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CT-Geräte könnten Schlangen am Flughafen verkürzen – doch die Freigabe fehlt

Geräte wie ein Computertomograph könnte Sicherheitskontrollen am Airport viel effizienter machen. Doch in Deutschland bleibt das eine Vision.

Das Transportband befördert den kleinen Rollkoffer zügig in den großen grauen Kasten. Es dauert ein paar Sekunden, dann erscheint auf dem seitlich platzierten Monitor ein überraschend klares Bild vom Inneren des Gepäcks.

Sofort sticht eine rot markierte Fläche ins Auge. „Das ist Sprengstoff. Unser Scanner kann den erkennen, selbst wenn der wie hier von einem Laptop verdeckt ist, was die Analyse nicht einfacher macht“, sagt Rainer Henkel, Leiter des Produktionsmanagements und der Entwicklung von Smiths Detection.

Hi-Scan 6040 CTiX nennt sich der Scanner. Die Buchstaben CT stehen für Computertomographie. Anders als die seit vielen Jahren eingesetzten Geräte, bei denen Röntgenstrahlen das Gepäck aus bis zu vier Perspektiven durchleuchten, nutzt das neue Flaggschiff der Sicherheitsexperten von Smiths Detection die aus dem Medizinbereich bekannte aufwendige Technologie.

Der Vorteil: Es ist ein „überlagerungsfreies“ Bild möglich, das Gepäck kann in Schichten zerlegt und analysiert werden. Das macht das Verfahren nicht nur noch zuverlässiger, sondern auch effizienter. Denn elektronische Geräte oder auch Flüssigkeiten müssen zum Beispiel nicht mehr wie bisher ausgepackt werden.

Das klingt nach guten Nachrichten für Flugreisende in Deutschland. Die mussten in diesem Jahr lange vor den Sicherheitschecks warten, der eine oder andere verpasste deshalb sogar seinen Flug.


Der Haken: Das Gerät, das gerade den Rollkoffer gescannt hat, steht im Showroom der Fertigungshalle von Smiths Detection in Wiesbaden. An deutschen Flughäfen sucht man den Computertomographen fürs Handgepäck im Normalbetrieb bislang vergeblich.

Zwar hat Smiths Detection seit einigen Wochen für die neue Technologie die EU-Freigabe. Doch für den Einsatz an Flughäfen benötigt das Unternehmen auch die Genehmigung der nationalen Behörden. Die steht noch aus – obwohl spätestens nach dem Chaos-Sommer in der Luftfahrt jedem klar ist, dass sich nicht zuletzt bei den Sicherheitskontrollen etwas tun muss.

Alexander Rund kann die Ungeduld der Passagiere und auch des einen oder anderen Airline- und Airport-Managers verstehen. Zuletzt hatte Stefan Schulte, der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, deutlichen Unmut über die langsamen Fortschritte beim Thema Sicherheitskontrollen geäußert.

Neue Technologien müssen ausführlich getestet werden

Rund, Vertriebsleiter von Smiths Detection, hat allerdings auch Verständnis dafür, dass es nicht ganz so schnell geht wie sich das viele wünschen. Er versucht die Wogen zu glätten. „Wir sind in Gesprächen mit dem zuständigen Bundesministerium und der Bundespolizei“, sagt er und fügt hinzu: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wann die neue Technologien zum Einsatz in Deutschland zum Einsatz kommen wird, aber das Thema ist in Arbeit.“

Eine solche neue Technologie müsse ausführlich getestet werden. „Keiner sollte vergessen, dass es hier um das Thema Sicherheit geht. Aber klar ist auch, dass das ganze System an die jeweiligen Anforderungen angepasst und in Abständen modernisiert werden muss.“

Doch das geht nur langsam, wie sich am Dienstag dieser Woche am Flugsteig A des Frankfurter Flughafen-Terminals 1 zeigte. Vertreter der Bundespolizei stellen zwei neue Kontrollspuren vor. Ein bisschen Stolz klingt mit, als Reza Ahmari, Sprecher der Bundespolizei in Frankfurt, erklärt, dass man die neuen Linien in nur acht Monaten gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt habe. „Das ist schon bemerkenswert“, so Ahmari.

Doch die neuen CT-Geräte wurden hier nicht verbaut, Laptops und Flüssigkeiten müssen also weiterhin ausgepackt werden. „Die neue Technik wird auch kommen, aber alles der Reihe nach“, sagt Michael Kraft, Hauptkommissar der Bundespolizei und zuständig für die neuen Kontrolllinien.


Vorerst belassen es die Behörden bei einem anderen Aufbau der Kontrollen. Passagiere können parallel ihr Gepäck auflegen und es gibt mehr Bildschirmarbeitsplätze zur Auswertung der Gepäckbilder. Auch die Zahl der Positionen für die Nachkontrolle von Personen und Gepäck würden aufgestockt.

