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Corona drückt deutsche Industrieproduktion; WHO und RKI warnen

David Verbeek

(Bloomberg) -- Neue düstere Konjunkturdaten einerseits und erneut höhere Neuinfektionen andererseits illustrieren, welchen Drahtseilakt Bund und Länder mit dem am Mittwoch verkündeten Lockerungspaket vollführen. Weltgesundheitsorganisation und Robert Koch Institut mahnen, dass eine zu starke Rücknahme der Eindämmungsmaßnahmen eine zweite Infektionswelle auslösen könnte.

Daten des Wirtschaftsministeriums zeigen, wie schwer die deutsche Wirtschaft unter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus leidet. Die Industrieproduktion ist im März um 9,2% eingebrochen - noch stärker als von Ökonomen erwartet. Der Tiefpunkt dürfte aber noch nicht erreicht sein, denn das Ministerium erwartet einen noch heftigeren Rückgang im April.

Indes ist die Zahl der Neuinfektionen erneut gestiegen und hat erstmals seit dem 2. Mai wieder die Tausendermarke überschritten. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Donnerstagmorgen haben sich in den zurückliegenden 24 Stunden 1155 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Damit stieg die Zahl das zweite Mal in Folge, nachdem sie zuvor fünf Tage lang zurückgegangen war.

Um der Wirtschaft wieder mehr Luft zum Atmen zu geben, hatten Bund und Länder am Vortag das bislang umfangreichste Bündel an Lockerungen verabschiedet, sich zugleich aber die Möglichkeit gegeben, die Reißleine zu ziehen, sollte sich die Epidemie wieder dynamischer entwickeln. Restaurants und auch große Geschäfte dürfen demnach wieder öffnen, Profifußballspiele sollen wieder stattfinden. Die Kontaktbeschränkungen gelten jedoch weiterhin, und Eindämmungsmaßnahmen können lokal wieder eingeführt werden, wenn die Pandemie an bestimmten Orten neu aufflammt.

Europäische Länder, die ihre Maßnahmen zurückfahren, müssten bereit sein, diese bei Anzeichen für eine neue Infektionsdynamik wieder einzuführen, warnte die Weltgesundheitsorganisation. “Die Abkehr von restriktiven Maßnahmen muss unbedingt flexibel und anpassungsfähig sein”, sagte WHO-Vertreterin Catherine Smallwood. Das Timing einer möglichen zweiten Infektionswelle hänge davon ab, welche Maßnahmen jedes Land ergreife, sagte sie. Das Robert Koch Institut erklärte, wenn die Bundesbürger ohne Maßnahmen zur Kontrolle des Virus zum normalen Alltag zurückkehrten, wäre eine zweite Welle noch vor September möglich.

Seit Beginn der Pandemie haben sich der Johns Hopkins Universität zufolge 168.162 Bundesbürger mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit an siebter Stelle weltweit, nachdem in Russland die Zahl der Gesamtinfektionen die Deutschlands und Frankreichs überschritten hat. Im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion sind in der Bundesrepublik insgesamt 7275 Menschen gestorben.

(Ergänzt um WHO, RKI)

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