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Datenschatz Verkehr: VW und Daimler wollen die Pläne der Kanzlerin unterstützen

·Lesedauer: 4 Min.

Deutschlands große Autokonzerne bereiten den Einstieg in Angela Merkels „Datenraum Mobilität“ vor. Vor allem Volkswagen sieht großes Potenzial für das gemeinsame Großprojekt.

Angela Merkel (CDU) kann beim Autogipfel am Dienstagabend auf Verbündete aus Wolfsburg setzen: Der größte deutsche Autobauer Volkswagen will in den von der Kanzlerin beworbenen Datenraum Mobilität einsteigen. „Wir sehen darin einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Deutschland und streben eine direkte Beteiligung an“, erklärte eine Konzernsprecherin auf Nachfrage.

„Das Innovationspotenzial einer übergreifenden Datennutzung ist enorm“, sagte sie weiter. Auch würden so bessere Entscheidungen getroffen und noch bessere Produkte entwickelt. Davon könne „die gesamte Wirtschaft, uns eingeschlossen, nur profitieren“.

Besser hätte es die Kanzlerin auch nicht sagen können. Um 19 Uhr werden sich die Konzernchefs von BMW, Daimler und Volkswagen sowie wichtiger Zulieferer wie Bosch und Continental und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zur Videokonferenz mit dem Bundeskanzleramt einschalten.

Es geht um Abwrackprämien und Kaufprämien, um die Absatzschwäche der Branche abzufedern. Auch von privaten Hilfsfonds für die wankende Zulieferindustrie ist die Rede. Es geht der Kanzlerin auch ums autonome Fahren, vor allem aber will sie den letzten großen Datenschatz im Big-Data-Geschäft heben: mit dem Datenraum Mobilität.

Das Konzept, das dem Handelsblatt vorliegt, hat die Kanzlerin bei der Akademie für Technikwissenschaften bestellt – obwohl die Autobauer bislang wenig Interesse zeigten, sich an dem Projekt zu beteiligen. Beim Autogipfel wird es nun immerhin diskutiert. Wie es aus Regierungskreisen hieß, sei neben Volkswagen nun auch Daimler bereit, in die Gesellschaft einzusteigen. Die Stuttgarter Autobauer wollten sich vor dem Treffen im Kanzleramt nicht äußern.

Volkswagen baut indes bereits einen eigenen Datenmarktplatz für das Projekt auf. „Ein eigener Marktplatz ist die Voraussetzung, um sich an übergeordneten Plattformen wie dem Datenraum Mobilität zu beteiligen“, erklärte eine Sprecherin.

Bis Ende März will Acatech als Träger den Datenraum in eine gemeinnützige GmbH überführen. Hier strebt nicht nur Volkswagen direkte Anteile an, das selbst von der Transformation „hin zum softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter“ spricht. Zu den Aktivisten der ersten Stunde gehören auch etwa Here Technologies, die Datenplattform von Audi, BMW und Daimler; der Mobilitätsanbieter Free Now, an dem BMW und Daimler beteiligt sind, die Deutsche Bahn AG, der Deutsche Wetterdienst, die Bundesanstalt für Straßenwesen oder die hessische Straßenbauverwaltung Hessen mobil.

Wer nicht direkt Gesellschafter werden will, kann Rahmenverträge für Teilnahme- und Datennutzungsverträge unterzeichnen, die Acatech Anfang Dezember vorlegen will.

Here und Free Now setzen erste Geschäftsideen um

Es geht um die Zukunft allen Verkehrs: automatische Anzeigen, wenn ein Zug ausfällt, Verkehr sich in einer Straße staut oder Baustellen umfahren werden müssen, kombiniert mit Alternativangeboten oder eine optimierte Verkehrssteuerung übers Navigationsgerät, die auch Prognosen abgeben kann.

Das alles soll auf den Datenbergen der teilnehmenden Konzerne künftig besser gesteuert werden als bislang. Erste Ideen finden sich im Datenraum-Konzept, um das mobile Leben zu verbessern. Die Unternehmen bringen sich bereits ein.

Während Präferenzen und Bewegungen der Nutzer im Internet bereits via Cookies und anderer Trackingtools detailliert erfasst und für neue Produkte und die Werbung aggregiert werden, liegen im Verkehrssektor erfasste Daten noch verstreut und in unterschiedlichsten Formaten gespeichert vor – bei Autobauern, Taxi-Unternehmen, Poolinganbietern, aber auch der Bahn. Künftig soll alles einheitlich gespeichert werden und allen zur Verfügung stehen.

Auch die Technischen Überwachungsvereine engagieren sich über ihren Verband beim Datenraum Mobilität, um Zugriff zu bekommen. Je mehr Software und automatische Fahrfunktionen Einzug in die Autos halten, Programme „over the air“ aktualisiert werden, müssen Tüv, Dekra und Co. auch diese Teile des Fahrzeugs überprüfen können.

Der Tüv-Verband fordert ein „Trust Center“, das von einem unabhängigen Dritten betreut wird und über den die Prüfer Daten abrufen können. Es gehe um die „Betriebs-, Verkehrs- und Umweltsicherheit“ wie der Verband der Überwachungsvereine in einem Positionspapier schreibt.

Privater Betreiber gesucht

Acatech will in der Tat per Ausschreibung einen privaten Betreiber suchen, der das System zum 1. Juli übernimmt. Es basiert auf der Infrastruktur der International Data Spaces Association (IDSA). Sie ist dezentral aufgebaut, sodass jeder Datenanbieter seine Daten auf dem eigenen Server behält und darüber verfügt, wer sie zu welchen Konditionen wie nutzen darf.

„Ein gutes Mittel ist die Zertifizierung zur Einhaltung von Standards durch alle Teilnehmer in einem Maße, das die marktwirtschaftliche Selbstregulierung des Datenraums ebenso fördert“, gibt Volkswagen die Marschrichtung vor.

Am 1. Oktober 2021 soll der Datenraum offiziell seinen Regelbetrieb starten, um dann 14 Tage später auf dem Weltkongress für Telematik in Hamburg sein Können einem breiten Publikum unter Beweis zu stellen. „Ziel ist es, zunächst etwa fünf Use Cases zu zeigen“, heißt es im Konzept.