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Dax ist weiter auf Rekordjagd – doch der erste Versuch scheitert

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Der deutsche Leitindex hat sein Allzeithoch weiter im Blick. Setzt sich diese Entwicklung fort, droht vielen Profis ein ungemütlicher „Hexensabbat“.

Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa
Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa

Der Ausbruch nach oben ist dem Dax in der laufenden Handelswoche gelungen. An diesem Freitag steht er unmittelbar vor dem nächsten Schritt. Der Leitindex notiert am Vormittag 0,3 Prozent im Plus über der Marke von 13.000 Punkten. Der höchste Stand des Tages liegt bei 13.774 Zählern. Anschließend ging es wieder leicht abwärts.

Damit hat sich der Dax auf bis zu 20 Punkte an sein Rekordhoch von 13.795 Punkten angenähert. Sein bisheriges Maximum erreichte der Dax im Februar, kurz vor den außerordentlichen Kurseinbrüchen im Zuge der Corona-Pandemie im Frühjahr.

Am Vortag konnte sich die Frankfurter Benchmark seinem Allzeithoch zwischenzeitlich schon um 69 Punkte nähern. Die Handelsspanne zwischen 13.005 und 13.450 Punkten – dazwischen hatte sich der Dax fünf Wochen lang bewegt, zwischen Mitte November und Mitte Dezember – ist kurzfristig überwunden.

Den jüngsten Aufwärtsimpuls hat sich der Dax hart erarbeitet. Während seiner mehrwöchigen Seitwärtsbewegung lag die Kaufbereitschaft der Investoren auf einem relativ hohen Niveau. Zwischenzeitlich jedoch hatten Anleger – Profis und Private – die Geduld verloren und verkauft. Das wird ihnen nun zum Verhängnis. Ihr Wiedereinstieg zu höheren Preisen dürfte einer der Kurstreiber sein, ebenso die erhöhte Nachfrage von Anlegern aus dem Ausland.

Das Erreichen des Rekordhochs dürfte am Freitag jedoch noch mühevoller werden. Es ist „Hexensabbat“ an den Börsen – Anleger sollten sich daher auf einen turbulenten Handel einstellen. Welche Entwicklungen die Kurse beflügeln und drücken können:

1) Verfallstag

Immer am dritten Freitag in März, Juni, September und Dezember laufen weltweit an den Börsen viele Termingeschäfte auf einmal aus. Der letzte Handelstag aller vier Derivate-Typen (Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien) fällt auf denselben Tag.

Zur Mittagszeit um 12 Uhr verfallen zunächst die Index-Optionen und -Futures der europäischen Aktienindizes EuroStoxx 50 und Stoxx 50 an der Terminbörse Eurex. Die Abrechnungspreise für Terminkontrakte auf den Dax und MDax werden um 13 Uhr festgestellt. Erst gegen Handelsschluss laufen dann die Optionen und Futures auf die einzelnen Aktien aus. Dies gilt zudem nicht nur für die Eurex, sondern für die meisten großen Börsen weltweit.

Am „Hexensabbat“ versuchen institutionelle Investoren wie etwa Fonds- oder Vermögensverwalter die Kurse so zu beeinflussen, wie es für sie persönlich von größtem Vorteil ist. Sie wollen die Kurse auf das Niveau steuern, zu dem sie an den Terminbörsen engagiert sind.

In der Folge kann es zu deutlichen Schwankungen kommen, obwohl sich die fundamentalen Rahmenbedingungen eines Unternehmens nicht verändert haben. Diese Ausschläge können so groß sein, dass ein gesamter Index scheinbar grundlos schwankt. In der Vergangenheit konnte man beobachten, wie die Volatilität kurzfristige Aufwärtsbewegungen gehemmt hat.

Ein Blick auf die aktuelle Positionierung der Profis zeigt: Ein Dax-Niveau von 13.000 Punkten wäre sowohl für Investoren aus dem Bullen- als auch aus dem Bärenlager halbwegs akzeptabel. Einzig: Es deutet wenig darauf hin, dass der Dax in den kommenden Handelsstunden 700 Punkte einbüßt. Viele Put-Optionen liegen noch weiter unterhalb, beispielsweise bei 12.000, 11.500 und 11.000 Punkten. Ihnen drohen daher erhebliche Verluste.

2) Konjunkturpaket in den USA

Als weitere Stütze dient die Annäherung zwischen Demokraten und Republikanern hinsichtlich eines Konjunkturpakets in den USA. Nach monatelanger Diskussion mehren sich die Anzeichen, dass sich beide Parteien auf ein Hilfspaket im Volumen von 900 Milliarden Dollar einigen können. Kongressmitglieder signalisierten in den vergangenen Tagen erneute Annäherung. Die dadurch ausgelöste positive Marktstimmung an der Wall Street, wo die drei großen Indizes am Donnerstag einmal mehr neue Höchststände erreichten, überträgt sich auf dem deutschen Markt.

Ohnehin drängt die Zeit in den USA. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind immer deutlicher zu spüren. Manche US-Regionen verzeichneten kaum oder gar kein Wachstum, geht aus dem Konjunkturbericht der Notenbank Fed hervor. Auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg auf 885.000, zeigen die jüngsten Daten vom Vortag. Erschwerend kommt hinzu: Bleibt eine Einigung aus, läuft die Arbeitslosenunterstützung für etwa zwölf Millionen Amerikaner aus.

3) Konjunkturentwicklung

Von den anhaltend hohen Fall- und Todeszahlen in der Pandemie sowie dem erneuten harten Lockdown zeigen sich die Aktienmärkte weiter unbeeindruckt. Vielmehr stützt die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff-Start und eine mittelfristige Erholung der Konjunktur die Kurse.

Auch der ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert Besserung. Trotz des Lockdowns kletterte der Index im Dezember entgegen der Erwartung von Ökonomen auf 92,1 Punkte von 90,9 Zählern im Vormonat. Dies war der erste Anstieg nach zwei Rückgängen in Folge.

Einzelwerte im Fokus

1 & 1 Drillisch: Die Titel stiegen im MDax um mehr als vier Prozent. Sie reagierten damit auf ein wohlwollend bestätigtes Schiedsgutachten im Streit mit Telefonica Deutschland um den Netzzugang. Der Schiedsgutachter entschied, dass die von Telefonica im Dezember 2018 geltend gemachte Preiserhöhung im geprüften Zeitraum (2016 bis 2020) in voller Höhe unberechtigt ist und damit zu keiner Zahlungsverpflichtung führt, wie Drillisch mitteilte. Die Papiere der Muttergesellschaft von 1 & 1, United Internet, gewannen 3,8 Prozent.

Telefonica Deutschland: Der Konzern hob nach dem Entscheid darauf ab, dass die Optionen für eine künftige Kostenbeteiligung von 1 & 1 Drillisch bestehen bleiben. Ab 2021 sei man berechtigt, entsprechende Überprüfungen einer Kostenbeteiligung auf Basis des Gutachtens zu beantragen. Der Anteilsschein kletterte um 1,3 Prozent.

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