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Warum jetzt alle über das Kreativprojekt "Kliemannsland" sprechen und wie du teilnehmen kannst

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Ungefähr in der Mitte zwischen Hamburg und Bremen liegt das Kliemannsland. Ein Ort, an dem es immer etwas zu werkeln gibt und an dem Videos entstehen, die eine halbe Millionen Abonnenten über den hauseigenen YouTube-Kanal verfolgen. Was teilweise chaotisch und auf lustige Art sinnbefreit wirkt, ist aber das genaue Gegenteil.

Das Kliemannsland ist aus Versehen entstanden und findet nicht nur auf YouTube großen Anklang. (Bild: Kliemannsland / YouTube)

Über die Notwendigkeit eines Schlagzeugs, das mit so vielen Sprungfedern ausgestattet ist, dass der Schlagzeuger beim Spielen mitfedert, kann man sicher streiten. Muss man aber nicht und sollte man vor allem dann nicht, wenn man Spaß an verrückten Ideen hat und gerne Leuten dabei zusieht, wie sie eben solche verwirklichen.

Innerhalb eines Tages haben sich 218.000 User das dazugehörige Video auf dem YouTube-Channel “Kliemannsland” angeguckt, das folgenden Titel trägt: “Schleuder-Schlagzeug | Wackel Boingy Drums bauen“. Folgender Kommentar drückt ganz gut aus, was die Faszination an Aktionen wie dieser ausmacht: “Das ist das Dümmste, was ich bei euch gesehen habe... Ich liebe es“.

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Quatsch, aber mit Sinn

Ein anderes Video zeigt, wie man aus einem 20-Euro-Wurfzelt ein Kite baut, das man dann zum Beispiel hinter einem Trecker herziehen kann. Namensgeber Fynn Kliemann surft auf einem von einem Auto gezogenen Teppich, jongliert auf riesigen Heuballen oder fliegt mit nacktem Oberkörper von einem durchgegangenen Pferd. Andere Filme beschäftigen sich mit praktischen handwerklichen Herausforderungen wie dem Bau einer Garage oder Küche, dem Wurstmachen oder zeigen, wie man einen heruntergekommenen ehemaligen Dorfsaal in eine Partylocation verwandelt. Die Clips wirken teilweise wie eine Mischung aus “Jackass“ und einer cooleren Variante von “Hör´ mal, wer da hämmert“, wobei der 31-jährige Fynn Kliemann weitaus besser zum Heimwerkerkönig taugt als der schusselige Tim Taylor.

Was aus dem Hof werden würde, war nicht geplant

In einem von der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ veröffentlichten Video erklärt Kliemann als einer der Köpfe hinter dem Kreativprojekt, wie die ganze Sache vor drei Jahren angefangen hat. Eigentlich habe er damals einen Hof gesucht, auf dem man einfach alles kaputt machen könne. Als dann der alte Hof in dem 250-Einwohner-Dorf Rüspel auf den Radar kam, sei der “viel zu schade“ gewesen, “um den einfach zu zerstören.“ Und so entstand quasi aus Versehen und ohne, dass es jemand geplant hätte, das Kliemannsland.

Ein Hof mitten im Kaff mit drei Hektar Land, auf dem prinzipiell jeder willkommen ist, der nicht nur gammeln oder Party machen, sondern anpacken will. Kliemann sagt: “Die Leute kommen hierher und buckeln richtig heftig, um etwas Krasses zu machen. Das ist keine Hippie-Truppe, sondern eine Arbeiter-Truppe.“

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Der Wahnsinn verteilt sich auf zwei Schultern

Der zweite Mann hinter dem Kreativprojekt ist Hauke Gerdes, der auf der Kliemannsland-Website u. a. als “Deko-Tante“ und “Hardcore-Ostfriese“ beschrieben wird. Er lernte Fynn kennen, als er noch für den Sender Rocket Beans arbeitete und jemanden brauchte, der dafür eine Website gestalten konnte. Als dann im Gespräch herauskam, dass beide eine Vorliebe fürs Landleben haben, berichtete ihm Fynn schließlich von dem Hof.

Wer bleiben will, muss arbeiten

Konkret funktioniert das Leben dort so: Auf der Website kann man sich als Bürger oder Bürgerin des Kliemannslands registrieren und unter der Rubrik Fynnder erkundigen, welche Projekte anstehen. Man kann auch eigene Vorschläge einbringen und andere bewerten, dem Hof einfach nur am Wochenende einen Besuch zum Kaffeetrinken abstatten oder den Saal für eine Hochzeit oder Feier mieten.

Wer arbeitet und in der Zeit an den Gebäuden werkelt, einen Kräutergarten anlegt, beim Weihnachtsmarkt hilft, den Teich sauber macht oder die Riesenwasserrutsche repariert, darf in dieser Zeit auch dort in ausrangierten Wohnwagen übernachten, wobei auch ein Campingplatz geplant ist.

Aus mancher Stippvisite wird ein dauerhafter Aufenthalt

Wo der Hof für manche nur eine willkommene Abwechslung zum Alltag ist, bei der man seine Kreativität einbringen, etwas Nützliches schaffen und dabei Spaß haben kann, ist er für andere schon zum Zuhause geworden. Das Leben eines Mannes namens Brian hat sich von Grund auf verändert, seit er 2016 zum ersten Mal ein Video vom Kliemannsland auf YouTube gesehen und sich dazu entschlossen hat, dem Hof mit seinem Wohnmobil einen Besuch abzustatten. Verbrachte er anfangs nur die Wochenenden dort, ist er mittlerweile von Hamburg aus ins ländliche Niedersachsen gezogen und bezeichnet die Leute auf dem Hof als seine Familie.

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So läuft die Finanzierung

Geldspenden wollen die Kliemannsländer nicht, das Projekt finanziert sich aus mehreren Quellen. Dazu gehören zum Beispiel der NDR, unter dessen Redaktion die Videos für “funk”, das Jugendangebot von ARD und ZDF produziert werden. Auf der Homepage heißt es zum Punkt Finanzierung: “Da sind zum einen Eigeninvest durch Fynn und die Produktionsfirma cineteam hannover und zum anderen Fördergelder von der Nordmedia und weiterer öffentlicher Support, die uns helfen, das Projekt auf die Beine zu stellen, so wie wir es uns vorstellen. Wir sind öffentlich rechtlich, deshalb schalten wir keine Werbung und haben keine Sponsoren“, heißt es weiter. Zudem würden ihnen viele Dinge, die sie für die tägliche Arbeit brauchten, geschenkt. Sachspenden sind also willkommen. Das Projekt läuft mittlerweile auch finanziell so gut, dass es inzwischen sogar fünf hauptamtliche Mitarbeiter gibt, die zum Beispiel für Social Media oder das Schneiden der Videos zuständig sind.

Wie kann man mitmachen?

“Wenn du Bock hast, im Kliemannsland mitzuwirken, haben wir immer Projekte ausgeschrieben zu denen du dich als Bürger eintragen und rumkommen kannst!“, heißt es auf der Website. Und weiter: “Wir freuen uns auf dich. Küsschen“.

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