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Studien aus Schottland und Israel: Corona-Impfstoffe beweisen ihre Wirksamkeit in der Praxis

Hofmann, Siegfried
·Lesedauer: 5 Min.

Studien aus Schottland und Israel untermauern die guten Daten aus klinischen Tests. Auch das Ansteckungsrisiko wird offenbar deutlich reduziert.

Zweieinhalb Monate nach dem Start der ersten Impfkampagnen dringen immer mehr Daten aus der Praxis an die Öffentlichkeit, die für die bisher eingesetzten Coronavirus-Impfstoffe hohe Wirkungsgrade bestätigen. So kam jetzt eine umfangreiche Beobachtungsstudie in Schottland zu dem Ergebnis, dass sowohl das von Astra-Zeneca und der Oxford-Universität entwickelte Vakzin als auch das Mittel von Biontech und Pfizer das Risiko für schwere Covid-Erkrankungen stark reduzieren.

Gemessen wurde das anhand der Covid-bedingten Krankenhausbehandlungen. Für den Impfstoff von Astra-Zeneca wurde dabei sogar ein etwas höherer Wirkungsgrad von 94 Prozent beobachtet als für den Impfstoff von Biontech und ihrem US-Partner Pfizer. Er senkt das Risiko für Krankenhausbehandlungen nach Beobachtung der Studienautoren um 85 Prozent.

In die Beobachtungsstudie der schottischen nationalen Gesundheitsbehörde und der Universität Edinburgh wurden die Gesundheitsdaten von rund 5,4 Millionen schottischen Bürgern einbezogen, wovon gut 1,1 Millionen im Zeitraum von 8. Dezember bis 15. Februar geimpft wurden.

Gemessen wurden die genannten Wirksamkeitsgrade jeweils 28 bis 34 Tage nach Verabreichung der ersten Impfdosis. Ziel war es dabei, insbesondere auch Indikatoren für den Erfolg der britischen Impfpraxis zu ermitteln. Dabei werden größere Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung in Kauf genommen als die eigentlich vorgesehenen drei bis vier Wochen.

Für den Astra-Zeneca-Impfstoff liefert die Studie mit den guten Ergebnissen auch den ersten klaren Beleg, dass er auch älteren Menschen hohen Schutz vor schweren Covid-Erkrankungen bietet. Bei dem Einsatz in Schottland wurde der Impfstoff ganz überwiegend bei Personen ab 65 Jahren eingesetzt, während das Biontech/Pfizer-Vakzin in größerem Umfang auch bei jüngeren Menschen verimpft wurde.

In den klinischen Studien von Astra-Zeneca waren Personen über 55 Jahre dagegen nur schwach vertreten, wodurch es an statistisch belastbaren Daten mangelte und in mehreren Ländern Zweifel an der Wirksamkeit in dieser Bevölkerungsgruppe aufkamen. In Deutschland wird das Vakzin bisher nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen.

Experten bewerteten die schottischen Praxis-Daten für die beiden Impfstoffe insgesamt als sehr vielversprechend. „Die Resultate sind sehr ermutigend und geben uns gute Gründe, optimistisch zu sein“, erklärte der Studienleiter Aziz Sheikh, Direktor des Instituts für öffentliche Gesundheitsversorgung an der Universität Edinburgh.

Biontech-Mittel wirkt offenbar auch gegen britische Variante

Ähnlich positive Resultate waren am Wochenende aus größeren Beobachtungsstudien für den Corona-Impfstoff von Biontech in Israel bekannt geworden, wo die Impfkampagnen ebenfalls sehr weit vorangeschritten sind. Eine vom Gesundheitsministerium und Pfizer durchgeführte Studie ermittelte hier eine Reduktion des Risikos für Covid-bedingte Krankenhausbehandlungen von rund 93 Prozent durch den Biontech-Impfstoff.

Zudem zeigte sich in dieser Analyse nach Aussagen aus dem israelischen Gesundheitsministerium, dass der Impfstoff des Mainzer Biotechunternehmens auch das Risiko für Infektionen ohne Symptome offenbar stark reduziert. Die Wirksamkeit mit Blick auf alle Covid-Infektionen wurde mit 89 Prozent errechnet. Das wiederum lässt darauf schließen, dass der Impfstoff auch die Ausbreitung des Sars-CoV-2 eindämmen kann.

Eine weitere positive Schlussfolgerung für den Impfstoff von Biontech und Pfizer ergibt sich aus der Tatsache, dass im Zeitraum der Studie die besonders ansteckende britische Variante des Coronavirus in Israel bereits stark dominierte. Die Ergebnisse lassen insofern den Rückschluss zu, dass der Impfstoff auch gegenüber dieser Mutante eine hohe Schutzwirkung bietet. Bisher wurde das nur in Laboruntersuchungen nachgewiesen.

Zuvor hatte sich in den Analysen israelischer Krankenkassen bereits gezeigt, dass die Rate der Covid-Erkrankungen in der Gruppe der über 65-Jährigen stark zurückging, während sich der Effekt bei den jüngeren Bürgern, bei denen die Impfquote bis Anfang Februar noch deutlich niedriger war, kaum zeigte. Zudem lieferten die israelischen Daten deutliche Hinweise, dass der Impfstoff bereits 14 Tage nach der ersten Impfung eine relativ hohe Effektivität bietet.

Alles in allem untermauern die bisherigen Daten aus der Praxis, dass die Impfstoffe offenbar einen sehr starken Effekt auf die Krankheitslast durch Covid-19 entfalten können und vermutlich auch dabei helfen, die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen. Die Resultate aus den klinischen Studien werden bislang offenbar fast durchweg bestätigt.

Das gilt auch mit Blick auf Nebenwirkungen und Sicherheitsrisiken. Die bisherigen Sicherheits-Updates der Zulassungsbehörden in Europa und den USA jedenfalls haben keine ernsthaften Sicherheitsprobleme identifiziert.

Länge der Schutzwirkung ist ungeklärt

Dennoch bleiben etliche Fragen offen, die in den weiteren Studien noch geklärt werden müssen. Dazu gehört zum einen die Wirkung der Impfstoffe gegen weitere Virus-Mutationen, etwa die südafrikanische Variante. Hier hatte sich in den klinischen Studien von Novavax, Astra-Zeneca und Johnson & Johnson ein Wirkungsabfall angedeutet.

Für die Impfstoffe von Biontech und Moderna, deren Phase-3-Studien als Erstes abgeschlossen wurden, gibt es dazu weder klinische Daten aus den Studien noch Beobachtungsanalysen aus der Praxis. Bisherige Laboranalysen deuten darauf, dass die von den Impfstoffen induzierten Antikörper weniger stark, aber womöglich noch ausreichend gegen die Südafrika-Variante wirken. