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Das sind die DAX-Gewinner und Verlierer des ersten Halbjahres – und diese Risiken sehen Analysten

·Lesedauer: 8 Min.
Da der Bulle von unten nach oben angreift, steht er für steigende Kurse, der Bär für sinkende
Da der Bulle von unten nach oben angreift, steht er für steigende Kurse, der Bär für sinkende

Wollt ihr wissen, wie es der deutschen Wirtschaft geht, führt an ihm kein Weg vorbei: der DAX, der bedeutendste Aktienindex der Republik. Er misst die Wertentwicklung der 30 größten Unternehmen in Deutschland – der Puls der Wirtschaft.

Am heutigen Donnerstag, dem 1. Juli, ist das Jahr zur Hälfte vorbei. Wie waren die sechs Monate für unsere Unternehmen? Schaut ihr euch die Kursentwicklung vom DAX im ersten Halbjahr 2021 an, wird deutlich: Die deutsche Wirtschaft gewinnt an Wert. In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg der DAX um 13,2 Prozent. Stand er Anfang Januar noch bei rund 13.700 Punkten, rannte er im Laufe des ersten Halbjahres einem Rekord nach dem anderen hinterher und knackte nachhaltig die 15.000-Marke. Er steht jetzt bei 15.590.

Die Kursentwicklung vom DAX seit Januar
Die Kursentwicklung vom DAX seit Januar

Siemens Energy ist 2021 bisher der größte Verlierer im DAX

Doch nicht alle deutschen Top-Unternehmen können eine positive Entwicklung vorweisen. Wer sind die Gewinner und Verlierer des ersten Halbjahres? Business Insider hat sich die Kursverläufe angeschaut.

Der größte DAX-Verlierer der ersten Jahreshälfte ist Siemens Energy, mit minus 15,44 Prozent. Die Aktie war im Januar noch rund 34 Euro wert, dann fiel das Wertpapier der Siemens-Tochter bis zur Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im Mai und pendelt sich seitdem bei einem Preis von knapp 26 Euro ein.

Die Quartalszahlen waren zufriedenstellend und konnten den Abwärtstrend erstmal aufhalten. Nachdem das Energie-Unternehmen im Geschäftsjahr 2020 noch einen Verlust von fast 1,9 Milliarden Euro verkraften musste, verkündete das Unternehmen im zweiten Quartal einen Gewinn von 31 Millionen Euro. Die Umsätze konnten aber nicht wachsen, im Vergleich zum Vorjahresquartal sanken sie um 4,4 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro. Der Fall der Aktie ist somit aktuell gestoppt. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, bleibt aber abzuwarten.

Die Siemens Energy-Aktie seit Jahresbeginn
Die Siemens Energy-Aktie seit Jahresbeginn

Vorletzter wurde Delivery Hero, eine Online-Bestellplattform für Essen. Aktuell kostet eine Aktie des Lieferdienstes rund 111 Euro, etwa 12,03 Prozent weniger als noch im Januar. Während der Corona-Krise konnte der DAX-Neuling seinen Umsatz auf 1,4 Milliarden Euro im zweiten Quartal mehr als verdoppeln. Die Restaurants waren zeitweise dicht, die Menschen bestellten viel mehr online, gingen seltener essen – für das börsennotierte Start-up ein Traum. Das Problem: Das Berliner Unternehmen kann immer noch keine schwarzen Zahlen schreiben und muss operativ weiter Verluste angeben.

Ganz knapp vor Delivery Hero liegt RWE. Die Aktie des Energiekonzerns fiel seit Januar um 11,82 Prozent. Anfang des Jahres hat der Preis zwischenzeitlich noch an den 39 Euro gekratzt. Aktuell bezahlt ihr 30,70 Euro für eine RWE-Aktie. Das Unternehmen zählt zu den größten Energieversorgern in Deutschland und hat sich auf die Stromerzeugung und den Energiehandel spezialisiert. Die Corona-Krise konnte RWE nichts anhaben, aber einen Kälteeinbruch in Texas wird die Konzern-Leitung so schnell nicht vergessen. Wegen des extremen Wetters standen die RWE-Windanlagen in dem US-Staat zeitweise still, das Unternehmen musste zu drastisch gestiegenen Preisen Strom kaufen, um eigene Verpflichtungen zu erfüllen – das kostete RWE satte 400 Millionen Euro. Das bereinigte Ebitda sank von 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf 883 Millionen Euro. Anleger haben das in ihrem Depot gespürt.

