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Autovermieter Sixt sieht sich am Tiefpunkt – und hofft auf den Sommer

Die Coronakrise trifft den Mobilitätskonzern hart. Die Staatshilfen von der KfW will Firmenchef Erich Sixt für den nächsten Aufschwung nutzen.

Der Tiefpunkt ist erreicht, glaubt Erich Sixt. Zwar werde das jetzt laufende zweite Quartal „verheerend“ und das wohl „schlechteste in der Geschichte der Firma“. Aber ab dem Juli werde die Wende einsetzen. „Im zweiten Halbjahr zieht es wieder an. Alle Anzeichen deuten darauf hin“, sagte der Vorstandschef und Mehrheitsaktionär am Mittwoch.

Die Coronakrise hat Sixt über Nacht kalt erwischt. Seit Mitte März ist das Geschäft in Europa und den USA massiv eingebrochen. Habe er die Pandemie anfangs für einen Sturm gehalten, so sei daraus ein Hurrikan geworden, sagt der Unternehmer. Und während das erste Quartal mit einem Verlust von fünf Millionen Euro noch erträglich gewesen sei, so dürfte das zweite Quartal tiefrot werden, kündigte Sixt an.

Dass die Konkurrenten Hertz mit 365 Millionen Dollar und Europcar mit 105 Millionen Euro im ersten Quartal deutlich schlechter abschnitten, tröstet Sixt nur wenig. Sein Ziel ist, das Gesamtjahr 2020 ohne Verluste zu beenden.

Das wird schwer. Vierzig Prozent seiner Umsätze macht Sixt an Flughäfen, die kaum noch Passagiere zählen. Die Urlaubsregionen in Frankreich, Spanien und Italien liegen ebenfalls brach. Kurzfristig hilft nur sparen. Sohn Alexander, der gleichzeitig Mitglied des Vorstands ist, untersucht jede Station auf mögliche Einschnitte. 150 Millionen Euro will der Konzern in diesem Jahr bei Sach- und Personalkosten freispielen.

Die Vermietflotte wurde bereits im März von 150.000 auf 130.000 Autos zurückgefahren, für die kommenden Wochen sind weitere Reduktionen geplant. Stationen sollen aber nicht geschlossen werden, auch ein Stellenabbau ist nicht geplant. „Wir holen die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück, sobald die Nachfrage wieder da ist“, sagt Erich Sixt.

Der Unternehmer hofft, dass mit den Grenzöffnungen der Reiseverkehr wieder einsetzt. Um dann neue Autos für die Vermietflotte kaufen zu können, hat Sixt einen Konsortialkreditvertrag unter Führung der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau geschlossen. Bis zu 1,5 Milliarden Euro kann sich der Konzern in den kommenden zwei Jahren von dem Konsortium leihen. „Mit dieser Finanzierung ist die Flexibilität gewährleistet, wieder durchzustarten“, sagt Finanzvorstand Jörg Bremer.

Autovermietung profitiert von Maskenpflicht in Zügen

Ein Schritt, der Sixt nicht leichtgefallen ist. Der Unternehmer hat in den vergangenen Jahren kein Rating beantragt, die Kosten und die Prozedur hat sich Sixt gespart. Da Sixt von Kreditgebern zur Reisebranche gezählt wird, ging ohne die Beteiligung der KfW nichts. „Wir sind unverschuldet in die Krise geraten“, verteidigt Sixt sein Vorgehen, deshalb sei die Staatshilfe „legitim“.

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Reisebranche finanziere Sixt auch keine Verluste. „Wir kaufen für Milliarden von Euros Autos, die kann ich nicht cash bezahlen.“ Ob Sixt den vollen Kreditrahmen überhaupt nutzen werde, sei zudem noch gar nicht sicher. Die Kredite seien verzinst, zum Teil mit höheren Zinsen als vor der Corona-Pandemie. „Die Geschäftsbanken und die KfW machen Gewinn mit diesem Geschäft“, sagt Sixt. „Ich muss jeden Cent abbezahlen.“

Der Unternehmer, der vor über 50 Jahren aus dem elterlichen Betrieb einen börsennotierten Mobilitätskonzern machte, bleibt dennoch zuversichtlich. Da alle Autovermieter ihre Flotten derzeit drastisch verkleinern, werden die Preise stabil bleiben, vielleicht sogar steigen, hofft Sixt. In den USA, wo Sixt an zwei Dutzend Flughäfen vertreten ist, zieht das Geschäft schneller an als in Europa.

Hierzulande biete das geänderte Reiseverhalten Chancen. So werde die Maskenpflicht in Zügen und Flugzeugen das Vermietgeschäft antreiben, denn „wer will schon mehrere Stunden mit einer Maske im ICE nach Berlin sitzen?“, fragt Erich Sixt.

Auch auf kurzen Strecken werde die Autovermietung und das Carsharing von der Situation profitieren. „Es wird uns enorm helfen, dass die Menschen Angst haben, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.“ Die Leihwagen der Flotte werden vor jeder Übergabe noch einmal gründlich desinfiziert.