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Daimler im Corona-Jahr mit Gewinnsprung – Dividende soll um 50 Prozent steigen

Hubik, Franz
·Lesedauer: 4 Min.

Der Autobauer kommt gut durch die Krise und will an die Aktionäre 1,4 Milliarden Euro ausschütten. Der Spardruck in Stuttgart bleibt aber hoch.

Die Importzahlen des Renditegaranten GLE, der im amerikanischen Tuscaloosa gebaut wird, schossen 2020 um 60 Prozent in die Höhe. Foto: dpa
Die Importzahlen des Renditegaranten GLE, der im amerikanischen Tuscaloosa gebaut wird, schossen 2020 um 60 Prozent in die Höhe. Foto: dpa

Das Jahr 2020 sei für Daimler ein besonderer „Stresstest“ gewesen, sagt Konzernchef Ola Källenius. Geschlossene Autohäuser und ruhende Fabrikbänder haben dem Mercedes-Hersteller über Monate hinweg alles abverlangt. Dennoch habe der Dax-Konzern die Coronakrise „gut gemeistert“, konstatiert Källenius.

Tatsächlich können sich die Geschäftszahlen, die der Autobauer am Donnerstagmorgen veröffentlicht hat, sehen lassen. Trotz Pandemie erzielten die Stuttgarter 2020 unter dem Strich einen Gewinn von vier Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 48 Prozent. Der Umsatz brach dagegen um gut ein Zehntel auf 154 Milliarden Euro ein.

Glänzen konnte Daimler dagegen beim Free Cashflow im Industriegeschäft. Dieser schoss um mehr als 500 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro in die Höhe. Im Vorjahr wurde der Wert noch durch Milliardenaufwendungen im Dieselskandal geschmälert.

Insbesondere die Autosparte Mercedes lieferte starke Geschäftszahlen ab. Der Betriebsgewinn liegt bei 6,8 Milliarden Euro und damit leicht über dem Vorjahr. Im vierten Quartal des Vorjahres erzielte die Marke mit dem Stern sogar eine Umsatzrendite von zwölf Prozent, im Gesamtjahr fällt die Marge aber nicht einmal halb so hoch aus.

Stärker zu kämpfen mit Corona hatte dagegen die Trucksparte von Daimler. Der Absatz von schweren Lastwagen und Bussen sackte um 38 Prozent ein, der Umsatz ging um mehr als ein Fünftel zurück. Der Betriebsgewinn liegt mit 525 Millionen Euro um gut 80 Prozent unter Vorjahr. Aber der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller kann immerhin einen Verlust vermeiden.

In Summe liefert Daimler im Corona-Jahr aber ein starkes Ergebnis ab mit einer Marge von 4,3 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen daher vor, die Dividende von 90 Cent auf 1,35 Euro anzuheben. Stimmen die Anleger auf der Hauptversammlung zu, wird Daimler gut 1,4 Milliarden Euro an seine Aktionäre ausschütten. Die Daimler-Aktie legte zum Handelsstart am Donnerstag um 2,5 Prozent zu.

Luxus-Geschäft in China brummt

Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass Daimler so gut durch das Pandemie-Jahr gekommen ist. Insbesondere die hohe Nachfrage in China half dem Konzern, rasch aus dem Corona-Tal zu kommen. Fast 775.000 Mercedes-Autos wurden im vergangenen Jahr in der Volksrepublik verkauft. Das entspricht einem Plus von rund zwölf Prozent.

Volumenmodelle wie die E-Klasse produziert Daimler zwar direkt vor Ort in Peking. Die besonders margenträchtigen SUVs, den Geländewagen G-Klasse, die hochgetunten AMG-Modelle sowie das Luxusflaggschiff S-Klasse werden aber allesamt von Europa und den USA nach China exportiert. Das zahlt voll auf die Marge von Mercedes ein. Und dieses Geschäft brummt.

Die Marke mit dem Stern war im vergangenen Jahr hinter Lexus der größte Autoimporteur in China. Fast 156.000 Nobelkarossen haben die Schwaben in die Volksrepublik verschifft. Allein die Importzahlen des Renditegaranten GLE, der im amerikanischen Tuscaloosa gebaut wird, schossen um 60 Prozent in die Höhe.

Neben dem starken Geschäft in Asien profitierte Daimler vor allem von erheblichen Kosteneinsparungen. Der Konzern hat mit „Move“ eines der schärfsten Sparprogramme seit Jahrzehnten aufgelegt. Daimler will weltweit mehr als 20.000 Stellen abbauen und sich von ganzen Fabriken trennen.

Beim Sparen kommt der Konzern gut voran. Mehr als 10.000 Beschäftigte haben Daimler im Vorjahr verlassen. Aktuell arbeiten rund 288.000 Menschen weltweit für den Industriekoloss. Daimler-Chef Källenius will den Kostendruck weiter hochhalten. „Es ist definitiv der falsche Zeitpunkt, um sich auszuruhen“, sagte der Manager im Interview mit dem Handelsblatt. „Wer glaubt, dass wir nach dem guten Abschneiden im Jahr 2020 durch sind, der hat die völlig falsche Einstellung.“

Daimler habe ambitionierte Ziele, die es zu erreichen gelte, betonte Källenius. Tatsächlich rechnet Daimler mit einer anhaltenden Erholung in diesem Jahr. Absatz, Umsatz und Betriebsergebnis sollen 2021 deutlich höher ausfallen. Unter deutlich ist nach der Definition von Daimler bei Umsatz und Absatz ein Zuwachs von mehr als 7,5 Prozent zu verstehen, beim Betriebsergebnis von mehr als 15 Prozent.

Für die Pkw-Tochter Mercedes-Benz stellt Daimler eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent in diesem Jahr in Aussicht. Im Truckgeschäft sei eine Marge nach Abzug von Sonderfaktoren von bis zu sieben Prozent möglich. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können, wenn die Marktbedingungen so bleiben“, erklärte Källenius.

Daimler will mit der Pkw-Tochter auch in diesem Jahr die Vorgaben der Europäischen Union zu einem niedrigeren Ausstoß des Treibhausgases CO2 schaffen. „Wir rechnen damit, dass wir dieses Ziel einhalten können“, sagte Källenius. Der Zielwert sei auf Basis des jetzt geltenden Systems WLTP eine Emission von nicht mehr als 125 Gramm je Kilometer im Schnitt der Neuwagenflotte. Im vergangenen Jahr habe die Mehrfachanrechnung von reinen E-Autos, die sogenannten Super Credits, geholfen. Neben dem ersten neuen E-Automodell EQC seien auch Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieben gefragt gewesen. Hier machten sich staatliche Förderungen wie die Umweltprämie in Deutschland bemerkbar.

Mit Blick auf die angekündigte Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften für Nutzfahrzeuge und Pkw zum Ende dieses Jahres erklärte Källenius, es sei für Mercedes-Benz Cars & Vans „keine Fusion mit irgendjemandem“ geplant.