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Dänemark ändert seine Corona-Strategie

Regierungschefin Mette Frederiksen treibt die Öffnung ihres Landes voran. Künftig sollen deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden.

Die Zahlen stimmen zuversichtlich: In Dänemark ist die Zahl der Neuinfektionen trotz vorsichtiger Öffnung des Landes vor zwei Wochen weiter rückläufig. Die Reproduktionszahl ist seit der Öffnung von Schulen, Geschäften und Einkaufszentren von 0,9 auf 0,7 gesunken.

Die Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt. Wegen der positiven Entwicklung will Regierungschefin Mette Frederiksen nun die dritte Phase der Öffnung einleiten und gleichzeitig die Strategie bei der Bekämpfung von Corona verändern. „Wir haben das Land klug geschlossen, nun müssen wir auch beim Öffnen klug handeln“, sagte sie am Dienstag auf einer Pressekonferenz und kündigte eine „offensive Teststrategie“ an.

Ähnlich wie schon zuvor Island will auch Dänemark künftig deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus testen. „Damit wollen wir die Infektionsketten unterbrechen“, begründete Søren Brostrøm, Chef der dänischen Gesundheitsbehörde, die neue Strategie.

Die Testkapazitäten seien in den vergangenen Wochen hochgefahren worden, sodass jetzt auch Personen ohne Symptome getestet werden könnten, erklärte Brostrøm. Nunmehr seien bis zu 10.000 Tests am Tag möglich.

Weitere 10.000 tägliche Tests können vom Testcenter Danmark durchgeführt werden. Bislang wurden in dem 5,8-Millionen-Einwohnerland 334.300 Menschen getestet. Viele von ihnen im Testcenter Danmark, das unter der Regie der nationalen Gesundheitsbehörde arbeitet und von dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk unterstützt wird.

Suche nach Kontaktpersonen von Infizierten intensiviert

Auch die örtlichen Gesundheitsämter haben zuletzt ihre Kapazitäten vergrößert, sodass die Suche nach Kontaktpersonen von Infizierten ab dieser Woche intensiviert werden kann. Eine Tracing-App, mit der das Auffinden von Kontaktpersonen erleichtert wird, ist in Vorbereitung.

Gleichzeitig können Infizierte, deren eigene Räumlichkeiten für eine Quarantäne nicht geeignet sind, Hotelzimmer für ihre Isolation in Anspruch nehmen. Sollten Infizierte eine Quarantäne verweigern, kann nach Angaben von Gesundheitsminister Magnus Heunicke auch Zwang angewendet werden.

Um künftig besser auf Pandemien vorbereitet zu sein, will die dänische Regierung eine neue Behörde einrichten. Sie soll Schutzausrüstung organisieren und Maßnahmen bei einer eventuellen zweiten Pandemiewelle vorbereiten. Kåre Mølbak, Direktor des staatlichen Forschungsinstituts „Statens Serum Institut“ geht selbst nicht von einer zweiten Welle aus.

Es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass Dänemark von einer zweiten Welle heimgesucht werde, sagte er am Dienstag. „Wir haben so viel gelernt, wie wir mit dem Virus umgehen müssen: Wir haben die Testkapazitäten, wir haben die Möglichkeit, Menschen zu isolieren, und unsere Ärzte und Krankenschwestern wissen, wie man mit infizierten Patienten umgehen muss“, begründete er seinen Optimismus. Sollten die Infiziertenzahlen wieder steigen, sei man vorbereitet, so Mølbak.

Wenig Optimismus gibt es bei den tausenden dänischen Ferienhausvermietern. Sie hatten gehofft, dass die Regierung auch die seit Wochen geschlossenen Grenzen zu Deutschland, Norwegen und Schweden wieder öffnet. Doch davon will Regierungschefin Frederiksen derzeit nichts wissen.

Frage der Grenzöffnungen

Bis zum 1. Juni werde sie mit den Nachbarländern über die Frage der Grenzöffnungen beraten, sagte sie. Der Druck auf die Regierung in dieser Frage wächst allerdings: Mehrere Parteien und vor allem die Tourismusbranche fordern zügige Grenzöffnungen.

Dänemark ist vor allem in Deutschland, aber auch in Norwegen ein beliebtes Urlaubsland. „Jetzt, da Deutschland über Grenzöffnungen nachdenkt, sollten wir das auch tun“, sagte Jakob Ellemann-Jensen von der rechtsliberalen Venstre-Partei.

Er befürchtet einen schweren wirtschaftlichen Schaden für die gesamte Tourismusindustrie im kleinen Königreich. Auch in Deutschlands nördlichstem Bundesland, Schleswig-Holstein, wächst der Druck auf die dortige Regierung.

Es müssten schnellstmöglich Verhandlungen über Grenzöffnungen mit Dänemark aufgenommen werden, heißt es von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Vor dem 1. Juni dürfte sich allerdings nur wenig tun in dieser Frage. Zunächst will Dänemark von kommender Woche an Restaurants und Cafés sowie die Schulen von der sechsten bis zur zehnten Klasse wieder öffnen.