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Crashsignal? Diese S&P 500-Kennzahl liegt doppelt so hoch als kurz vor (!) der Finanzkrise

·Lesedauer: 4 Min.
Lockdown Coronavirus Börsencrash Höchststände Verluste

Die „S&P 500 Price to Sales Ratio“ drückt das Kurs-Umsatz-Verhältnis aus, bezogen auf einen der wichtigsten US-Börsenindices. Viele Aktien von etablierten Unternehmen weisen typischerweise einen Wert von rund 1 auf. Doch diese S&P 500-Kennzahl liegt aktuell bei über 3. Das erscheint auf den ersten Blick besorgniserregend. Es gibt allerdings auch handfeste Gründe dafür.

Darum ist diese S&P 500-Kennzahl wichtig

Zum guten Investieren gehört auch, sich ein Bild davon zu machen, wie es der Gesamtwirtschaft geht. Fast alles hat zwei Seiten in der Ökonomie, weshalb man sich als Investor nicht so schnell verunsichern lassen sollte.

Ziemlich eindeutig sind hingegen Relationen, die die Aktienkurse direkt einbeziehen. Wenn wir zum Beispiel die Marktkapitalisierung aller Unternehmen des breiten S&P 500 Index durch deren aufsummierte Umsätze teilen, dann ergibt sich eine schöne Kennzahl. Diese pendelte in den Nullerjahren bis zur Finanzkrise recht konstant um den Wert 1,5.

Seit 2009 erlebt sie hingegen einen nahezu ungebremsten Aufschwung. Mit der Rally seit dem Coronacrash katapultierten die Anleger diesen Wert auf über 3,0. Heißt das also, dass hier ein Crashpotenzial von über 50 % besteht für den Gesamtmarkt? Und für viele Einzelwerte noch deutlich mehr?

Darum steigt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei vielen Aktien

1. Grund: Niedrige Zinsen

Es ist kein Zufall, dass der Anstieg im Anschluss an die Finanzkrise begann. Wir haben seither den Übergang von Minizinsen zu Nullzinsen und Negativzinsen miterlebt. Damit verbunden boomte der Anleihenmarkt wie wohl selten zuvor. Direkte Folge davon sind geringere Erwartungen an die Überrendite an den Börsen.

Wo ein Fondsmanager bei einer Aktie früher vielleicht nur zugegriffen hätte, wenn sie 10 % versprochen hätte, genügen ihm jetzt vielleicht schon 6 oder 7 % als Ausgleich für das erhöhte Risiko. Zukünftige Gewinne werden weniger diskontiert. Aufsummiert treiben diese erwarteten abdiskontierten Gewinne den sogenannten Barwert.

Solange der ermittelte Barwert höher liegt als der Aktienkurs, lohnt es sich, zuzugreifen. Und solange sich an der Zinsfront nichts Wesentliches ändert, wird dieser Faktor ein erhöhtes Kurs-Umsatz-Verhältnis unterstützen.

2. Grund: Der pandemiebedingt reduzierte Nenner

Hinzu kommt, dass bei dieser Kennzahl die aktuellen Kurse durch die Umsätze vom letzten Jahr geteilt werden. Auch wenn einige Pandemiewerte über die vergangenen Quartale regelrecht aufgeblüht sind, mussten die meisten Unternehmen deutliche Einbußen hinnehmen.

Das heißt, dass wir im Nenner die Krise haben und im Zähler den Post-COVID-Aufschwung. Von daher ist absehbar, dass die Ratio bezogen auf die aktuellen Kurse zunehmend günstiger ausfällt, je weiter wir aus der Krise herauswachsen.

3. Grund: Die Dollarschwäche

Wenn der Dollar gegenüber Franken und Euro günstiger wird, dann können wir mehr US-Aktien kaufen für das gleiche Geld. Auch das könnte ein Faktor sein, der die Kurs-Umsatz-Verhältnisse treibt. In den letzten fünf Jahren notierte der Kurs häufig unter 1,10. Zuletzt meistens über 1,20.

Andererseits kostete ein Euro 2008 zeitweise über 1,50 US-Dollar, während die Ratio abtauchte. Falls der Faktor eine Rolle spielt, dann wohl eher eine untergeordnete.

Oder steckt in den hohen Kursen auch das Risiko drin, dass der US-Dollar platzt? Eine galoppierende Geldentwertung könnte sowohl Umsätze als auch Kurse treiben. In welchem Verhältnis, das weiß niemand.

4. Grund: Neue Geschäftsmodelle

Ein relevanter Punkt, den viele übersehen, betrifft die Revolution der Geschäftsmodelle. Mit dem globalen Siegeszug der Cloud haben sich die Spielregeln verändert. Wiederkehrende Umsätze heißt das Zauberwort. Wo früher bei Vertragsunterzeichnung große Summen auf einmal den Besitzer wechselten, kommen diese nun häppchenweise im Monatsrhythmus herein.

Im ersten Moment drückt das auf die Umsatzentwicklung. Auf lange Sicht steigert es den Cashflow, weil Kunden immer die neueste Version nutzen und dafür auch bezahlen, anstatt viele Jahre an alten Versionen festzuhalten.

Weitere Effekte sind bei der Fintech-Revolution festzustellen. Unternehmen wie Visa (WKN: A0NC7B) schreiben gigantische Gewinne bei vergleichsweise geringen Umsätzen. Die günstige Wettbewerbssituation und die immer besser skalierbaren Dienstleistungen machen es möglich.

Eine Margenausweitung rechtfertigt ein höheres Kurs-Umsatz-Verhältnis. Solange nichts in die Quere kommt, werden diese Unternehmen weiterhin florieren und entsprechend hoch bewertet.

Worauf Anleger jenseits dieser S&P 500-Kennzahl achten sollten

Panik ist fehl am Platz. Es lassen sich gute Gründe für das stark erhöhte Kurs-Umsatz-Verhältnis des S&P 500 finden. Jeder dieser Gründe ist allerdings auch mit gewissen Risiken verbunden. Wir sollten daher auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Eine Korrektur oder sogar ein anhaltender Crash sind Möglichkeiten. Aber eine weitere Ausweitung der Hausse eben auch.

Es gilt daher, gute Aktien zu halten, eine sinnvolle Cashposition bereitzuhalten und nach diversifizierten Investitionsmöglichkeiten Ausschau zu halten.

Der Artikel Crashsignal? Diese S&P 500-Kennzahl liegt doppelt so hoch als kurz vor (!) der Finanzkrise ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa.

Motley Fool Deutschland 2021