Deutsche Post-Aktie nicht zu stoppen

Der Gewinner des ersten Halbjahres 2021 ist ein traditionsreiches, klassisches Unternehmen, welches nahezu jeder kennt: die Deutsche Post. Die Aktie des Logistik- und Postunternehmens mit Sitz in Bonn stieg in den vergangenen sechs Monaten um 41,46 Prozent. Vor einem halben Jahr hättet ihr noch rund 40 Euro für eine Aktie bezahlt, jetzt ist sie fast 60 Euro wert. Seit Januar ist der Kurs konsequent gewachsen, nur kleine Einbrüche konnten beobachtet werden.

Einer der wichtigsten Gründe für den rasanten Anstieg ist die Pandemie. Während viele Läden zeitweise dicht machen mussten, haben die Menschen nochmal deutlich mehr im Internet bestellt – die Post lieferte. Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Post hierzulande 41 Prozent mehr Pakete befördert als im Vorjahreszeitraum. Laut Finanzvorstand Melanie Kreis war dies „mit Abstand“ das stärkste Auftaktquartal „aller Zeiten“. In den ersten drei Monaten meldet das Unternehmen einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern. Es blieb ein Plus von knapp 1,2 Milliarden Euro - fast viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Post hat seine Gewinnprognose für das gesamte Jahr 2021 sogar um eine Milliarde Euro nach oben korrigiert.

Die Deutsche Post-Aktie hat einen rasanten Höhenflug hinter sich
Die Deutsche Post-Aktie hat einen rasanten Höhenflug hinter sich

Platz zwei, drei und auch sogar Nummer vier gehen an die Auto-Giganten Volkswagen, Daimler und BMW. Volkswagen konnte ein Plus von 40,94 Prozent einfahren, ganz knapp am ersten Platz vorbei. Daimler stieg um 30,54 Prozent, BMW um 24 Prozent. Obwohl 2020 ein schwieriges Jahr für Autobauer war – Fabriken dicht, Mitarbeiter in Kurzarbeit – sind die Auto-Aktien auf jeden Fall die DAX-Zugpferde. Ein wichtiger Grund für diese positive Entwicklung sei die Branche selbst. Die Autobauer zählen zu den „Frühzyklikern“ und gehören damit meist zu der ersten Branche, die sich von einer Krise erholt. „Das liegt daran, dass Käufer ihren Autokauf verschieben“, sagte Jürgen Pieper, Senior Advisor Automobiles beim Bankhaus Metzler, im Gespräch zu Business Insider. Denn in der Krise verzichten die Menschen zum Teil auf ein neues Auto und verschieben ihren Kauf. Dieser Effekt führt laut Pieper dazu, dass sich die Auto-Aktien auch nachher schneller erholen.

US-Geldpolitik beeinflusst DAX „enorm“

Insgesamt hat der DAX stark performt, nur 7 der 30 Unternehmen mussten im ersten Halbjahr fallende Kurse einstecken. „Für die Aktionäre waren die ersten sechs Monate erfreulich“, sagt Tobias Basse, Analyst der Norddeutschen Landesbank im Gespräch zu Business Insider. Man hätte sich inzwischen „nachhaltig vom Corona-Ausbruch erholt“. Dabei sei wieder deutlich geworden, dass der Aktienmarkt ein „sehr geeigneter Konjunkturfrühindikator“ ist: „Die Kurse haben sehr frühzeitig das signalisiert, was in der Realität auch weitgehend eingetreten ist“, erklärt Basse. „Aus den meisten Nationen gibt es Signale, dass wir uns aus dieser Corona-Krise gelöst haben. Dies hat der Markt sehr früh eingepreist.“

