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Dax schließt zum Wochenauftakt deutlich im Plus – Privatanleger spekulieren wohl zu früh auf die Rally-Fortsetzung

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 7 Min.

Die Wochenperformance von MDax-Aktien zeigt: Das Thema Kleinanleger gegen Hedgefonds spielt auch am deutschen Markt eine Rolle. Interessant ist die Lage bei Hugo Boss.

Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa
Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa

Freundlicher Wochenauftakt am deutschen Aktienmarkt: Der Dax beendet den Handel am Montag 1,4 Prozent höher bei 13.622 Punkten. Noch am Freitag hatte der Leitindex zum Abschluss einer ohnehin schwachen Woche noch einmal deutlich nachgegeben. Er schloss letztlich 1,7 Prozent schwächer bei 13.432 Punkten.

Der Kursrutsch am vergangenen Freitag unter die wichtige Marke von 13.500 Punkten zum Handelsende sollte Anleger vorsichtiger werden lassen. Er ist ein Indiz dafür, dass die Korrektur seit dem Rekordhoch Anfang Januar mit 14.132 Punkten noch länger andauern und der Leitindex noch weiter abrutschen dürfte. Technischen Analysten zufolge könnte dann der Dax auf bis zu 12.600 Punkten fallen.

Bislang verläuft diese Korrektur aber noch in ruhigen Bahnen, eine Wiederaufnahme der Rally zu einem späteren Zeitpunkt ist wahrscheinlich.

Die Differenz zwischen dem Rekordhoch und dem Tief dieser Bewegung liegt bei 5,8 Prozent, ein vergleichsweise niedriger Wert. Ein weiterer Rutsch auf die Marke von 13.000 Punkten würde ein Minus von acht Prozent bedeuten, was ebenfalls noch kein Ende der Rally signalisiert. Erst ein Minus von 20 Prozent signalisiert eine Baisse.

Auch die Anlegerstimmung spricht gegen ein schnelles Ende dieser aktuellen Korrektur. Laut der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment herrscht bereits eine Zukunftseuphorie – ein Kontraindikator für schnell wieder steigende Kurse.

Dieses Verhalten zeigt auch das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart. Erstmals seit September kaufen Privatanleger mehr gehebelte Finanzprodukte, die von steigenden Kursen profitieren, als Absicherungsprodukte gegen fallende Kurse. Diese Situation gab es im vergangenen Jahr bereits zwei Mal. Beide Male waren die Privaten zu früh dran – die Kurse rutschten anschließend noch weiter ab, bevor die Rally wieder Fahrt aufnahm. Möglicherweise wiederholt sich dieses Szenario.

Wie sehr das Thema Kleinanleger gegen Hedgefonds am deutschen Aktienmarkt angekommen ist, zeigt der Blick auf die Wochenperformance von Aktien aus dem Nebenwerteindex MDax.

Dort waren Varta (plus 12,5 Prozent) und Evotec (plus zehn Prozent) die größten Wochengewinner, obwohl die beiden Aktien am Freitag mit minus 18 und minus zwölf Prozent abrutschten. Dahinter folgten Sartorius, Deutsche Lufthansa und Hugo Boss – bis auf Sartorius allesamt Papiere, bei denen Hedgefonds auf fallende Kurse setzen.

Allerdings ist die Quote insgesamt rückläufig, Hedgefonds beginnen damit, die Wette auf fallende Kurse zu verringern oder gar ganz zu schließen. Sie wollen vermeiden, wie im Falle von Gamestop hohe Verluste hinzunehmen. Dieses Verhalten führt dann oft zu steigenden Kursen.

Um eine Shortposition zu verkleinern oder ganz aufzulösen, müssen Hedgefonds die Aktien kaufen. Bei der Eröffnung einer Wette auf fallende Kurse haben sie sich die Titel von anderen Marktteilnehmern nur geliehen und danach sogleich verkauft.

Die Idee dahinter: Wer bei einer Aktie auf fallende Kurse wettet, erwartet, das Papier nach einiger Zeit günstiger zurückkaufen zu können, um es zum vereinbarten Termin an den Verleiher zurückzugeben. Die Differenz zwischen ursprünglichem Verkaufs- und anschließendem Rückkaufkurs kann der Shortseller als Profit einstecken, abzüglich der Gebühr, die er für die Wertpapierleihe zahlen musste.

In zwei Fällen kam es am vergangenen Donnerstag zu einer Art Panikkauf, weil zwei Hedgefonds ihre Shortpositionen bei Varta und Evotec komplett auflösten und an einem Handelstag mehr als 430.000 Varta-Papiere sowie 937.000 Evotec-Papiere zurückkauften. Ein in der Höhe ungewöhnlicher Vorgang.

Doch es gibt wie immer eine Ausnahme von dieser Regel: Beim Modekonzern Hugo Boss haben Hedgefonds ihre Shortsellerquote ausgebaut, sich also weitere Aktien geliehen und verkauft. Und dennoch stiegt der Aktienkurs von Hugo Boss in einer insgesamt schwachen Handelswoche um rund sechs Prozent.

Möglicherweise stehen dem Papier also nun spannende Handelstage bevor. Zum Wochenauftakt gibt es 0,1 Prozent nach. Größer ist das Minus bei der Varta-Aktie, die um 4,5 Prozent abrutscht.

