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Daimler-Aktie im Dividendencheck – sportliche 7,42 % Dividendenrendite!

Caio Reimertshofer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Es steht außer Frage, dass die Aktie von Daimler (WKN: 710000) seit dem letzten Jahr kurstechnisch ordentlich Federn lassen musste, was sicherlich den einen oder anderen Aktionär ein paar Haare auf dem Kopf gekostet hat.

Wenn man sich die Finanzkennzahlen für das zweite Quartal ansieht, erkennt man, dass auch diese nicht so rosig aussehen, wie man es sonst von Daimler gewohnt ist. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ist auf -1,6 Mrd. Euro gesunken (Vorjahr: 2,6 Mrd. Euro) und der Free Cashflow im Industriegeschäft betrug sogar -3,3 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,8 Mrd. Euro) – das erschreckt im ersten Moment.

Laut Ola Källenius, dem neuen Vorstandsvorsitzenden von Daimler, sind diese Ergebnisse hauptsächlich durch Sondereinflüsse verursacht worden. Die Zukunft, auch bereits in der zweiten Jahreshälfte, soll besser aussehen:

Unsere Ergebnisse im zweiten Quartal wurden hauptsächlich durch Sondereinflüsse in Höhe von 4,2 Milliarden Euro beeinflusst. Deshalb liegt unser Fokus im zweiten Halbjahr auf der Verbesserung unserer Performance und der Cash-Flow-Generierung. Grundsätzlich intensivieren wir die konzernübergreifenden Optimierungsprogramme und überprüfen unser Produktportfolio, um unseren künftigen Erfolg abzusichern. Gleichzeitig setzen wir die Transformation unseres Unternehmens konsequent fort.

Das klingt ermutigend und Foolishe Investoren sollten weiter beobachten, wie Daimler diese Pläne vorantreibt. Nachfolgend möchten wir uns weiter mit der Dividende der Daimler-Aktie beschäftigen. Immerhin zahlt Daimler aktuell sportliche 7,42 % Dividendenrendite (Schlusskurs: 04.10.2019) – trotz Kürzung der Dividende. Sehen wir uns gemeinsam an, ob es sich, auch als Einkommensinvestor, lohnen könnte, bei Daimler zu investieren.

Die Dividendenrendite

Wie hoch die Dividendenrendite der Daimler-Aktie gegenwärtig ausfällt, haben wir bereits gesehen. Kein Wunder, denn das Automobilunternehmen aus Stuttgart schreibt Jahr für Jahr Gewinne in Milliardenhöhe, aus denen die üppigen Dividenden bisher finanziert werden konnten. Ob Daimler auch weiterhin solche riesigen Gewinne abwerfen wird, hängt unter anderem davon ab, wie sich die Stuttgarter zukünftig in Sachen E- und Wasserstoffautos schlagen werden.

Ebenso müssen die Schwaben beispielsweise ein kürzlich verhängtes Bußgeld in Höhe von 870 Mio. Euro, das im Rahmen des Dieselskandals ausgesprochen worden ist, begleichen. Für mögliche Strafzahlungen hatte Daimler jedoch im Vorhinein Rücklagen gebildet, die dieses Jahr die Bilanzen belasten – wo wir im Übrigen wieder bei den oben erwähnten Sondereinflüssen landen.

Werfen wir nun einen Blick auf die vergangene Entwicklung und Nachhaltigkeit der Dividende, um uns ein Bild davon zu machen, ob man mit einer Investition in den Automobilhersteller Daimler von sicheren Dividendenzahlungen profitiert, während man darauf wartet, in welche Richtung sich die Automobilbranche entwickelt.

Dividendenkonstanz und Dividendenwachstum

Die Dividendenhistorie von Daimler geht etwas in die Vergangenheit zurück, wo für das Geschäftsjahr 1988 damals 12 Deutsche Mark je Anteil ausgezahlt worden sind. Wenn wir etwas vorspulen und uns auf den Zeitraum beschränken, in dem die Dividenden in Euro ausgezahlt worden sind, beginnt die Dividendenhistorie mit der Ausschüttung von 2,35 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 1999.

Von da an haben wir bis hin zur Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2011 alles dabei: Erhöhungen, Streichungen und jede Menge Kürzungen. Ich muss gestehen, die Dividendenentwicklung von Daimler gleicht einer Achterbahnfahrt – was einfach dem geschuldet ist, dass es sich um ein zyklisches Unternehmen handelt. Dass in diesem Zeitraum beispielsweise auch die Weltfinanzkrise stattgefunden hat, macht es ebenfalls nicht einfacher für die Dividendenhistorie.

Seit der Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2012 ist die Dividende bis zur Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2017 jährlich gestiegen und konnte ein Wachstum von 2,20 auf 3,65 Euro je Anteil aufweisen (plus 65,91 %). In diesem Zeitraum konnten Einkommensinvestoren vermutlich überwiegend gut schlafen.

Seitdem zunehmend mehr Druck auf den herkömmlichen Otto-Motoren lastet und nahezu jeder nach Elektroautos schreit, läuft es wieder nicht mehr so gut – womit die Kürzung der Dividende auf 3,25 Euro je Anteil für das Geschäftsjahr 2018 erklärt werden könnte.

Das Ausschüttungsverhältnis

Auf Basis eines Gewinns je Aktie in Höhe von 6,78 Euro für das Geschäftsjahr 2018 beträgt das Ausschüttungsverhältnis knapp 48 %, was als moderat eingestuft werden kann. Das entspricht in etwa auch der Ausschüttungsquote von 40 %, an denen sich der Vorstand von Daimler für die Ausschüttung an seine Aktionäre orientiert.

Das ist meiner Meinung nach ziemlich clever. Der Großteil des Konzernergebnisses wird somit in die Weiterentwicklung der eigenen Produkte gesteckt, was zwingend notwendig ist, um sich im aktuell schwierigen Marktumfeld zu behaupten.

Es steht außer Frage, dass Daimler (und auch andere deutsche Automobilhersteller) im Bereich der Elektroautos nicht so weit fortgeschritten ist, wie es sich manch ein Aktionär wünschen würde. Und bei steigenden Gewinnen können die moderaten 40 % Ausschüttungsquote reichen, um für eine lukrative Dividendenzahlung zu sorgen.

Fazit

Die Automobilindustrie ist und bleibt im Moment ein heißes Pflaster. Der Markt ist zweifelsohne im Umbruch und man sollte erst abwarten, wie sich Daimler zukünftig aufstellt. Die Dividendenrendite ist sehr verlockend, jedoch birgt die hohe Rendite ein hohes Risiko – denn trotz des nachhaltigen Gedankens einer moderaten Ausschüttung wurden Dividenden in der Vergangenheit oft gekürzt oder gar gestrichen.

Für Investoren mit guten Nerven, einem langfristigen Anlagehorizont und Vertrauen in die positiven Aussichten des Stuttgarter Autobauers könnte die Daimler-Aktie tatsächlich einen näheren Blick wert sein.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019