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Leidgenosse Eckstein: "Davon würde ich Eriksen abraten"

·Lesedauer: 7 Min.
Leidgenosse Eckstein: "Davon würde ich Eriksen abraten"
Leidgenosse Eckstein: "Davon würde ich Eriksen abraten"

Es war der Schock-Moment bei der bisherigen Europameisterschaft. (EM: Alle Tabellen der EM 2021)

Der Däne Christian Eriksen war beim Spiel gegen Finnland kurz vor Ende der ersten Halbzeit auf dem Spielfeld kollabiert. Rettungskräfte begannen daraufhin mit Wiederbelebungsmaßnahmen auf dem Rasen. Inzwischen befindet sich der 29-Jährige auf dem Wege der Besserung. (SERVICE: Der Spielplan der EM)

Der frühere Nationalspieler Dieter Eckstein (spielte unter anderem für den 1. FC Nürnberg und Schalke 04) kann mit Eriksen mitfühlen. Der 57-Jährige hat vor zehn Jahren auf dem Fußballplatz in Regensburg einen Herzstillstand erlitten. Wenn er Bilder mit dem Kollaps von Eriksen sieht, kommen die Erinnerungen hoch. Darüber spricht er höchst emotional im SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Eckstein, wie haben Sie das wahrgenommen, als Christian Eriksen auf dem Platz zusammenbrach?

Dieter Eckstein: Ich habe das zuerst gar nicht realisiert, weil er kurz vorher noch am Ball war. Ich dachte, er hat sich das Knie verdreht, aber damit hat keiner gerechnet. Doch dann fuhr die Kamera näher an sein Gesicht und man konnte sehen, wie aufgerissen seine Augen waren. Da dachte ich nur: "Oh shit!" Als ich dann die Schwere realisierte, bin ich aus dem Zimmer gegangen. Es kam der Notarzt, der eine Herzdruck-Massage gemacht hat und an den Füßen hat man sehen können, dass etwas ganz Schreckliches passiert sein muss.

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SPORT1: Kamen da bei Ihnen sofort Erinnerungen an 2011 hoch, als Sie auf dem Platz zusammengebrochen sind?

Eckstein: Oh ja. Es war fast ähnlich. Gott sei Dank kam Eriksen schnell zu Bewusstsein, war nach einigen Minuten wieder wach und hat alles mitbekommen. Ich lag sechs Tage im Koma und habe gar nichts mitbekommen. Hinterher habe ich es mir erzählen lassen.

SPORT1: Was ist damals bei Ihnen passiert?

Eckstein: Das war eine ganz komische Geschichte. Ich war unterwegs zu einem Benefizspiel für einen 30 Jahre alten Fußballer, der im Training zusammen brach, einen Herzinfarkt erlitten hatte und gestorben ist. Er hatte eine Familie mit drei Kindern, dieses Benefizspiel war für seine Lieben. Der Wahnsinn war, dass die Frau und Kinder auf der Tribüne saßen und uns beim Spielen zusehen wollten. Doch dann passierte mir das Gleiche in der Halbzeit. Ich bin mit Martin Driller und Thomas Ziemer auf den Platz gekommen und plötzlich fiel ich um. Ich habe die Bilder heute noch, schaue sie mir aber nicht an. Ich war klinisch tot. Bis der Rhythmus wieder da war, hat es 13 Minuten gedauert.

Eckstein: "Es war ein Wunder"

SPORT1: Was war Ihr Glück?

Eckstein: Ein Doktor und zwei Feuerwehrleute saßen auf der Tribüne und wollten sich eigentlich nur das Spiel anschauen. Und der Doc hatte einen Defibrillator und Sauerstoff im Auto, was selten ist. Es war ein Wunder, weil die Feuerwehr nichts dabei hat, wenn sie zivil unterwegs sind.

SPORT1: Wie leben Sie mit dem Defibrillator?

Eckstein: Es gibt gute und schlechte Tage. Ich hatte gerade am Anfang immer ein mulmiges Gefühl und so wird es Eriksen auch ergehen. Ich habe mehr auf meinen Körper gehört und auf den Herzschlag. Die ersten Wochen und Monate waren krass. Wenn ich allein in einem Raum war und die Erinnerungen hochkamen, habe ich auch Panikattacken bekommen.

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SPORT1: Und wie ist es heute?

Eckstein: Ich feiere am 1. Juli meinen 10. Geburtstag, da mache ich mir immer eine Flasche Sekt auf. Also am 12. März ist mein eigentlicher Geburtstag und der 1. Juli ist mein zweites Geburtsdatum.

SPORT1: Sie hatten damals einen Hinterwand-Herzinfarkt. Wie geht es Ihnen heute?

Eckstein: Ich sage immer: 'Mir geht es relativ sehr gut'. Ich bin einigermaßen wieder okay. Das mit dem Herzen habe ich ganz gut verarbeitet. Wie Eriksen habe ich auch einen Defibrillator implantiert bekommen. Dazu habe ich den Herzschrittmacher und drei Stents. Und für die ganzen Dinger in meinem Körper kann ich mich mit meinen 57 Jahren nicht beschweren. Ich mache noch etwas Sport und spiele ab und zu in der Traditionsmannschaft vom 1. FC Nürnberg.

