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Dax bleibt im Korrekturmodus – Wiederholt sich das Lockdown-Szenario?

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 6 Min.

Der deutsche Leitindex verlängert seine Verschnaufpause. Turbulenter geht es wieder bei der Grenke-Aktie zu. Das Papier liegt deutlich im Plus.

Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa
Auf der Unterseite steht die Marke von 13.500 Punkten im Fokus. Foto: dpa

Der Dax ringt derzeit mit der psychologisch wichtigen Marke von 14.000 Punkten. Im Vormittagshandel notiert das Börsenbarometer bei 13.981 Punkten, ein Minus von 0,2 Prozent.

Bereits am gestrigen Dienstag hatte sich der deutsche Leitindex nach dem neuen Rekordhoch am Montag (14.169 Punkte) eine Verschnaufpause gegönnt und 0,3 Prozent im Minus bei 14.012 Zählern geschlossen.

Der heutige Mittwoch ist wieder ein „Lockdown-Day“. Im Tagesverlauf beraten Bund und Länder über eine Verlängerung der aktuellen Pandemie-Beschränkungen. Wegen des schleppenden Verlaufs der Massen-Impfungen und der Unsicherheiten bezüglich der Corona-Mutationen sind größere Lockerungen im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nicht zu erwarten.

Es dürfte interessant zu beobachten sein, wie sich der Dax vor den neuen Lockdown-Entscheidungen und in den Tagen danach verhält. Bislang ergab sich in drei von vier Fällen folgendes Bild: Die Kurse gaben vor den Entscheidungen nach oder stürzten sogar regelrecht ab. Doch nachdem ein Lockdown beschlossen oder verschärft wurde, stiegen die Notierungen wieder.

Dreimal ist exakt dieses Szenario eingetreten: Mitte März und Anfang November des vergangenen sowie Anfang Januar des laufenden Jahres. Als die Maßnahmen am 5. Januar verschärft wurden, lag das deutsche Börsenbarometer zwischenzeitlich bei 13.566 Zählern, dem bisherigen Tief des noch jungen Börsenjahres 2021. Drei Handelstage später wurde das Rekordhoch bei 14.132 Punkten erreicht, das bis zum Anfang dieser Woche Bestand hatte.

Allerdings gab es nach der Lockdown-Verlängerung am 19. Januar dieses Jahres – auch dann wurden einige Regeln verschärft – eine entgegengesetzte Bewegung. Am Tag nach dem Beschluss kletterten zwar der MDax und SDax auf Rekordhochs und auch der Leitindex schloss 0,8 Prozent fester. Doch danach ging es deutlich abwärts.

In der Spitze fiel der Index im Zuge der Gamestop-Hysterie um bis zu 600 Punkten auf 13.311 Zähler. Das war im Nachhinein betrachtet ein Einstiegssignal. Geschichte an der Börse wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich, lautet das dazu passende Börsenzitat.

Die Situation für den Dax sieht laut Sentimentanalyse wie folgt aus: Es gibt derzeit eine deutliche Verkaufsbereitschaft der Investoren im Bereich zwischen 14.150 bis 14.200 Punkten. Diese Szenario wurde bislang mit der Korrektur nach dem Rekordhoch von 14.169 Zählern bestätigt.

Es dürfte nicht einfach sein, diesen Widerstand zu überwinden. Sollte diese Marke aber nachhaltig passiert werden, könnte das als wichtiges Kaufsignal und als Indikator für weiter steigende Kurse interpretiert werden.

Auf der Unterseite hingegen besteht die Gefahr einer deutlichen Korrektur. Erste Kaufbereitschaft der Anleger ist erst bei 13.500 Zählern zu erkennen. Darunter wäre der Bereich um 13.000 Zähler die nächste Unterstützung.

Blick auf die Einzelwerte

Delivery Hero: Der Essenslieferdienst hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Die Erlöse kletterten um 95 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die Zahl der Bestellungen legte um 96 Prozent auf 1,3 Milliarden zu.