Ob damit in diesem Bereich des Terminals jetzt mehr Passagiere durchgeschleust werden können, bleibt abzuwarten. Denn dort wo nun die zwei neuen Linien stehen, standen vorher vier alte. Ein simpler Zahlenvergleich führe in diesem Fall aber auch nicht weiter, sagt Hauptkommissar Kraft: „Es ist ein Test. Wir wollen hier Erfahrungen sammeln, die wir dann im Sommer für die neuen Sicherheitskontrollen im geplanten Erweiterungsbau in Frankfurt nutzen können.“

Die neue Kontrolllinie zeigt sehr gut, warum die Modernisierung der Sicherheitschecks so schwierig ist. Nicht nur die Genehmigung und Freigabe neuer Technologien ist komplex, weil viele Behörden und politisch Verantwortliche mitreden. Auch die Umsetzung ist alles andere als trivial.

Eine Kontrolllinie, bei der die einzelnen Positionen mehrfach besetzt sind, braucht mehr Platz. Der ist aber nicht unbegrenzt verfügbar. „Direkt nach der Sicherheitskontrolle sind bei den Flughäfen die Geschäfte und die Gastronomie angesiedelt. Hier wird auch jeder Meter gebraucht, die Einnahmen aus diesem Bereich sind für die Flughafenbetreiber wichtig“, weist Alexander Rund von Smiths Detection auf ein Problem hin.

Hinzu kommen weitere Herausforderungen: Die neue CT-Technologie etwa kann ihre volle Kapazität vor allem dann entfalten, wenn mehr Kontrolleure (Operatoren) zeitgleich arbeiten. Das geschieht am besten über das sogenannte Remote Screening.

An Bildschirmarbeitsplätzen, die nicht direkt an der Kontrolllinie angesiedelt sind, analysieren die zwei oder drei Kontrolleure die Bilder des Gepäcks. „Das erfordert neue Arbeitsabläufe. Die Arbeit am Bildschirm erfordert höchste Konzentration, der Operator muss entsprechend geschult werden“, sagt Runds Kollege Henkel.

Der Wettbewerb ist hart

Technisch ist dagegen vieles denk- und machbar. In Wiesbaden arbeitet man zum Beispiel an einer automatischen Erkennung von Waffen oder Sprengstoff. Nicht alleine der Kontrolleur analysiert das Röntgenbild des Gepäcks, die Maschine selbst tut das und macht auf kritische Inhalte im Koffer aufmerksam.

Doch bis solche Ideen zum Einsatz kommen, dauert es – nicht nur in Deutschland. „Sicherheit ist ein Thema mit wachsender Bedeutung, jede Land hat da eigene Vorgaben und Prozesse“, sagt Henkel. Häufig müsste vorhandene Technologie noch an nationale Vorgaben angepasst werden, etwa durch eine Änderung der Software.

In der Regel wird die Kontrolltechnik ausgeschrieben. Der Wettbewerb ist hart. Anbieter sind neben Smiths Detection zum Beispiel Firmen wie Astrophysics aus Kalifornien, Garrett aus Texas, C.E.I.A. Spa aus Italien oder die zu Osi Systems aus Kalifornien gehörende Rapscan Systems.


Selbst wenn dann ein Unternehmen den Zuschlag bekommt, ist nicht sicher, ob der in der Regel mehrjährige Auftrag auch wirklich kommt wie geplant. In den USA etwa gilt: Sollte sich nach dem Aufbau der Technik zeigen, dass diese die zugesagte Leistung doch nicht bringt, kann der Auftrag wieder entzogen werden.

Für die Unternehmen bedeutet das hohe Investitionen, die sie vorab leisten müssen. Zurückholen können sie sich diese Ausgaben allerdings über länger laufende Verträge mit den Behörden.

Zudem hilft, dass die Durchleuchtung von Gepäck und Personen auch jenseits des Flughafens an Bedeutung gewinnt. So kommen die Geräte von Smiths Detection auch bei Großereignissen zum Einsatz. „Wir haben in diesem Jahr Sicherheitstechnik an die Stadien geliefert, in denen Spiele der Fußball-WM in Russlandstattgefunden haben“, nennt Rund ein Beispiel.

Ständig kommen neue Geschäftsfelder hinzu. So werden zum Beispiel immer häufiger auch Kreuzfahrt-Passagiere gescannt, während sie bislang zum Teil ohne entsprechende Kontrollen an Bord gingen.

Die deutsche Smiths Detection firmierte einst als Heimann und gelangte über Übernahmen durch Siemens und dann Rheinmetall schließlich zur britischen Smiths Gruppe. In Wiesbaden ist der Forschungsschwerpunkt für die Sicherheitstechnik und zudem eine Fertigung. Insgesamt arbeiten dort rund 530 Mitarbeiter.

Am Frankfurter Flughafen weiß man, was alles in Wiesbaden entwickelt wird. Dennoch ist man erst einmal froh über das, was nun frisch aufgebaut wurde. „Heute ist ein guter Tag“, sagt Fraport-Chef Schulte.