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Daimler-Aktie: Der Weg in die Zukunft wird lang und steinig!

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Mit der Machtübergabe von Dieter Zetsche an Ola Källenius im Mai dieses Jahres scheint bei Daimler (WKN: 710000) eine neue Zeitrechnung begonnen zu haben. Plötzlich treten die aktuellen Probleme noch viel deutlicher zutage.

Welche dies sind, was der neue Vorstandschef nun plant und welche Folgen dies für den Konzern hat, erfährst du hier.

Dies sind Daimlers aktuelle Probleme

In den kommenden Jahren muss Daimler gleich mehrere Schwierigkeiten lösen. So muss der Konzern strenge CO2-Richtlinien einhalten und nicht nur deshalb zukünftig mehr Elektro- und Hybridwagen verkaufen. Derzeit machen sie gerade einmal 2 % aller Neuwagen aus, sollen aber schon bis 2021 auf 15 % und bis 2030 auf über 50 % steigen.

Dies bringt wiederum starke Veränderungen für den Konzern mit sich. So muss die Produktion umgestellt und neue Konzepte entwickelt werden, was höhere Kosten bedeutet, aber ebenfalls einen zukünftig geringeren Mitarbeiterbedarf mit sich bringt. Und auch die Profitabilität leidet, sodass es schwierig wird, frühere Gewinnmargen zu halten.

Die Umstellung bringt zunächst eine gesteigerte Komplexität mit sich, da nun nicht mehr nur ein Antrieb entwickelt und produziert wird, was wiederum die Kosten erhöht. Hinzu kommt die aktuelle Wirtschaftsabschwächung, weshalb der Absatz 2020 um 150.000 Wagen sinken soll.

Viele Aufgaben auf einmal.

Und so sieht Ola Källenius’ Lösung aus

Die neuen Antriebe sind einfacher strukturiert, weshalb weniger Mitarbeiter zur Herstellung benötigt werden. Deshalb plant Daimler nun innerhalb von drei Jahren eine Senkung der Personalkosten um über 1 Mrd. Euro. Zudem wird die Führungsstruktur um etwa 10 % der Mitarbeiter (circa 1.100) verschlankt.

Wie die neue Gruppenstruktur mit den Sparten Mercedes-Benz, Daimler Truck und Daimler Mobility zeigt, liegt der Schwerpunkt auf einer vereinfachten und dadurch effizienteren Aufbauorganisation. Über den Ausbau von Partnerschaften werden die Sachinvestitionen weiter gesenkt.

Jene Mitarbeiter, die bleiben dürfen, sollen ihren Beitrag leisten, indem sie über die kommenden Jahre auf Gehaltssteigerungen verzichten. Es ist davon auszugehen, dass dies erst der Anfang ist und mit der weiteren Umstellung auf E-Modelle die Personalkosten weiter sinken müssen.

Källenius wird zudem die Materialkosten senken und nach 2020 weniger in die Forschung investieren. Dazu sollen die Zulieferer stärker ins Boot geholt werden, was zur Folge hat, dass Daimler viele Dinge nicht mehr selbst produzieren wird. Insgesamt werden die Motor- und Produktvarianten verschlankt werden. Die Konzentration liegt hier auf den profitabelsten Modellen. Am Ende werden, ähnlich wie bei VW (WKN: 766403), mehr Modelle über eine Plattform produziert.

Trotz all dieser Sparmaßnahmen wird Daimler dennoch seine Effizienzziele von 8 bis 10 % nicht so schnell erreichen, sondern bis 2022 eher 6 %. Zudem werden die Wertschöpfungskette, die Vorratshaltung und das Finanzmanagement gestrafft, um eine hohe Liquidität und stabile Bilanz zu gewährleisten.

In seiner Truck-Sparte wird Daimler auf die Entwicklung von Batterie- wie Brennstoffzellenantriebe setzen und fahrerlose Konzepte ausbauen. Daimler Mobility wird zunehmend autonome Produkte fördern und das Flottenmanagement in Größe und Profitabilität erweitern.

Dennoch gibt es langfristig Perspektiven

Alle beschriebenen Schritte sind notwendig, um Daimler auf die Zukunft vorzubereiten und den Konzern profitabel zu halten. Dennoch gibt es zukünftig auch Chancen für den Konzern. So steigt der Bedarf nach Premiumfahrzeugen (nach Schätzungen) bis 2029 mit jährlich 2,6 % weiter überproportional, während der breite Automarkt mit nur etwa 1,6 % wachsen wird.

Daimlers verstärkte Konzentration genau auf diesen Bereich bringt Wachstumsperspektiven mit sich. Und auch bei den E-Autos hat Daimler noch nicht viel verpasst, denn ihr Anteil an den Neuzulassungen liegt aktuell immer noch nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Daimler könnte also mit dem Bedarf wachsen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019