Die Frage ist jetzt: Wie geht es weiter? Basse: „Weil die Kurse inzwischen eine ganze Menge an Optimismus einpreisen, sehen wir zunehmend das Risiko, das Schwierigkeiten in der näheren Zukunft ausgeblendet werden.“ Dies kann „zu nicht ganz erfreulichen Entwicklungen“ in den nächsten drei Monaten führen. Vor allem geldpolitische Entscheidungen aus den USA seien für den Markt „enorm“ entscheidend: „Wenn die US-Geldpolitik neu ausgerichtet wird, also die Zinsen wieder steigen, wird dies auch großen Einfluss auf den DAX haben.“

Denn das was aktuell „am stärksten“ für Aktien spricht, sei laut Basse, das niedrige Zinsniveau. Sollten jetzt aber Diskussionen über „perspektivisch steigende“ Leitzinsen in den USA anfangen, dann „droht uns ein Fluss an Informationen“, der „nicht positiv“ für die weitere Entwicklung des DAX sei. Für die nächsten drei Monate ist der Analyst deswegen nicht „übermäßig optimistisch“. Zum Ende des Jahres glaubt Basse aber, dass die Stimmung besser wird und der DAX in sechs Monaten „ungefähr da stehen wird, wo er jetzt steht.“

„Aktuell reagieren die Marktteilnehmer auf jede geldpolitische Nachricht extrem“

Wie die Stimmung bei den Anlegern in Bezug auf den DAX ist, weiß wohl niemand besser als der Finanzmarkt-Analyst Joachim Goldberg. Der Verhaltensökonom gilt als einer der bekanntesten Experten zum Thema Behavioral Finance in Deutschland und analysiert jede Woche eine DAX-Umfrage der Börse Frankfurt unter 900 Investoren. Diese werden gefragt, ob der DAX in den folgenden vier Wochen steigt, fällt oder sich seitwärts bewegen wird. Das Ergebnis ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index, der die aktuelle Stimmung zum DAX einfängt.

Fragt man Goldberg, wie die Stimmung in der vergangenen Monaten war, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Anfang des Jahres und jetzt: Die Stimmung sei in den ersten drei Monaten von 2021 im Durchschnittswert positiver als im zweiten Quartal gewesen, erklärt Goldberg. Ab April hätte sich die Stimmung „umgewandelt“ und wieder schlechter geworden. Der Grund dafür: „Skepsis, dass die Aktienkurse zu hoch seien“, erklärt der Börsen-Experte. „Investoren haben ohnehin bereits im vergangenen Jahr ihren Augen nicht mehr getraut, wie bei so einer pandemischen Situation der DAX überhaupt steigen kann. Aber wir handeln eben die Zukunft, das ist das entscheidende.“ Goldberg sagt, dass es „auf jeden Fall“ erstmal wieder schwieriger für den DAX sein wird: „Aktuell reagieren die Marktteilnehmer auf jede geldpolitische Nachricht extrem.“

Corona selbst sieht der Experte nicht als große Gefahr für die Börse: „Selbst wenn die Delta-Variante jetzt stärker zuschlägt, sehe ich aus heutiger Sicht nicht, dass dies den Finanzmarkt durchrütteln wird.“ Eher das Gegenteil wäre der Fall, da die Corona-Krise den Aktienmärkten „per Saldo nicht geschadet“ hat. Welcher Corona-Faktor aber eine große Auswirkung auf den DAX haben könnte, seien die ganzen Hilfsgelder: „Es wurde und wird während der Corona-Krise so viel Geld durch die Hilfsprogramme in den Markt gepumpt, das hilft dem DAX enorm.“ Goldberg macht darauf aufmerksam, dass der Zeitpunkt, sobald dieses Geld nicht mehr in diesem Maße zur Verfügung steht, „entscheidend“ für die weitere Entwicklung des DAX sein wird. Wie genau sich der DAX aber entwickeln wird, weiß „seriös niemand“, sagt Goldberg, er wäre aber schon „froh, wenn wir am Jahresende hier stehen, wo wir sind.“

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