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Credit Suisse mit sechster Gewinnwarnung im siebten Quartal

(Bloomberg) -- Die Pechsträhne der Credit Suisse Group AG reißt nicht ab. Die Schweizer Großbank gab am Mittwoch ihre sechste Gewinnwarnung in sieben Quartalen ab, weil risikoscheue Kunden und “schwierige” Märkte die wichtige Investmentbanksparte in die roten Zahlen treiben. Jetzt droht wohl auch ein Stellenabbau.

Die Aktien des angeschlagenen Instituts fielen in Zürich um bis zu 7,6%, nachdem die Bank im zweiten Quartal einen Verlust auf Konzernebene und für die Investmentbank prognostizierte. Die Marktbedingungen blieben nach der russischen Invasion der Ukraine und der weltweiten Straffung der Geldpolitik schwierig. Das habe zu erhöhter Marktvolatilität, zurückhaltender Kundenaktivität und einem “anhaltenden Deleveraging der Kunden” geführt, sagte die Bank am Mittwoch in einer Mitteilung.

Das Geldhaus erwägt nun eine neue Runde Personalabbau im Rahmen eines erneuten Anlaufs, ihre Kosten zu senken, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Stellenabbau könnte sich durch alle Sparten ziehen einschließlich Investmentbank und Wealth Management und in verschiedenen Regionen stattfinden, heißt es.

Die erneute Gewinnwarnung erhöht den Druck auf Bankchef Thomas Gottstein. Dieser musste in den zwei Jahren seiner Amtszeit neben weiteren Rückschlägen einen Verlust von 5,5 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro) allein wegen der desaströsen Geschäfte mit Archegos Capital und Greensill Capital hinnehmen. Das Vertrauen der Anleger ist erschütterten, wichtige Sparten wurden geschwächt und Spitzenkräfte verließen die Bank.

Die Bank hat 2022 bereits zum Jahr des Übergangs erklärt, in dem sie die Risiken in der Investmentbank reduzieren und gleichzeitig mehr Ressourcen in das Wealth Management verschieben will. Der Chef der Investmentbank, David Miller, erklärte in einem Interview noch diese Woche, die Sparte sei “wieder da”.

“Angesichts des Wirtschafts- und Marktumfelds beschleunigen wir unsere Kosteninitiativen über die gesamte Gruppe hinweg mit dem Ziel, ab 2023 eine Maximierung der Einsparungen zu erzielen”, erklärte die Credit Suisse. Gottstein präsentiert sein Haus am Donnerstag bei der European Financials Conference von Goldman Sachs. Die Bank selbst hält am 28. Juni einen Investorentag ab, auf dem sie weitere Details zu den geplanten Kostensenkungen nennen will.

Bei einem Strategie-Update im vergangenen Jahr hatte die Bank angekündigt, bis 2024 strukturelle Kosteneinsparungen in Höhe von 1 bis 1,5 Milliarden Franken (0,96 bis 1,43 Milliarden Euro) anzustreben. Dies sollte erreicht werden durch die Zusammenlegung von Einheiten sowie eine Straffung von Technologie und Organisationsstruktur.

Während die Investmentbank im ersten Quartal noch einen Vorsteuergewinn von 124 Millionen Franken auswies, gingen die Erträge aus dem Handelsgeschäft stärker zurück als bei der Konkurrenz. Auch die Erträge aus dem Kapitalmarktgeschäft haben im letzten Quartal gelitten und werden sich voraussichtlich auch weiterhin nur gedämpft entwickeln.

Die Credit Suisse führte schwache Vermögenszuflüsse und die Risikoscheu wohlhabender Kunden in der Region Asien-Pazifik als Gründe für die derzeit schlechte Performance an. Auch Banker von der Deutsche Bank AG und des Lokalrivalen UBS Group AG hatten zuletzt ähnliche Trends angedeutet.

Seit dem Eklat um Archegos, der zum Abgang des Investmentbank-Chefs Brian Chin und der Risikochefin Lara Warner führte, reißen die schlechten Nachrichten aus der Konzernzentrale am Paradeplatz in Zürich nicht ab. Die Bank hat ihren Verwaltungsratspräsidenten Antonio Horta-Osorio abgesetzt, nachdem dieser gegen die Covid-Quarantäneregeln verstoßen hatte. Zu den jüngsten unangenehmen Überraschungen gehören 703 Millionen Franken an Belastungen aus Rechtskosten im ersten Quartal, die laut der Bank noch weiter ansteigen könnten.

Gottstein sagte kürzlich in einem Interview mit Bloomberg TV in Davos, er habe ein “klares Mandat”, die Bank durch die turbulente Phase zu führen. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass Mitglieder des Verwaltungsrats bereits Gespräche über seine mögliche Ablösung geführt hätten. Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann unterstrich in einem CNBC-Interview in Davos seine Unterstützung für Gottstein und sagte dem Sender, er stehe voll und ganz hinter dem Manager, “weil er gut ist”.

Zu den negativen Einflüssen auf das Ergebnis der Bank gehört auch die Volatilität des Werts der Beteiligung an der Allfunds Group, so die Bank. Kurzfristig werde man mit einer harten Kernkapitalquote von 13,5% im Konzern arbeiten. Bis 2024 sollen mehr als 14% erreicht werden.

Überschrift des Artikels im Original:

Credit Suisse Extends Losing Streak With Expected Quarterly Loss

(Neu: Mehr Details, Stellenabbau)

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