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Dax schließt leicht im Minus – Warum steigende US-Renditen keinen Crash auslösen dürften

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 8 Min.

Mit Delivery Hero und Varta verlieren am heutigen Handelstag zwei Papiere an Wert, die besonders bei Privatanlegern beliebt sind. Die Gründe sind unterschiedlich.

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa

Am Montag geht der Deutsche Aktienindex 0,3 Prozent niedriger aus dem Handel und notiert bei 13.950 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte 1,1 Prozent auf 32.024 Punkte ein.

Die vergangene Handelswoche war aus technischer Sicht interessant: Es war eine „inside week“, Hoch- und Tiefpunkt des Dax blieben innerhalb der Spanne der Woche davor. Und das Hoch dieser „inside week“ mit 14.131 Punkten ist identisch mit dem ehemaligen Rekordhoch Anfang Januar. Kurse oberhalb dieser Marke dürften schnell zum Rekordhoch von 14.169 Zählern führen.

An diesem Montag rutschte der Dax in der ersten Handelsstunde jedoch erst einmal unter die Tiefpunkte der vergangenen beiden Wochen, die zwischen 13.850 und 13.830 Punkten lagen. Nachfolgend gab es jedoch eine hohe Nachfrage, die den Dax wieder nach oben trieb.

Erstaunliche Ergebnisse liefert die Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Der deutsche Leitindex notiert quasi nur zwei Prozent unterhalb seines Allzeithochs, was eigentlich eine Jubelstimmung angesichts der deutlichen Kursgewinne in den vergangenen Wochen und Monaten auslösen müsste.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Anleger sind extrem pessimistisch, kaum jemand traut sich, Aktien zu kaufen. Laut Sentimentanalyse ist dieses Verhalten ein Kontraindikator und damit ein Indiz für eher steigende Kurse. Für Stephan Heibel, der die Handelsblattumfrage auswertet, herrscht derzeit eine „Situation, in der es Mut erfordert, auf dem aktuellen Kursniveau einzusteigen.“ Doch dieser Mut könnte belohnt werden.

Steigende Renditen am US-Anleihemarkt

Die größte Gefahr für die Aktienmärkte ist derzeit die Entwicklung auf dem wichtigsten Anleihemarkt der Welt: dem Markt für US-Staatsanleihen. Am heutigen Montag kletterte die Rendite für eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf zwischenzeitlich 1,38 Prozent, den höchsten Wert seit einem Jahr.

Das ist seit August vergangenen Jahres mehr als eine Verdopplung. Hinter diesem Zinsanstieg steht zum einen die allgemeine wirtschaftliche Erholung nach dem Coronatief, zum anderen die Erwartung einer schnell zunehmenden Inflation.

Sollte die US-Notenbank ihren expansiven Geldkurs abrupt beenden, könnte es ungemütlich an den Aktienmärkten werden. Das sollten Anleger nicht vergessen.

Und es spricht vieles dafür, dass die Rendite weiter steigt, vermutlich zunächst bis 1,50 Prozent. Diese Marke war in den vergangenen Jahren immer ein wichtiger Wendepunkt bei zehnjährigen US-Anleihen.

Höhere Werte gelten aber derzeit als nicht wahrscheinlich. Denn der aktuelle Maßstab für die US-Notenbank ist nicht das Zinsniveau, sondern die Arbeitslosigkeit. Mit zuletzt 6,3 Prozent und sogar wieder steigenden Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind die USA weit von ihrem Ziel der Vollbeschäftigung entfernt.

Die Gefahr bei weiter steigenden Renditen: Investoren befürchten ein erneutes sogenanntes „Taper Tantrum“, so wie im Mai 2013. Damals gab Fed-Chef Ben Bernanke bekannt, die Anleihekäufe zu reduzieren. Die Anleihekurse brachen daraufhin schlagartig ein, und die Renditen schnellten in die Höhe. Dies löste eine Art Schockwelle an den globalen Finanzmärkten aus, die insbesondere auch in den Schwellenländern zu heftigen Kursverwerfungen führte.

Auch der Dax rutschte damals innerhalb weniger Wochen um mehr als zwölf Prozent ab. Ein genauer Blick auf einen längeren Zeitraum zeigt aber auch: Die Verwerfungen waren nur von kurzer Dauer. Im Nachhinein betrachtet waren diese Kursverluste ein idealer Einstiegszeitpunkt.

Denn es folgte nach dem Einbruch an den Märkten eine fulminante Rally. Der Dax stieg bis zum Jahresende 2013 wieder um 15 Prozent. Denn zwischen dem Ende des Anleihekaufprogramms und der ersten Zinserhöhung der Fed lag mehr als ein Jahr.

Dieses Szenario wird sich so exakt natürlich nicht wiederholen. Denn es herrschte 2013 in den USA ein höheres Zinsniveau. Im April 2013 lag die Rendite noch bei 1,67 Prozent und stieg bis Ende 2013 auf rund drei Prozent. Bis Ende 2014 stieg die Rendite um 33 Prozent (s. Grafik). Der deutsche Leitindex legte in bei Ende 2014 knapp 24 Prozent zu.

Auch die Rendite bei deutschen Staatsanleihen steigt deutlich. Im Zehn-Jahres-Bereich ist dieser Wert seit Anfang Januar von minus 0,600 Prozent auf minus 0,292 Prozent am heutigen Vormittag geklettert. Die Renditedifferenz zwischen zehn- und zwei-jährigen Bundesanleihen hat mit das höchste Niveau seit knapp einem Jahr erreicht. Solche eine hohe Renditedifferenz signalisiert aber eine deutliche Erholung der Wirtschaft.

