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Das erfolgreiche Börsenjahr 2019 - wann kommt der große Crash?

Vincent Uhr
freier Journalist
US-Flagge an der Wall Street (DON EMMERT/AFP via Getty Images)

Das aktuelle Börsenjahr 2019 hat seinen Investoren einiges abverlangt. In Zeiten des Handelskonfliktes und konjunktureller Unsicherheiten war die Volatilität erneut etwas höher. Ein Marktumfeld, das sich jedoch bereits im vorherigen Börsenjahr 2018 angedeutet hat.

Trotz dieser teilweise heftigen Kursbewegungen waren die vergangenen elf Monate für Investoren dennoch recht erfolgreich. Der DAX kletterte beispielsweise seit Jahresanfang von fast 10.600 Punkten auf seinen derzeitigen Stand von über 13.000 Punkte, der marktbreite US-amerikanische S&P 500 hat in diesem Jahr hingegen die Marke von 3.000 Punkten erstmalig erobert. Ausgehend von einem Startniveau von knapp über 2.500 Punkten.

Viele Börsenbarometer sind trotz all der schwelenden Unsicherheiten daher deutlich zweistellig gestiegen. Das führt unweigerlich zu einer Frage: Wann kommt der nächste, große Crash?

Statistiken lügen nicht

Gemäß gängiger Statistiken scheinen wir eigentlich längst überfällig für eine größere Korrektur. Die globalen Börsenbarometer neigen schließlich in regelmäßigen Abständen dazu, teilweise auch heftig zu korrigieren, wobei sich die zeitlichen Intervalle eigentlich stets in einem Abstand von maximal zehn Jahren abzuspielen schienen. Wobei auch das eher eine Beobachtung, als eine Regel zu sein scheint.

Im Jahre 1993 gab es so beispielsweise die erste, signifikante Abwärtsbewegung innerhalb der vergangenen rund 30 Jahre, gefolgt von der Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrtausends. Der letzte regelrechte Crash ereignete sich dabei zwischen den Jahren 2007 und 2008, wo die Finanzkrise, ausgelöst durch faule Immobilienkredite, die Börsen in die Knie gezwungen hat. Seitdem blieben die Investoren von größeren Korrekturen weitgehend verschont.

Kleinere Korrekturen hat es zwischen den Jahren natürlich gegeben. Alleine zwischen April und September 2015 korrigierte der DAX beispielsweise deutlich zweistellig, genauso wie zwischen November 2015 und Februar 2016, sowie zwischen Mai und Dezember 2018. Der große Knall lässt jedoch noch immer auf sich warten.

Gängigen Statistiken zur Folge sind solche kleineren Korrekturen jedoch keine Seltenheit. Alleine seit Anfang der 1950er Jahre haben die globalen Börsen dazu geneigt, alle 1,86 Jahre im Durchschnitt um mindestens 10 % zu korrigieren, wobei größere Crashs wie die der Jahre 2001 oder auch 2007/08 stets die Seltenheit geblieben sind. Womöglich ist die aktuelle Volatilität daher eigentlich eine gewisse Börsennormalität, die kluge, langfristig-orientierte Investoren für sich nutzen können.

Befinden sich die Börsen in einer Blase?

Ein weiteres Merkmal, das womöglich zu einem Crash führen oder einen solchen auslösen könnte, wäre außerdem eine signifikante Überbewertung von Aktien. Es mag in unseren heimischen Gefilden und in den internationalen Börsenligen zwar einige Aktien geben, die in Anbetracht der jüngsten Rallye wieder über hohe, zweistellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) verfügen. Der DAX-Durchschnitt aller Aktien ist allerdings vergleichsweise noch immer moderat.

Das arithmetische Mittel aller DAX-KGVs beläuft sich im Moment auf 15,8 – wobei man sich an dieser Stelle natürlich darüber streiten kann, ob das günstig oder teuer ist – historisch gesehen sind wir von einem Blasenbewertungsmaß jedoch noch immer weit entfernt.

Während der Dotcom-Blase belief sich das Bewertungsmaß beispielsweise auf einen Durchschnittswert von über 30, was zugegebenermaßen historisch hoch für unseren zyklischen Leitindex gewesen ist. Allerdings spiegeln die heutigen Bewertungen insgesamt noch kein gewaltiges Rückschlagspotenzial wider, zumal wir auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Analyse der aktuellen Ausgangslage berücksichtigen müssen.

Das Zinsniveau befindet sich noch immer auf einem historischen Tiefpunkt und Aktien bleiben für langfristig-orientierte Investoren auf der Jagd nach attraktiven Renditen alternativlos. Das könnte das vergleichsweise teure Bewertungsmaß nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate ebenfalls relativieren.

Es gibt Risiken, aber auch Chancen

Nach dem erfolgreichen Börsenjahr 2019 mit signifikanten Kursgewinnen existieren daher gewiss einige Risiken. Der Handelskonflikt schwebt noch immer wie ein Damokless-Schwert über den weltweiten Börsen und auch eine sich eintrübende Weltkonjunktur kann ein gewisses Rückschlagsrisiko symbolisieren.

Das Bewertungsmaß unseres heimischen Leitindex scheint jedoch, speziell unter Berücksichtigung des Zinsniveausm eher moderat und von einer signifikanten Überbewertung weit entfernt. Außerdem existieren Chancen, beispielsweise bei einem glimpflichen Ausgang des Handelskonfliktes.

Früher oder später werden die weltweiten Börsen daher wieder korrigieren, vermutlich auch mal etwas stärker. Das kommende Jahr muss hier allerdings nicht zwingend der Crash- oder Korrekturzeitpunkt sein.