU-Gipfel wächst die Anspannung der Pfund-Anleger. Die britische Währung notierte am Abend bei 1,3037 Dollar. Der britische Premier Boris Johnson will erst nach dem EU-Gipfel in Brüssel darüber entscheiden, ob Großbritannien die Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt fortsetzen wird.

Anleihen: Staatsanleihen bleiben gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel zwischenzeitlich auf ein Fünf-Monats-Tief von minus 0,552 Prozent.

Mit Agenturmaterial. Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.