Anleger treiben Silberpreis in die Höhe

Nach dem Höhenflug der Gamestop-Aktie verlegen Kleinanleger ihre konzertierten Käufe auf Silber. Der Preis für das Edelmetall stieg am Montag um 9,2 Prozent auf ein Sechsmonatshoch von 29,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Damit summiert sich das Plus der vergangenen drei Tage auf rund 15 Prozent.

Der gesamte Silbermarkt dürfte vielleicht eine Nummer zu groß sein für weitere drastische Kurssteigerungen. Einzelne Werte sind es aber nicht. Das beste Beispiel dafür ist First Majestic Silver, ein Silberminenbetreiber mit Schwerpunkt in Mexiko und dem schönen Börsenkürzel „AG“ (chemisches Symbol für Silber). Die Aktie steigt am deutschen Aktienmarkt um 32 Prozent.

Hintergrund: Bei First Majestic Silver sind aktuell 20 Prozent aller ausstehenden Aktien leerverkauft. Und der Markt für Edelmetalle ist ohnehin anfällig für Verschwörungstheorien, die in Internetforen wie Reddit gepostet werden. Auch die Aktie des kanadischen Silberproduzenten Avino Silver legte am US-Markt am heutigen Montag 70 Prozent zu.

Einer der jüngsten Reddit-Einträge zu First Majestic Silver lautet: „Silber ist die am meisten unterbewertete Anlageklasse auf dem Planeten wegen dieser Manipulation. Es sollte bei 1000 Dollar, nicht bei 25 Dollar stehen. Das Marktvolumen beträgt nur niedliche 40 Milliarden Dollar.“ Der Verfasser spekuliert auch auf bald steigende Kurse: „Ein Short-Squeeze wird den Bankstern (Mischung aus „Banker“ und „Gangster“, Anm. d. Red.) die Kontrolle entreißen, und großartige Aktien wie First Majestic werden zum Mond gehebelt, Mars und noch weiter.“

Nach einer Branchenstudie der Investmentbank Barclays standen zudem Immobilienwerte im Fokus - vor allem Aktien von Wohnimmobilien-Unternehmen. Für Deutsche Wohnen und Grand City Properties sprach ein Experte Empfehlungen aus, was den Papieren kräftig Auftrieb gab. Deutsche Wohnen gehören mit einem Plus von rund drei Prozent zu den besten Dax-Werten.

Eine zurückhaltendere Meinung eines anderen Experten beschleunigte indes die Talfahrt von Fresenius Medical Care (FMC) auf das tiefste Niveau seit April 2020. Der Markt für den Dialysespezialisten habe die Talsohle noch nicht erreicht. Auch Anteilsscheine der Konzernmutter Fresenius präsentierten sich schwach.

Unabhängig davon warteten Börsianer gespannt auf Ergebnisse des Impf-Gipfels, auf dem Bund und Länder über eine Verbesserung des Impfstoff-Nachschubs beraten. Mehrere Pharmafirmen kündigten bereits eine Ausweitung ihrer Produktion an. Die rasche Überwindung der Coronavirus-Pandemie sei wichtig für die Börse, sagte John Brigs vom Brokerhaus NatWest Markets. „Ein Großteil der Marktbewertungen setzt voraus, dass wir das Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen.“

Vor diesem Hintergrund stiegen die Aktien der Pharmafirmen Bayer, Curevac und Biontech um bis zu 8,4 Prozent. In Paris markierten die Titel von Valneva mit 11,10 Euro ein Rekordhoch, nachdem Großbritannien seine Bestellung für den noch nicht marktreifen Corona-Impfstoff der französischen Biotechfirma aufgestockt hatte.

Blick auf die Einzelwerte

Siemens Healthineers: Der Nettogewinn der Medizintechniksparte von Siemens ist im ersten Quartal um 44 Prozent gestiegen. Siemens Healthineers bezifferte ihn mit 437 (Vorjahr: 304) Millionen Euro. Der freie Mittelzufluss (Free Cashflow) hat sich auf 668 (244) Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die übrigen Kennzahlen hatte Siemens Healthineers bereits bekanntgegeben und die Prognose für 2020/21 erhöht. Die Aktie stieg um 1,7 Prozent.

Stabilus: Ein Gewinnanstieg ermunterte Anleger zum Einstieg. Die Aktien des Autozulieferers legten um drei Prozent zu.

Heidelberger Druck: Wegen des geplatzten Verkaufs eines Geschäftsbereichs droht den Aktien der größte Tagesverlust seit Monaten. Sie fallen um fast 14 Prozent auf 1,13 Euro. Dem Druckmaschinenhersteller zufolge hat die Schweizer Benpac Holding den Kaufpreis von 120 Millionen Euro für die Gallus-Gruppe nicht bezahlt.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Warum ist die Marke von 13.500 Punkten so wichtig? Im vergangenen Jahr hatte der Dax monatelang in einer Seitwärtsphase verharrt, zwischen eben 13.500 Punkten auf der Ober- und 12.300 Zählern auf der Unterseite. Als der Leitindex die hohe Hürde im Dezember 2020 schließlich überwunden hatte, diente sie fortan als relevante Unterstützung. Die Kurse stiegen auf bis zu 14.132 Punkte – nun fiel der Index erstmals wieder unter seine Unterstützungslinie.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.