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Credit Suisse erwartet 1,5 Milliarden Franken Verlust im Schlussquartal

(Bloomberg) -- Die Kunden der Credit Suisse Group AG zogen in den ersten Wochen des vierten Quartals 84 Milliarden Franken (81 Milliarden Euro) Vermögen ab und unterstrichen damit die anhaltenden Zweifel an der umfassenden Umstrukturierung der Bank.

Das Schweizer Geldhaus warnte vor seiner außerordentlichen Generalversammlung am Mittwoch, dass im Schlussquartal mit einem Verlust von 1,5 Milliarden Franken zu rechnen sei. Verluste seien - zum Teil wegen der Abflüsse - auch im Wealth Management zu erwarten, im übrigen wegen des Marktumfelds und dem Verkauf von Sparten abseits des Kerngeschäfts.

Am stärksten waren die Abflüsse bei internationalen Wealth-Management-Kunden, die 10% des verwalteten Vermögen abzogen, teilte die Bank mit. “Die Abflüsse haben sich im Vergleich zu den hohen Werten der ersten beiden Oktoberwochen 2022 deutlich verringert”, hätten sich aber noch nicht umgekehrt.

Der düstere Ausblick unterstreicht die Dringlichkeit, mit der Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann die Traditionsbank vom Paradeplatz in Zürich wieder auf Spur bringen muss. In einem umfassenden Umbau wird derzeit die Investmentbank zerschlagen und ausgegliedert und ein stärkerer Fokus auf das Wealth Management gelegt.

Die Aktionäre genehmigten auf der Generalversammlung eine Kapitalerhöhung von etwa 4 Milliarden Franken, die zur Finanzierung der Neuaufstellung benötigt wird. Zur Kostensenkung sollen bis 2025 rund 9.000 Stellen abgebaut werden.

“Die Credit Suisse befindet sich auf einem wichtigen Weg in die Zukunft”, sagte Lehmann auf der Generalversammlung laut Redetext. “Wir setzen alles daran, dieses eindrucksvolle Schweizer Institut mit 166 Jahren Tradition und globaler Reichweite wiederaufzubauen und neu auszurichten.”

Die Aktie der Bank fiel bis 15:55 Uhr in Zürich um 5,4%, und war damit auf dem Weg zum niedrigsten Schlusskurs aller Zeiten.

Die Abflüsse bei der Credit Suisse kontrastieren mit Zuflüssen bei Konkurrenten. Lokalrivale UBS Group AG konnte sich im dritten Quartal über mehr als 17 Milliarden Dollar an Einzahlungen im Wealth Management freuen. Julius Bär Gruppe AG meldete am Montag eine “deutliche Verbesserung” der Neugeldzuflüsse. In den vier Monaten bis Oktober wurden dort netto 4,1 Milliarden Franken eingezahlt.

“Die massiven Nettoabflüsse im Wealth Management, dem Kerngeschäft der CS neben der Schweizer Bank, sind sehr besorgniserregend - umso mehr, als sie sich noch nicht umgekehrt haben”, sagt Andreas Venditti, Bankenanalyst bei der Bank Vontobel AG in Zürich. “Die Credit Suisse muss das Vertrauen so schnell wie möglich wiederherstellen - aber das ist leichter gesagt als getan.”

Die Analysten von JPMorgan bezeichneten die Abflüsse aus dem Wealth Management als viel schlimmer als erwartet. Ethos Services, die Investoren bei der Wahrnehmung ihrer Aktionärs-Stimmrechte berät, hält weitere Schritte der Bank für notwendig, um das Vertrauen wiederherzustellen.

“Kosten zu senken ist eine Sache, das Geschäft auszubauen eine andere”, sagte Vincent Kaufmann, Direktor von Ethos Services AG, auf Bloomberg TV. “Vielleicht können sie beides schaffen, aber das bleibt abzuwarten.”

Die tatsächlichen Quartalsergebnisse werden von “einer Reihe von Faktoren” abhängen, so von der Performance im Rest des Jahres und dem weiteren Ausstieg aus Geschäften, die nicht mehr für wesentlich erachtet werden. Auch etwaige Wertminderungen bei Goodwill und die Ergebnisse anderer Verkäufe von Vermögenswerten würden die Zahlen prägen.

Die Bank hatte bereits gewarnt, dass ein Verlust für das vierte Quartal zu erwarten sei. Chief Executive Officer Ulrich Körner hat versprochen, dass die Bank ab 2024 “definitiv” profitabel sein werde.

Weniger Einlagen und verwaltetes Vermögen dürften sich negativ auf die Nettozinserträge und die wiederkehrenden Gebühren der Wealth Managements auswirken, hieß es.

Anfang Oktober hatten Gerüchte und sprunghafte Schwankungen bei Credit Default Swaps für die Bank zu Unruhe unter vermögende Kunden geführt. Mehrere reiche Familien aus dem Nahen Osten und Asien zogen damals informierten Kreisen zufolge Hunderte von Millionen Dollar ab, wie Bloomberg berichtet hatte.

Überschrift des Artikels im Original:Credit Suisse Warns of Up to $1.6 Billion Fourth Quarter Loss

--Mit Hilfe von Patrick Winters, Ambereen Choudhury, Allegra Catelli und Macarena Munoz Montijano.

(Neu: VR-Präsident Lehmann, Ethos-Kommentare)

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