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Zinseinnahmen sinken: Immobilienbanken spüren Pandemie-Folgen

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Die Aareal Bank kappt ihre Gewinnprognose für 2020, die Deutsche Pfandbriefbank traut sich erst gar keine zu. Optimistisch äußert sich hingegen ein Konkurrent.

Das Ergebnis vor Steuern belief sich im dritten Quartal auf 75 Millionen Euro. Foto: dpa
Das Ergebnis vor Steuern belief sich im dritten Quartal auf 75 Millionen Euro. Foto: dpa

Deutschlands Immobilienbanken können der Coronakrise nicht entkommen. Nach einem Gewinneinbruch im Sommerquartal musste die Aareal Bank ihre Jahresprognose nach unten schrauben. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie treffen auch uns, keine Frage“, räumte Finanzchef Marc Heß am Donnerstag ein. Heß wird in den kommenden Monaten den erkrankten Vorstandschef Hermann Merkens vertreten.

Zu schaffen machen der Bank steigende Kreditausfälle und ein niedrigeres Neugeschäft, wodurch die Zinseinnahmen sinken. Von Juli bis September 2020 erzielte der Immobilienfinanzierer ein Betriebsergebnis von elf Millionen Euro. Das sind 53 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor. Für die ersten neun Monate 2020 verzeichnet die Bank einen Ergebnisrückgang von 186 Millionen auf 24 Millionen Euro.

Nach Abzug von Steuern und Minderheitsanteilen sank das Betriebsergebnis im dritten Quartal sogar auf null Euro – eine „schwarze Null“, wie Heß betonte. Berücksichtigt man allerdings den Zinsdienst für eine Nachranganleihe (AT 1) in Höhe von vier Millionen Euro pro Quartal, rutscht das den Stammaktionären zurechenbare Ergebnis doch in den roten Bereich.

Ein Quartalsverlust ist bei der Aareal Bank eine Rarität. Selbst in der Finanzkrise erzielte die Immobilienbank stets positive Ergebnisse. Allerdings weist ein Sprecher darauf hin, dass die Bank seinerzeit auch keine AT-1-Anleihe zu bedienen hatte.

Dass das Aareal-Ergebnis im dritten Quartal an die Nulllinie heranrutschte, lag im Wesentlichen an der höheren Risikovorsorge. Wegen der pessimistischeren Konjunkturprognosen und erwarteter Veränderungen der Objektwerte wurden dem Risikoposten 61 Millionen Euro zugeführt. Für die ersten neun Monate summieren sich die Vorsorgemaßnahmen damit auf 167 Millionen. Euro.

Geringere Prognose fürs Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr korrigiert die Bank die Gewinnprognose nach unten. Das Betriebsergebnis werde sich im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen. Bislang hielt der Vorstand auch einen oberen zweistelligen Millionenbetrag für erreichbar.

Etwas besser verlief das Coronajahr 2020 bislang für die Aareal-Konkurrenten Deutsche Pfandbriefbank (PBB) und Berlin Hyp. Im dritten Quartal erzielte die PBB ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 75 Millionen Euro und 48 Millionen Euro nach Steuern, deutlich mehr als in den anderen beiden Quartalen dieses Jahres, als zusammengerechnet gerade mal 31 Millionen Euro vor und 23 Millionen nach Steuern erzielt wurden.

Mit 14 Millionen Euro stockte Vorstandschef Andreas Arndt die Risikovorsorge im dritten Quartal im Vergleich zu den Vorquartalen nur moderat auf. In den ersten neun Monaten wurden somit 84 Millionen Euro der Risikovorsorge zugeführt. Die Neu-Finanzierung von Hotels und Shoppingcentern hat die Bank gestoppt. Hier sind die Risiken wegen der Coronakrise und sich abzeichnender Umsatzausfälle wegen der Lockdown-Maßnahmen besonders hoch. Seit dem zweiten Quartal habe es hier keine Neuzusagen gegeben.

Für eine Prognose für das Gesamtjahresergebnis sieht sich Arndt derzeit außerstande. Die Bücher würden typischerweise erst im Februar des Folgejahres zugemacht. „Die große Unbekannte sind die Risikokosten.“ Klar sei aus seiner Sicht jedoch, dass im kommenden Jahr der Druck auf die Immobilienwerte steigen werde. „Die strukturellen Veränderungen werden sich auf den Immobilienmärkten erst im ersten oder zweiten Halbjahr 2021 auswirken“, betont Arndt.

Überraschend optimistisch zeigt sich dagegen Sascha Klaus, Vorstandschef der Berlin Hyp. Er sei „sehr zufrieden“ mit dem bisherigen Geschäftsverlauf, betonte er. Alle drei Quartale seien positiv verlaufen. Allerdings brach der Gewinn in den ersten neun Monaten von 43,5 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 13,8 Millionen Euro ein. Seine Zufriedenheit bergründete der Bankchef damit, dass noch keine Risiken im Kreditbuch schlagend geworden seien. Aber auch Klaus räumt ein, dass die Immobilienbranche erst verzögert auf Wirtschaftskrisen regiert. Deshalb hat er die Kreditrisikovorsorge um 65 Millionen Euro aufgestockt und weitere 52,5 Millionen Euro in den Fonds für allgemeine Bankrisiken gepackt.

Für das vierte Quartal gibt sich Klaus zuversichtlich: „Wir gehen von einem normalen Quartal ohne Überraschungen aus.“ Die Neugeschäftspipeline sei gut gefüllt. An einen Einbruch der Immobilienmärkte 2021 glaubt der Bankchef nicht: „Es ist noch so viel Geld da. Ich bin mir sicher, dass Immobilien auch nächstes Jahr zu den Ankerinvestments zählen werden.“