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Corona-Impfungen: Wann Teenager und Kinder an der Reihe sein könnten

Business Insider
·Lesedauer: 4 Min.

Aktuell wird viel über die sinnvolle Impf-Reihenfolge diskutiert, doch eine Gruppe taucht in dieser Diskussion fast nie auf: Kinder. Brauchen diese etwa keine Impfung? Viele Experten glauben, dass dies schon der Fall ist. Dennoch gibt es eine Reihe von Gründen, warum Kinder voraussichtlich noch länger auf eine Impfung werden warten müssen als alle anderen.

Zunächst ist klar: Je jünger jemand ist, desto unwahrscheinlicher ist es, das diese Person einen schweren Krankheitsverlauf erlebt. Dennoch heißt das aus Sicht vieler Experten nicht, dass Kinder keinen Impfschutz benötigten – und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens sollte jeder schwere Krankheitsverlauf nach Möglichkeit verhindert werden. Und Fakt ist, dass auch Kinder schwere Verläufe erleben. Diese könnten durch eine Impfung verhindert werden. Experten sprechen hierbei vom Individualschutz.

Zweitens sind Kinder auch dann Infektionstreiber, wenn sie selbst einen milden oder asymptomatischen Verlauf der Infektion erleben. Wie viele Kinder tatsächlich zur Ausbreitung der Infektion beitragen ist zwar umstritten. Doch wann immer ein Kind die Infektion in sich trägt, kann es andere anstecken, die womöglich ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Experten nennen diesen Aspekt Bevölkerungsschutz.

"... besteht die Notwendigkeit, Kinder unter 16 Jahren so bald wie möglich gegen Covid-19 zu impfen"

Prof. Jörg Dötsch, Direktor der Klinkik für Kindermedizin der Universität Köln fasst beides zusammen: "Sowohl im Hinblick auf den Individualschutz als auch im Hinblick auf den Bevölkerungsschutz besteht die Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren so bald wie möglich gegen Covid-19 zu impfen." Zwar seien die akuten Krankheitsverläufe bei Kindern nicht sehr häufig schwer, "jedoch ist die überschießende Immunreaktion bei einigen Kindern und Jugendlichen durchaus Grund zur stationären Aufnahme und zur Behandlung."

Dies könne im Sinne des Individualschutzes durch eine Impfung vermieden werden. Doch dieses Ziel wird nicht so schnell erreicht werden. Bisher ist noch keiner der Corona-Impfstoffe für Kinder zugelassen — und nur der Biontech-Impfstoff darf an Jugendliche über 16 Jahren verabreicht werden.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das hierzulande für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, betont: Impfstoffe können nur für die Altersgruppen zugelassen werden, für die eindeutige Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus klinischen Prüfungen vorliegen.

Studienergebnisse werden bis spätestens 2024 erwartet

Zwar gehören solche Studien zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Impfstoffe, auf deren Grundlage dann einer Abgabe an Kinder erfolgen könnte, zu den Auflagen, die die Zulassungsbehörden den Impfstoffherstellern gemacht haben. Der Abgabetermin dieser Studienergebnisse ist jedoch erst Juli beziehungsweise Dezember 2024.

Diese Studien laufen auch bereits. Biontech/Pfizer testet bereits seit Herbst 2020 den Impfstoff auch an 12 bis unter 16-Jährigen und Moderna untersucht an insgesamt 3.000 Kindern zwischen 12 und 17 Jahren die Wirksamkeit seines Präparats. Sollte diese Studie positiv ausfallen, könnte das Vakzin ab Anfang 2022 bei Teenagern eingesetzt werden.

Dieser relativ langsame Fortschritt im Vergleich zur Impffreigabe bei Erwachsenen hat zwei Gründe: Einerseits ist es rechtlich und ethisch viel aufwendiger, Impfstoff an Minderjährigen zu testen. Während volljährige Menschen das Risiko solch einer Studie überblicken und sich im vollen Bewusstsein dessen, für die Teilnahme entscheiden können, wird Kindern diese freie Entscheidung aus nachvollziehbaren Gründen nicht leichtfertig eingeräumt.

"im Spätsommer oder spätestens Herbst..."

Hinzu kommt, dass in der Entwicklung befindliche Kinderkörper insgesamt verwundbarer für mögliche Nebenwirkungen sind und mit besonderer Vorsicht behandelt werden müssen: "Der Prüfaufwand ist viel höher als bei Erwachsenen", erklärt dazu Frank Zepp, der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Mainz; "Je jünger der Mensch ist, desto ausgeprägter kann er reagieren und desto stärker sind eventuell auch Nebenwirkungen".

Das gilt selbst innerhalb der Gruppe der Kinder. Die Zulassung von Impfstoffen für Kleinkinder steht noch einmal vor deutlich höheren Hürden als die für Teenager. Für letztere könnte es unter Umständen jetzt jedoch relativ schnell gehen, da die Testphasen in dieser Gruppe bereits seit fast einem Jahr laufen.

Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin geht davon aus, dass es für Teenager sogar noch dieses Jahr eine Impffreigabe geben könnte und "wir ein Vakzin für 12- bis 15-Jährige im Spätsommer oder spätestens Herbst bekommen."

"Für kleinere Kinder wird es wahrscheinlich länger dauern", so Dötsch weiter. Auch unter den Jüngsten laufen zwar bereits Testreihen; AstraZeneca begann im Februar 2021 eine Studie seines Vakzins mit 6- bis 17-Jährigen in Großbritannien und Biontech und Pfizer begannen im März mit Tests an unter 12-Jährigen. Für diese Gruppe lässt sich jedoch noch kein genaueres Datum angeben.

tf/mit dpa