Eckstein: "Ich werde im Jahr zwei Mal untersucht"

SPORT1: Ist das nicht leichtsinnig? Sie haben vom Arzt ein Verbot bekommen für das Kicken. (NEWS: Alles zur EM)

Eckstein: Ich kann nicht die Füße in die Luft strecken und gar nichts machen. Die Ärzte haben mir verboten, wieder Fußball zu spielen, weil es zu anstrengend ist und ich keinen Ball gegen die Brust kriegen darf. Weil dann kann es passieren, dass mir der Defibrillator oder der Herzschrittmacher kaputtgeht. Aber ich spiele in meinem Alter so clever, dass mir bis jetzt noch kein Ball an die Brust geschossen wurde. (lacht) Mein Defibrillator und der Herzschrittmacher wurden noch nicht beschädigt. Ich werde im Jahr zwei Mal untersucht und mein Doc sieht alles. Das einzige, was demnächst ansteht, ist der Austausch der Batterien. Denen geht langsam der Saft aus.

SPORT1: Ohne genaue Diagnose oder eine Ursache bleibt aber immer eine gewisse Unsicherheit und Angst, oder?

Eckstein: Absolut. Bei mir hat man damals innerhalb von wenigen Tagen die genaue Ursache raus gefunden. Die Arterien waren sehr verkalkt und der Herzmuskel war entzündet. Mir war wichtig, dass die Ärzte zu mir gekommen sind und mir gesagt haben, was mir genau fehlt und was ich besser machen kann. Da war ich schon sehr erleichtert. Ich muss natürlich einen Haufen Medikamente nehmen.

Wenn bei Eriksen nichts rausgefunden wird, dann würde ich ihm raten, eine zweite Meinung von einem anderen Arzt beziehungsweise Herzspezialisten einzuholen. Er braucht eine 100-prozentige Diagnose. Mir wäre das an seiner Stelle zu unsicher, nicht zu wissen, warum das Herz stehen geblieben ist. Es gibt überall gute Herzspezialisten.

"Dann fuhr ich durchgeschwitzt auf einen Parkplatz"

SPORT1: Hatten Sie besondere Momente mit Angstzuständen?

Eckstein: Ein dreiviertel Jahr nach meinem Herzinfarkt bin ich wieder Auto gefahren. Ein halbes Jahr durfte ich kein Auto fahren. Ich erinnere mich an einen Moment, als ich gefahren bin und Angst bekam, dass mein Herz nicht mehr schlägt. Dann fuhr ich durchgeschwitzt auf einen Parkplatz und habe mich abgelenkt mit spielenden Kindern. Plötzlich fuhr mein Körper wieder runter. Aber es war zum Glück alles in Ordnung.

SPORT1: Wie sehr haben Ihnen damals Kollegen geholfen?

Eckstein: Ich kam in die Uniklinik in Regensburg und nach zwei Wochen kam die Sekretärin des Chefarztes zu mir und meinte: 'Herr Eckstein, wir haben ein Problem, das Faxgerät dreht durch'. Ich bekam wie Eriksen jetzt von überall Genesungswünsche. Es war der Hammer! Und das Beste war: Ein dreiviertel Jahr später haben wir das Benefizspiel nachgeholt. Mit mir als Co-Trainer. Das Spiel dauerte nur 45 Minuten.

SPORT1:In Italien darf Eriksen mit dem Defibrillator nicht spielen. Was sagen Sie dazu?

Eckstein: Finde ich nicht in Ordnung. In Deutschland oder woanders gibt es garantiert Spieler, die auch mit einem Defibrillator oder einem Herzschrittmacher auch professionell Fußball spielen. Und ich kenne zwei oder drei gute Regionalligaspieler, die auch einen Herzschrittmacher haben. Falls Eriksen in Italien nicht mehr spielen darf, wird er mit seiner Klasse einen anderen Topklub finden. Das wünsche ich ihm. (Bericht: Inter holt Eriksen-Ersatz von Milan)

SPORT1: Erklären Sie doch mal dem Laien den Unterschied zwischen Defibrillator und Herzschrittmacher.

Eckstein: Der Herzschrittmacher soll für den regelmäßigen Rhythmus des Herzens sorgen. Der Defibrillator kann eingestellt werden und bei mir steht er auf 180. Das heißt, wenn mein Herz oder der Puls auf 180 ist und das Herz stehen bleiben würde, dann kriegt mein Herz nach 20 Sekunden vom Defibrillator einen leichten Schlag. So ist es bei mir eingestellt. Einige fallen davon um, anderen brennt die Brust. Mir ist noch nichts dergleichen passiert.

Das wünscht Eckstein Eriksen

SPORT1: Glauben Sie, dass Eriksen überhaupt noch mal als Profi Fußball spielen kann?

Eckstein: Ich würde es dem Jungen so gönnen. Es gibt wie gesagt auch andere Profis, die mit sowas spielen können. Eriksen ist so ein genialer Fußballer. Es ist aber reine Kopfsache. Wenn er mental klar ist und glaubt er ist so fit, dass er wieder spielen kann, dann soll er es machen. Fußball war meine Ablenkung und dieser Sport hat mir viel gegeben.

SPORT1: Würden Sie gerne mal Kontakt aufnehmen zu Eriksen?

Eckstein: Jetzt in dieser schweren Zeit hat er genug im Kopf, da soll er ganz bei der Familie sein. Das ist wichtiger, als wenn ich ihn jetzt treffen würde. Er kennt mich eh nicht. Wenn er jetzt von mir eine Mail bekommen würde, fragt er sich: 'Was ist denn das für ein Vollpfosten?' Eriksen soll erstmal richtig zur Ruhe kommen.

SPORT1: Was wünschen Sie ihm?

Eckstein: Dass eine hundertprozentige Diagnose gestellt wird und ich irgendwann im Fernsehen wieder den Namen Eriksen höre. Er soll bitte weiter Fußball spielen.

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