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Dax gibt leicht nach – Bayer-Aktien verlieren 13 Prozent

·Lesedauer: 6 Min.

Anleger hoffen trotz steigender Infektionszahlen auf eine weitere Erholung der Wirtschaft. Angekündigte Sparmaßnahmen verschrecken Bayer-Aktionäre.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Der deutsche Leitindex hat an diesem Donnerstag keine klare Richtung gefunden: Nachdem er zeitweise im Plus notiert hatte, rutschte er im späteren Handelsverlauf wieder in die Verlustzone. Letztlich schloss der Dax 0,23 Prozent tiefer bei 12.730 Punkten. Am Mittwoch war er 0,5 Prozent niedriger aus dem Handel gegangen.

Am Donnerstag rückte vor allem die Bayer-Aktie in den Fokus. Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern hat zusätzliche Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe angekündigt und schließt einen weiteren Arbeitsplatzabbau nicht aus. Die Aktie gab zum Handelsstart knapp elf Prozent nach. Die Verluste wurden noch größer – Bayer-Titel verloren insgesamt 13 Prozent auf 46,30 Euro. Das Jahrestief liegt nahe, bei 44,85 Euro.

Mit Stephen McGarry von der Investmentbank HSBC und Peter Verdult von der Citigroup strichen inzwischen bereits zwei Analysten ihre Kaufempfehlungen und stampften ihre Kursziele deutlich ein. Mit dem prozentual zweistelligen Abschlag am Donnerstag büßte die Bayer-Aktie seit Ende des vergangenen Jahres über 35 Prozent ein. Der Titel ist damit nach MTU der zweitschwächste Dax-Titel in diesem Jahr.

Insgesamt mehren sich jedoch die Hinweise auf eine anhaltende Erholung der Wirtschaft. „Für den Moment jedenfalls bleibt festzuhalten, dass die Tatsache, dass es im Dax noch einmal tiefer gegangen ist als beim ersten Rutsch Anfang September, niemanden wirklich aus der Ruhe bringt“, sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets.

Zugleich kommentieren Experten der Helaba in ihrem aktuellen Tagesausblick: „Bemerkenswert ist, dass der Dax zuletzt kurz vor dem Erreichen der für den Mittelfristtrend relevanten 55-Tage-Linie kehrtmachte. Damit wird einmal mehr der Eindruck untermauert, dass der Spielraum auf der Oberseite begrenzt und das Risiko auf der Unterseite weiterhin nicht zu unterschätzen ist.“

Wirtschaftliche Indikatoren zeigen einen vorsichtigen Aufwärtstrend. So kletterte das Barometer für die Ertragssituation der deutschen Industrie im September auf minus 32 Punkte von minus 43 im Mai, wie das Münchener Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner zweimal jährlich durchgeführten Erhebung mitteilte.

Dennoch sagte Ifo-Experte Simon Litsche: „Die Coronakrise schlägt immer noch direkt durch auf die Erträge der Industriefirmen.“ Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie war das Barometer während der Industrierezession gesunken, und zwar auf minus sieben Punkte im September 2019 nach plus einem Punkt im Mai 2019.

Außerdem kletterte der Einkaufsmanagerindex um 4,2 auf 56,4 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Vormittag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte. Damit liegt das Barometer mittlerweile deutlich über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. „Die Erholung setzte sich im September mit guter Dynamik fort“, hieß es. Die Auftragsbücher hätten sich weiter gefüllt, während die Produktion gestiegen sei. Angezogen habe auch die Exportnachfrage im Anlagen- und Maschinenbau.

Die Impulse von der Wall Street waren überschaubar. Die wichtigsten Indizes notierten in den ersten Handelsstunden in der Gewinnzone. Auch Vorgaben aus Asien gab es kaum: An der Tokioter Börse gab es schwere technische Probleme. Deshalb musste der Handel auch an vielen mit ihr verbundenen anderen Handelsplätzen in Japan frühzeitig eingestellt werden. Zugleich blieben die Börsen in China und Südkorea wegen Feiertagen geschlossen. Der MSCI-Index für die asiatischen Werte ohne Japan lag etwas fester.