Wegen hoher Investitionen in die Expansion schreibt Delivery Hero aber weiter Verluste. Die genaue Summe will das in mehr als 40 Ländern aktive Unternehmen, das sein Deutschland-Geschäft („Lieferando“) an den Konkurrenten JustEatTakeaway.com aus den Niederlanden verkauft hat, erst im April bekanntgeben. Auch einen Ausblick soll es erst später im Jahr geben.

Aktionäre hatten bereits am Tag vor den Geschäftszahlen auf eine positive Geschäftsentwicklung gesetzt. Die Aktie war am Dienstag mit einem Plus von 2,7 Prozent größter Dax-Gewinner. Das ist wohl ein Grund, warum die Reaktion auf die Zahlen verhalten ist: Der Titel gibt 0,3 Prozent nach.

Die Aktienperformance von Delivery Hero ist im Vergleich zum Dax seit einigen Wochen unterdurchschnittlich. In den vergangenen vier Wochen ist der Aktienkurs um 1.,7 Prozent gefallen.

Thyssen-Krupp: Der kriselnde Industriekonzern hat nach einem überraschend guten Jahresauftakt seine Prognose für das Geschäftsjahr 2020/21 erhöht. Die Aktie hat eine erstaunlich positive Kursentwicklung hinter sich. In den vergangenen vier Wochen ist der Kurs um elf Prozent gestiegen, der Börsenwert hat sich in den vergangenen drei Monaten mehr als verdoppelt. Am heutigen Tag legt das Papiere weitere 4,9 Prozent zu und notiert bei 10,40 Euro.

Qiagen: Anleger greifen nach einem Umsatz- und Gewinnwachstum im vergangenen Quartal zu. Die Aktien von Qiagen gewinnen 0,5 Prozent. Das Biotechunternehmen profitiert von einer starken Nachfrage nach Produkten für Covid-19-Tests. Zudem gibt es erneute Übernahmespekulationen, was die Anleger am gestrigen Handelstag aber ignorierten.

Grenke: Nach den jüngsten Kursturbulenzen ziehen die Aktien um mehr als 17 Prozent an. Die Leasingfirma hatte sich am Dienstagabend zu den Vorfällen geäußert. Vorstand Mark Kindermann sei gegangen, nachdem die Bafin Kritik an internen Prozessen geäußert habe. Das Unternehmen betonte, keiner dieser Kritikpunkte der Bafin lasse auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens schließen.

Die Investorengruppe Viceroy Research hatte Grenke Mitte September öffentlich angegriffen und dem Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken, Scheingewinnen und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vorgeworfen.

Dic Asset: Das Immobilienunternehmen hat 2020 infolge des reduzierten Verkaufsvolumens netto weniger verdient. Die Aktionäre sollen aber eine auf 0,70 (0,66) Euro je Aktie angehobene Dividende erhalten. Diese Entscheidung sorgt am heutigen Mittwoch für ein Kursplus von mehr als zehn Prozent.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Die technischen Analysten der Landesbank Helaba zweifeln weiterhin an der Nachhaltigkeit der Aufwärtsbewegung. „Beim Dax zeichnet sich eine temporäre, obere Wendeformation ab. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die jüngst eingeleitete Korrektur ausgedehnt wird“, schreiben sie ihrem Morgenkommentar.

Für die Charttechniker der Bank HSBC war der gestrige Korrekturtag hingegen ein „gesundes Kräftesammeln vor dem neuen Kursschub“. Für sie liegt das nächste Ziel auf der Oberseite oberhalb des Rekordhochs bei rund 14.300 Punkten.

Als erste Unterstützung dient nun die Aufwärtskurslücke vom Ende Januar. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie sind quasi eine Neubewertung des Markts, weil es zwischen der Lücke keinen Handel gab.

Diese Lücke in Zahlen: Am Montag vergangener Woche lag der höchste Dax-Kurs bei 13.648 Zählern, die niedrigste Notierung am Dienstag vergangener Woche bei 13.693 Punkten. Wichtiger ist allerdings der Bereich um 13.500 Zähler.

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