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Corona-Tests retten Roche das Jahresergebnis

Blume, Jakob Telgheder, Maike
·Lesedauer: 4 Min.

In der Diagnostik profitiert Roche von seiner Position als Marktführer bei PCR-Tests. Die Medikamentensparte steht wegen der Pandemie unter Druck.

Die Corona-Pandemie hinterlässt beim Schweizer Pharmariesen Roche tiefe Spuren in der Bilanz: Während Roche im Medikamentengeschäft an Umsatz verliert, fängt die Diagnostiksparte die Einbußen auf. Der Umsatz belief sich auf 58,3 Milliarden Schweizer Franken, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das sind zwar fünf Prozent weniger als im Vorjahr – auf währungsbereinigter Basis steht jedoch unter dem Strich ein Umsatzplus von einem Prozent. Das operative Ergebnis fiel währungsbereinigt um rund vier Prozent höher aus. Der Cashflow aus dem operativen Geschäft ging jedoch um 14 Prozent zurück.

Die Pharmasparte verlor mit 44,5 Milliarden Franken währungsbereinigt zwei Prozent Erlös, während die deutlich kleinere Diagnostiksparte um 14 Prozent zulegte. Zwar litt die Diagnostik unter dem Umstand, dass in der Pandemie weniger Menschen zu Routineuntersuchungen gehen. Doch das Geschäft mit PCR- sowie Antigentests auf Covid-19 konnte den Rückgang mehr als kompensieren. Der Umsatz in der molekularen Diagnostik sprang um 90 Prozent in die Höhe.

Für das kommende Jahr erwartet Roche-CEO Severin Schwan „schnelleres Wachstum“: Umsatz und Gewinn dürften im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Er stellt zudem eine wachsende Dividende in Aussicht. Schwan erwartet jedoch, dass besonders im ersten Halbjahr die Corona-Pandemie das Geschäft weiter beeinflussen wird – und insbesondere die Diagnostik weiter boomt.

Im dritten und vierten Quartal war das Wachstum in der Diagnostiksparte mit jeweils 18 und 28 Prozent stark angesichts der deutlichen Ausweitung der Testkapazitäten weltweit. Roche hatte als erstes Unternehmen weltweit bereits im März Zulassungen in den USA und Europa für seinen Corona-Test auf Basis der PCR-Technologie erhalten. Dabei werden Proben aus dem Nasen- oder Mund-Rachen-Raum entnommen, und das Abstrichmaterial wird im Labor vervielfältigt, um Coronaviren einfacher nachweisen zu können.

Neben der Testtechnologie und den Reagenzien produziert Roche zudem wichtige Hardware für Labore: Das Roche-Produkt Cobas erlaubt es Laboren, große Mengen von PCR-Tests innerhalb kurzer Zeit zu verarbeiten. Zudem stellt Roche auch Antikörpertests her, mit denen Patienten überprüfen können, ob sie mit Corona infiziert waren und Antikörper gebildet haben.

Diese wurden nach Unternehmensangaben auch bei der Erprobung des Moderna-Impfstoffs eingesetzt. Auch Antigen-Schnelltests haben die Baseler im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. Diagnostik-Chef Thomas Schinecker betonte, dass sie auch bei den Virusmutationen anschlagen: „Ich kann bestätigen, dass die Tests auch bei den Virusvarianten funktionieren“, sagte er. Die Antigentests zielten für den Nachweis auf ein bestimmtes Virusprotein, das sich durch die Mutationen nicht verändere.

Warten auf die Corona-Therapie

Bei der Impfstoffherstellung ist Roche nicht involviert. Allerdings entwickelt das Unternehmen zusammen mit Partnern wie Regeneron oder Atea ein Medikament gegen Covid-19. Ein Durchbruch bei der Entwicklung einer Covid-19-Therapie steht jedoch noch aus – daher überwogen in der Pharmasparte die negativen Folgen der Pandemie, etwa, dass die Menschen seltener zum Arzt oder ins Krankenhaus gingen und dadurch auch seltener Medikamente verschrieben bekommen haben. Zudem leidet die Pharmasparte unter dem Konkurrenzdruck von Generikaherstellern bei den großen Krebsmedikamenten des Konzerns, MabThera, Herceptin und Avastin.

Große Hoffnungen setzt Roche jedoch in eine Corona-Pille, die sowohl bei milden Symptomen als auch zur Prophylaxe, also zur Vorsorge eingesetzt werden könnte. Zudem sind die Baseler an der Entwicklung eines Antikörper-Cocktails beteiligt, der insbesondere schwere Verläufe mildern kann.

Den starken Wachstumstrend in der Diagnostik bestätigten zuletzt auch die Konkurrenten von Roche: So profitierte etwa Siemens Healthineers von einer hohen Nachfrage nach Antigentests, die im Herbst auf den Markt gebracht wurden. Das Segment Diagnostics der Erlanger wuchs auf vergleichbarer Basis um rund 23 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Für das neue Geschäftsjahr erwartet Siemens nun einen Umsatz von 300 bis 350 Millionen Euro mit den Antigen-Schnelltests, bisher waren es ungefähr 100 Millionen Euro Umsatz. Die hohe Nachfrage nach Antigentests ist auch einer der Gründe, dass Siemens seine Umsatz- und Gewinnerwartungen nun deutlich angehoben hat.

Der US-Konzern Abbott, der wie Roche breit im Bereich Molekulardiagnostik und PCR-Tests aufgestellt ist und verschiedene Covid-19-Antigen- und Antikörpertests im Angebot hat, hatte Ende Januar ebenfalls von stark steigenden Diagnostikumsätzen in der Corona-Pandemie berichtet.

Allein im vierten Quartal 2020 summierten sich die Umsätze mit Covid-19-Tests bei Abbott auf 2,4 Milliarden Dollar. Die Diagnostiksparte konnte ihren Umsatz so auf 4,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Der Quartalsumsatz von Abbott stieg insgesamt um knapp 29 Prozent auf 10,7 Milliarden US-Dollar.

Im Gesamtjahr 2020 wuchs Abbotts Diagnostiksparte um 40 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Da aber andere Unternehmensbereiche wie die Medizintechnik von sinkenden Behandlungen in der Corona-Pandemie betroffen waren, legte Abbott insgesamt um 8,5 Prozent auf 34,6 Milliarden Dollar zu.