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Coronakrise hinterlässt bei Banken bleibende Schäden im Privatkundengeschäft

Maisch, Michael
·Lesedauer: 2 Min.

Es wird Jahre dauern, bis sich das Retailbanking von der Krise erholt. Im schlimmsten Fall liegt der Rückgang der Erträge bei 2,7 Prozent jährlich.

Die Coronakrise verändert das Verhalten der Privatkunden nachhaltig. Dadurch wird die Digitalisierung zu einer noch größeren Herausforderung für die Banken. Foto: dpa
Die Coronakrise verändert das Verhalten der Privatkunden nachhaltig. Dadurch wird die Digitalisierung zu einer noch größeren Herausforderung für die Banken. Foto: dpa

Bereits vor der Pandemie gingen die Erträge im deutschen Privatkundengeschäft kontinuierlich zurück. Die Coronakrise könnte den Abwärtstrend nun noch weiter verschärfen. Bis die Banken im Privatkundengeschäft wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreichen, werden mindestens drei Jahre vergehen, warnt die Unternehmensberatung BCG.

Die Prognosen der Berater bis 2024 liegen im besten Fall bei 0,4 Prozent Wachstum pro Jahr; im schlechtesten Fall rechnen die Experten mit einem Rückgang der Erträge von 2,7 Prozent jährlich – je nachdem, wie schnell sich die Wirtschaft von der globalen Pandemie erholen kann. Nach BCG-Berechnungen sind die Erträge im Privatkundengeschäft seit 2014 pro Jahr um rund ein Prozent auf rund 46 Milliarden Euro im Jahr 2019 gefallen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Unternehmensberatung ZEB. Die Experten gehen davon aus, dass die Erträge im heimischen Geschäft mit Privatkunden im vergangenen Jahr noch einmal um rund fünf Prozent gefallen sind. Im Vergleich zum Niveau von 2010 sind die Erträge sogar um rund 16 Prozent gefallen.

2020 haben die Geldhäuser nach ZEB-Berechnungen im Retailbanking einen Verlust von drei Milliarden Euro eingefahren. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen dürfte das Ergebnis im deutschen Privatkundengeschäft in den nächsten fünf Jahren auf minus fünf bis minus sieben Milliarden Euro sinken.

Die Banken kämpfen aber nicht nur mit den direkten Folgen der Coronakrise – die Langfristwirkung der Pandemie sorgt für eine zweite Herausforderung. Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung deutlich.

Digitalisierung als Herausforderung

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sich 14 Prozent aller Bankkunden in Deutschland neu für das Onlinebanking angemeldet, zwölf Prozent nutzen seit der Pandemie erstmals ihre Mobilgeräte dafür. 27 Prozent der von BCG befragten deutschen Kunden gaben an, Bankfilialen seltener nutzen zu wollen. Damit geht die Zahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.

„Die Banken geraten von zwei Seiten unter Druck, zum einen durch den coronabedingten Rückgang der Einnahmen, zum anderen durch das veränderte Kundenverhalten“, meint Thorsten Brackert, Partner bei BCG und Mitautor des Reports.

„Die Verlagerung auf digitale Kanäle lässt sich nicht zurückdrehen, im Gegenteil: Wenn die etablierten Institute es nicht schaffen, ein wirklich nutzerfreundliches und innovatives Digitalangebot auf die Beine zu stellen, wechseln die Kunden zu Wettbewerbern, die das besser können“, warnt der Berater.

Bereits jetzt würden junge, aufstrebende Technologiefirmen und branchenfremde Akteure die Geschäftsmodelle der Retailbanken massiv angreifen. Brackerts Fazit: „Die deutschen Banken stehen vor der Herausforderung, noch härter zu sparen.“

Diese Prognose passt zu dem düsteren Bild, das die Ratingagentur Moody's vor Kurzem für die deutschen Banken zeichnete. Bei einem schwachen Wirtschaftswachstum, anhaltenden Negativzinsen und einer sehr geringen Inflation müssten die Geldhäuser ihre Kosten um mehr als ein Drittel drücken, um die Rentabilität auf dem aktuellen Niveau zu halten.