Deutsche Märkte öffnen in 1 Stunde 45 Minute
  • Nikkei 225

    28.673,15
    -191,17 (-0,66%)
     
  • Dow Jones 30

    31.496,30
    +572,20 (+1,85%)
     
  • BTC-EUR

    42.754,25
    +1.078,43 (+2,59%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.031,38
    +88,21 (+9,35%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.920,15
    +196,65 (+1,55%)
     
  • S&P 500

    3.841,94
    +73,47 (+1,95%)
     

Curevac und GSK arbeiten gemeinsam an Corona-Impfstoff gegen neue Virusvarianten

Hofmann, Siegfried
·Lesedauer: 5 Min.

Durch den Deal mit GSK will das deutsche Unternehmen das bestehende Vakzin weiterentwickeln. Die Allianz verleiht der Curevac-Aktie kräftig Auftrieb.

Die Zusammenarbeit baut auf dem bestehenden Covid-19-Impfstoff von Curevac auf, der sich gegenwärtig in der entscheidenden Phase der Entwicklung befindet und auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA) basiert. Foto: dpa
Die Zusammenarbeit baut auf dem bestehenden Covid-19-Impfstoff von Curevac auf, der sich gegenwärtig in der entscheidenden Phase der Entwicklung befindet und auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA) basiert. Foto: dpa

In Kooperation mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo-Smithkline (GSK) will die Tübinger Biotechfirma Curevac einen modifizierten Covid-Impfstoff entwickeln, der Schutz gegen neu aufkommende Varianten des Coronavirus bietet. Eine entsprechende Allianz gaben beide Unternehmen am Mittwochmorgen bekannt.

Ein solcher Impfstoff der nächsten Generation soll 2022 zur Verfügung stehen und in die Zulassungsverfahren gehen. GSK zahlt im Zuge der Allianz bis zu 150 Millionen Euro an Curevac und will den Impfstoff in allen Ländern mit Ausnahme von Deutschland, Österreich und der Schweiz vermarkten.

Das Projekt baut auf dem aktuellen Covid-19-Impfstoff von Curevac auf, der sich derzeit noch in Phase 3 der klinischen Entwicklung befindet. Er soll nach Plänen von Curevac im zweiten Quartal bei den Behörden zur Prüfung eingereicht werden. „Mit der Unterstützung der ausgesprochenen Impfstoffexpertise von GSK werden wir in der Lage sein, auch zukünftige Gesundheitsherausforderungen mit neuartigen Impfstoffen zu bekämpfen“, erklärte Curevac-Chef Franz-Werner Haas am Mittwoch.

Darüber hinaus sieht der Vertrag vor, dass GSK Curevac auch in der Produktion des bestehenden Covid-Impfstoffs CVnCoV unterstützt. Davon will GSK bis Jahresende 100 Millionen Einheiten in einem Werk in Belgien produzieren.

Der Deal gab der Curevac-Aktie an diesem Mittwoch weiter Auftrieb. Bis zum Mittag legte der Kurs um gut sieben Prozent auf rund 88 Euro je Aktie zu, womit Curevac die Kurseinbußen von Ende Januar wieder kompensiert hat. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei knapp 16 Milliarden Euro.

Finanziell hatte sich Curevac für den Ausbau der Forschung in den vergangenen Tagen durch die Ausgabe von fünf Millionen neuen Aktien weiter gestärkt. Dem Unternehmen, an dem der Bund über die Förderbank KfW mit rund 16 Prozent beteiligt ist, sind durch die Emission brutto rund 375 Millionen Euro zugeflossen.

Der Deal mit GSK ist unterdessen ein weiteres Beispiel dafür, dass sich etablierte Pharma- und Impfstoffproduzenten im Kampf gegen Covid-19 der neuartigen mRNA-Technologie stärker zuwenden und sich als Produktions- und Entwicklungspartner für die auf diesem Gebiet führenden Biotechfirmen engagieren.

Die neue Technologie setzt darauf, Immunreaktionen mithilfe von Boten-Nukleinsäuren (Messenger-RNA) zu erzeugen. Vor allem die sehr guten Wirksamkeitsdaten der Covid-Impfstoffe der Mainzer Biontech und des US-Biotechunternehmens Moderna haben das Vertrauen in mRNA-Impfstoffe generell gestärkt.

