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Corona-Notstand in Japan: Fälle von Schikane bei Regelverstößen

TOKIO (dpa-AFX) - In Japan kommt es vermehrt zu Fällen von Schikane gegen Menschen, die sich nicht an die Aufrufe zur Selbstdisziplin während des Corona-Notstands halten. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Samstag berichtete, wurden im Großraum Tokio an Türen von weiter geöffneten Live-Bars und Läden handgeschriebene Zettel mit der Aufforderung gefunden, zu schließen sowie der Warnung: "Das nächste Mal rufe ich die Polizei". Andernorts komme es vor, dass Autos mit Nummernschildern anderer Provinzen beschädigt werden.

Es gäbe inzwischen Aufkleber zu kaufen, auf denen Autofahrer mit Nummernschildern anderer Provinzen angeben, sie seien ortsansässig. Im Internet mache schon der Begriff "Polizei für die Selbstdisziplin" die Runden, berichtete die Agentur weiter. Experten sähen hinter solchen Schikanen Menschen, die es nicht leiden könnten, wenn Leute sich nicht anpassen wollten. Ähnlich sei es beim Mobbing, ein im harmoniebetonten Japan ernstes gesellschaftliches Problem.

Der wegen der Corona-Pandemie verhängte Notstand gilt noch bis zum 31. Mai. Dies bedeutet allerdings keine strengen Ausgangssperren wie in Europa. Die Menschen in Japan sind nur dazu aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. Auch sind die Menschen gebeten, von Fahrten in andere Provinzen abzusehen. Doch nicht alle halten sich daran.

Unterdessen gibt es in Japan auch Berichte über gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die sich von ihrer Coronavirus-Infektion wieder erholt haben. Ein weiteres trauriges Phänomen, das in Japans Gesellschaft immer wieder auftritt, wenn Menschen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt waren - wie einstige Lepra-Patienten oder Menschen aus Fukushima nach dem Atomunfall 2011.