Sorgen bereiten den Anlegern die immer weiter steigenden Corona-Neuinfektionszahlen, die auf einen Höchstwert seit dem 24. April zulegten. Zugleich sank allerdings die Reproduktionszahl zuletzt unter die kritische Marke von eins.

Auf staatlicher Ebene zeigen sich zunehmend die Belastungen durch die Corona-Rezession. So sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer stark eingebrochen und haben große Löcher in die Haushalte der deutschen Kommunen gerissen. Sie wiesen im ersten Halbjahr ein Finanzierungsdefizit von 9,7 Milliarden Euro auf, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Minus lediglich 0,3 Milliarden Euro betragen.

Einzelwerte im Fokus

Bayer: Zusätzlich zu den angekündigten Sparmaßnahmen lastet ein zurückhaltender Ausblick für die Landwirtschafts-Sparte auf den Bayer-Aktien. Bayer-Aktien notierten als deutliches Dax-Schlusslicht 13 Prozent tiefer.

Infineon: Mit einem Plus von 7,6 Prozent war der Halbleiterhersteller stärkster Wert im Dax. Zuvor hatte der Konkurrent ST Microelectronics überraschend gute vorläufige Quartalszahlen vorgelegt. Der entsprechende europäische Index gewann 1,5 Prozent.

Deutsche Telekom: Die Aktien der Deutschen Telekom legten am Vormittag 2,7 Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax. Die Experten von Goldman Sachs nahmen die Papiere auf ihre Empfehlungsliste auf. Zum Handelsende halbierte sich das Plus

Airbus: Eine Hochstufung durch die Experten von Berenberg stützt Airbus-Aktien. Die Papiere gewannen 4,6 Prozent. Die Experten von Berenberg hoben ihre Einstufung auf „buy“ von „hold“ und erhöhten ihr Kursziel auf 76 von 69 Euro.

H & M: Der von der Coronakrise getroffene schwedische Modehändler Hennes & Mauritz (H & M) muss ein Bußgeld von gut 35 Millionen Euro zahlen. Mindestens seit dem Jahr 2014 sei es bei einem Teil der Beschäftigten zu „umfangreichen Erfassungen privater Lebensumstände“ gekommen, teilte die Hamburger Datenschutzbeauftragte mit. Gleichzeitig will H & M sein Filialnetz ausdünnen. Im kommenden Jahr soll die Zahl der Geschäfte unter dem Strich um rund 250 schrumpfen, wie das Unternehmen am Donnerstag zur Vorlage seiner endgültigen Zahlen für das bis Ende August gelaufene dritte Geschäftsquartal bekanntgab. Es schnitt in dem Quartal besser ab als erwartet.

An der Stockholmer Börse schien vor allem diese Nachricht bei den Anlegern anzukommen. Die Aktie stieg zeitweise um 8,3 Prozent und notierte so hoch wie seit Anfang Juni nicht. „Wir denken, dass sie das gut im Griff haben, worauf sie Einfluss haben“, schreiben die JPMorgan-Experten.

Blick auf den Devisenmarkt

Die Spekulationen auf weitere Wirtschaftsstützen in den USA lockten Devisenanleger in risikoreichere Währungen. Die Leitwährung Dollar gab im Zuge dessen zu einem Währungskorb 0,3 Prozent nach und fiel auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Wochen. Der Euro gewann 0,3 Prozent auf 1,1757 Dollar.

Turbulent blieb es bei der britischen Devise. Nach widersprüchlichen Aussagen von Insidern zum Stand der Verhandlungen Großbritanniens mit der EU über ein künftiges Freihandelsabkommen ging das Pfund auf Zickzackkurs und notierte zuletzt 0,3 Prozent tiefer bei 1,2892 Dollar.

Mit Agenturmaterial.

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