Vor wenigen Wochen vereinbarte Bayer bereits eine Allianz mit Curevac, die zunächst vor allem auf eine Zusammenarbeit bei Zulassungsfragen und im Vertrieb zielte. Inzwischen hat Bayer auch angekündigt, eine eigene Produktion für den Curevac-Impfstoff in Wuppertal aufzubauen.

Die Pharmakonzerne Sanofi und Novartis wiederum unterstützen die Mainzer Biontech in der Produktion des bereits zugelassenen Covid-Impfstoffs Comirnaty, der ebenfalls auf mRNA basiert.

GSK und Curevac sind bereits seit dem vergangenen Sommer in einer Kooperation verbündet, die auf die Entwicklung von Impfstoffen und Antikörpern gegen andere Infektionskrankheiten zielt. Allerdings war der von Curevac erforschte Covid-Impfstoff von dieser Allianz ausdrücklich ausgenommen, obwohl sich GSK als bisher weltweit größter Impfstoffhersteller im Prinzip als idealer Partner angeboten hätte.

Damals allerdings hatte der britische Konzern offenbar noch große Hoffnung, in einer Allianz mit Sanofi selbst unter den führenden Entwicklern von Coronavirus-Vakzinen mitzumischen. Das Projekt lieferte jedoch schwache Daten in einer Phase-2-Studie und ist damit im Wettlauf weit zurückgefallen.

Kampf gegen Mutationen

Im Rahmen ihrer neuen Partnerschaft wollen GSK und Curevac nun mehrere mRNA-Impfstoffkandidaten mit „multi- und monovalenten Ansätzen“ erforschen, entwickeln und herstellen. Dabei geht es zum einen um Impfstoffe, die gleichzeitig gegen mehrere Varianten des Coronavirus Schutz bieten, zum anderen aber auch um die Möglichkeit, schneller auf eventuell neu auftretende Varianten reagieren zu können.

Solche Mittel sollen geeignet sein, sowohl um Menschen neu zu impfen als auch bestehende Impfungen aufzufrischen und zu ergänzen. GSK-Chefin Emma Walmsley sagte dazu: „Wir glauben, dass die Impfstoffe der nächsten Generation entscheidend für den anhaltenden Kampf gegen Covid-19 sind.“

Die neuen Impfstoffe sollen auf dem bestehenden Produktkandidaten CVnCoV aufbauen. Curevac geht davon aus, dass die eigene mRNA-Plattform besonders gut geeignet ist, „um multivalente Impfstoffe zu entwickeln, die bei geringer mRNA-Menge eine ausgewogene Immunantwort hervorrufen“.

Allerdings bewegt sich das Tübinger Unternehmen dabei in einem Wettlauf mit den Konkurrenten Biontech und Moderna, die ebenfalls auf die Flexibilität der mRNA-Technik setzen. Moderna hat vor wenigen Tagen angekündigt, eine Impfstoffvariante gegen die südafrikanische Mutation des Coronavirus zu entwickeln. Zudem will das US-Unternehmen testen, inwieweit eine dritte Impfung mit dem bereits zugelassenen Impfstoff mRNA-1273 den Schutz gegenüber Virusvarianten verstärken kann.

Auch bei Biontech und seinem Partner Pfizer laufen Vorbereitungen und Überlegungen, um gegebenenfalls mit modifizierten Vakzinen auf Virusvarianten zu reagieren. Man nutze die mRNA-Plattform nicht zuletzt wegen ihrer Flexibilität, betonte Pfizer-Chef Albert Bourla im jüngsten Quartals-Call des US-Konzerns.

Diese Flexibilität umfasse die Möglichkeit, den RNA-Code schnell zu ändern, falls neue Virusvarianten das erforderlich machten. „Pfizer und Biontech bereiten sich auf ein solches Szenario vor, indem sie eng mit den Zulassungsbehörden, wissenschaftlichen Gremien und Impfstoffkommissionen zusammenarbeiten“, sagte Bourla.

Und auch der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca und die Universität Oxford wollen bis Herbst einen Impfstoff der nächsten Generation herstellen, der Schutz vor neuen Virusvarianten bieten soll. Astra-Zeneca wolle diesen „so schnell wie möglich“ herstellen, sagt Forschungschef Mene Pangalos am Mittwoch.