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Daimler versorgt Tesla ungewollt mit Top-Ingenieuren dank großzügiger Abfindungen

·Lesedauer: 3 Min.

Daimler hat Anfang vergangenen Jahres ein saftiges Sparprogramm beschlossen, das unter anderem den Abbau von rund 10.000 Stellen weltweit beinhaltet. Die Mitarbeiter in Deutschland landen aber weich, denn die Stuttgarter haben üppige Abfindungsprogramme geschnürt. Tarifbeschäftigte, die seit mindestens drei Jahren in der Verwaltung der Daimler AG, der Mercedes-Benz AG oder der Daimler Truck AG arbeiten, können die Abfindungen in Anspruch nehmen. Auch bestimmte Führungskräfte, Teamleiter und Meister haben einen Anspruch auf das Programm.

Die Stuttgarter zahlen dabei Summen, die es wohl laut Experten so schnell nicht mehr geben wird in der Autobranche. Ex-Daimler-Ingenieure, mit denen Business Insider gesprochen hat, haben rund eine Viertelmillion Euro bekommen, also einen goldenen Handschlag. Diese ehemaligen Mitarbeiter sind um die 40 Jahre alt, haben noch einen großen Teil ihres Berufslebens vor sich, sind sehr gut ausgebildet, haben den Ehrgeiz, aufzusteigen – und bewerben sich nun bei Tesla.

Der US-Autobauer zahlt zwar niedrigere Gehälter als Daimler, VW oder BMW – lockt die Bewerber dafür mit üppigen Aktienpaketen im mittleren fünfstelligen US-Dollar-Bereich. Die Gehaltseinbußen stören die Ex-Daimler-Männer aber nicht besonders, schließlich haben sie ein dickes Abfindungspolster, auf das sie zurückgreifen können.

Ungewollte Quersubventionierung

Die Ex-Mitarbeiter, aber auch Branchenexperten fragen sich, weshalb Daimler das Abfindungsprogramm ausgerechnet zu einem Zeitpunkt aufgelegt hat, in dem Hauptkonkurrent Tesla in Grünheide händeringend nach Personal sucht.

„Daimler betreibt ungewollte Quersubventionierung von neuen Tesla-Mitarbeitern“, sagt Autoexperte Dudenhöffer. „Die Amerikaner wissen um das Abfindungsprogramm und können ehemaliger Daimler-Mitarbeiter deutlich günstiger einstellen, weil diese Abstriche beim Einkommen machen wegen des Geldpolsters.“

Es sei auch wirklich ein unglückliches Timing, das Daimler für das Abfindungsprogramm gewählt hat, "auch wenn ich mir sicher bin, dass die Stuttgarter das nicht hätten viel länger hinauszögern können“, fügt Dudenhöffer an.

Sein Kollege Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft in Bergisch Gladbach, stimmt dem zu. „Daimler ist überbesetzt, vor allem die Verbrennersparten. Alle wissen das in der Branche, das Sparprogramm wundert nicht. Die Höhe der Abfindungen hingegen schon. Die kommt durch die Verträge zustande, die noch vor zehn bis fünfzehn Jahren geschlossen wurden, als die deutschen Autobauer noch deutlich stärkere Wachstumsraten hatten. Ich bin mir sicher, dass das der letzte grosse goldene Handschlag in diesem Ausmaß ist“, sagt Bratzel.

Abfindungsprogramm ist ein "Breitbandantibiotikum"

Der Autoexperte sieht in dem Abfindungsprogramm, das er als „Breitbandantibiotikum“ bezeichnet, eine Gefahr. Der Konzern verabschiede damit nämlich nicht nur Mitarbeiter, auf die er sonst wohl auch gerne verzichtet hätte. Die hohe Geldsumme sei auch Anreiz für die leistungsstarken Mitarbeiter einzuschlagen und bei Tesla anzuheuern.

„Da sind viele Daimler-Ingenieure, die noch 20 Jahre Berufsleben vor sich haben. Die sind hungrig und exzellent ausgebildet. Daimler sollte die eigentlich halten, denn für Tesla sind diese Menschen eine große Bereicherung, gerade in der aktuellen Phase“, sagt Bratzel.

Diese „indirekte Subventionierung“ Teslas erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem sich der Wettbewerb zwischen Stuttgart und dem US-Autobauer deutlich intensiviert. Daimler schickt in diesem Jahr gleich drei neue voll-elektrische Modelle auf den Markt, die direkte Konkurrenten zu Tesla-Modellen sind: den EQS, den EQE und den EQS-SUV. In einer so sensiblen Phase des Markteintritts hoffen Autokonzerne auf etwas Rückenwind, gutes Wetter beim Verkaufsstart, insgeheim vielleicht auch auf kleine Pannen bei der Konkurrenz.

Daimler sorgt gerade für diesen Rückenwind – allerdings bei der Konkurrenz aus den USA.

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