Das Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihren Anleihekäufen allerdings ließ die Rendite wieder abrutschen, die Rendite fiel wieder binnen Minuten auf minus 0,352 Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde betont, ihr Haus beobachte die Entwicklung der Bond-Renditen genau und werde weiter günstige Finanzierungsbedingungen für alle Sektoren sichern.

Blick auf die Varta-Aktie

Varta: Der Aktienkurs fällt um rund zehn Prozent auf 117,30 Euro. Die Analysten der Berenberg Bank stuften die Titel des Batterie-Herstellers von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück und senkten das Kursziel auf 130 von 145 Euro. Am Freitag waren die Titel bei 131,30 Euro aus dem Handel gegangen.

Delivery Hero: Die Aktien des Essenslieferdienstes haben am Montag ebenfalls nachgegeben. Die Papiere fielen bis zum Handelsende um 6,8 Prozent auf 113,45 Euro. Damit fielen sie auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten und lagen am Dax-Ende.

Händler führten die Kursverluste unter anderem auf einen Bericht des „Wall Street Journal“ zurück. Demnach versuchen in den USA immer mehr Restaurants, die dort aktiven Essenslieferdienste wie DoorDash, Uber Eats und Grubhub und deren hohe Gebühren zu umgehen. Unterstützt werden sie dabei von den Behörden vor Ort, die teilweise bereits Obergrenzen für die Gebühren eingeführt haben.

Lufthansa und IAG: Die Aktien der Lufthansa und der British Airways-Mutter IAG gewinnen jeweils mehr als drei Prozent. Abhängig von der Infektionslage will die Regierung sämtliche Corona-Restriktionen bis zum 21. Juni aufheben.

Bitcoin rutscht ab

Bitcoin geht auf seiner Rekordjagd erst einmal die Puste aus. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise fällt bis zum Abend um rund fünf Prozent auf 52.884 Dollar, nachdem sie zuvor ein Rekordhoch von 58.445 Dollar markiert hatte. „Eine Konsolidierung tut angesichts der nach wie vor heißgelaufenen Kurse Not“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. Am Freitag waren laut Datenanbieter Coinmarketcap alle im Umlauf befindlichen Bitcoin erstmals zusammen mehr als eine Billion Dollar wert gewesen.

Kupferpreis steigt auf Zehn-Jahres-Hoch

Der Höhenflug vieler Metallpreise setzt sich fort. Am Montag stieg der Preis für eine Tonne Kupfer an der Rohstoffbörse in London bis auf rund 9270 Dollar. Das ist der höchste Stand seit etwa zehn Jahren. Das Rekordhoch aus dem Jahr 2011 von knapp 10 200 Dollar gerät damit in Reichweite. Der Nickelpreis übersprang erstmals seit etwa sieben Jahren die Marke von 20 000 Dollar je Tonne.

Die derzeitige Preisrally am Rohstoffmarkt, vor allem vieler Industriemetalle, basiert auf der Hoffnung konjunktureller Besserung. Auslöser sind Corona-Impfungen in vielen Ländern und die damit verbundene Aussicht auf weniger Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Gerade Kupfer gilt aufgrund seines vielseitigen Produktionseinsatzes als globales Konjunkturbarometer. Hinzu kommt bei vielen Rohstoffen ein knappes und eher starres Angebot, das im Falle wirtschaftlicher Besserung nicht rasch ausgeweitet werden kann.

„Es sieht so aus, als wollten die Markteilnehmer den Preis auf Biegen und Brechen“ auf ein Rekordhoch treiben, kommentierte Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank. Einen Grund für die Preisrally sei auch in einigen hohen Preisprognosen zu sehen. Kürzlich hatte etwa die große US-Bank Citigroup einen Kupferpreis von 10.000 Dollar als eine Frage der Zeit bezeichnet. Der Preis sei aber auch stark spekulativ getrieben, ergänzte Briesemann. Hintergrund sei die Liquiditätsflut vieler Zentralbanken.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Neben der „inside week“, bei dem Hoch- und Tiefpunkt innerhalb der Spanne der Woche davor, blieben, hängt der deutsche Leitindex auch zwischen zwei Kurslücken: Am vergangenen Mittwoch wurde im Vergleich zu den Notierungen vom Dienstag eine kleine Abwärtskurslücke aufgerissen, zwischen 14.050 Punkten und 14.036 Zählern gab es zu regulären Handelszeiten keine Notierung. Diese Lücke gilt nun als erster Widerstand, sollte der Dax wieder über die Marke von 14.000 Punkten steigen.

Auf der Unterseite ist immer noch die Aufwärtskurslücke von Ende Januar intakt. Solche Aufwärtskurslücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Das gilt umgekehrt bei Abwärtskurslücken.

Diese Aufwärtskurslücke in Zahlen: Am Montag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.648 Zählern, die niedrigste Notierung am Dienstag vergangener Woche bei 13.693 Punkten. Nur knapp darunter liegt mit 13.500 Zählern die aus charttechnischer Sicht noch wichtigere Unterstützung. Diese Marke bildete im vergangenen Jahr monatelang einen Widerstand, der erst im Dezember überwunden werden konnte. Deswegen ist aus dem Widerstand eine Unterstützung geworden. Diese hat der Leitindex in diesem Jahr nur einmal zum Handelsschluss unterschritten.

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