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Crifbürgel: Zahl der Privatpleiten dürfte sich mehr als verdoppeln

·Lesedauer: 2 Min.

HAMBURG (dpa-AFX) - Erstmals seit zehn Jahren steigt die Zahl der Privatpleiten in Deutschland wieder. Die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel rechnet in diesem Jahr mit bis zu 120 000 Privatinsolvenzen. "Damit würden sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln", erläuterte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei gab es allein im ersten Halbjahr mit 57 992 Fällen bereits mehr Pleiten von Privatleuten als im vergangenen Jahr (56 324). Zuvor seien die Zahlen zehn Jahre lang gesunken.

Den starken Anstieg im ersten Halbjahr führte Schlein größtenteils darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten. Danach werden sie nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren restlichen Schulden befreit. Die Verkürzung gilt rückwirkend ab 1. Oktober 2020.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei machen sich seit Mai aber auch zunehmend die Folgen der Corona-Pandemie bemerkbar. "Diese Insolvenzwelle wird dann verstärkt ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen", sagte Schlein.

Die finanziellen Reserven vieler Menschen, die in der Krise Einkommenseinbußen zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit erlitten hätten, seien inzwischen aufgebraucht. Auch der Anteil ehemals Selbstständiger, die Privatinsolvenz anmelden, steigt den Angaben zufolge derzeit.

Steigende Zahlen wurden Crifbürgel zufolge im ersten Halbjahr in allen Bundesländern festgestellt. Am stärksten fiel der Zuwachs in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg mit jeweils von 74,2 Prozent aus. Deutliche Anstiege gab es auch in Nordrhein-Westfalen (plus 67,1 Prozent), Thüringen (62,3 Prozent) und Berlin (plus 60 Prozent).

Bundesweit gab es den Berechnungen zufolge 68 Privatinsolvenzen je 100 000 Einwohner. Diese Statistik führt Bremen mit 135 Fällen je 100 000 Einwohner an. Es folgen Hamburg (97 Fälle je 100 000 Einwohner) und Niedersachsen (94). Am geringsten waren die Zahlen in Bayern (47), Baden-Württemberg (53) und Hessen (57).

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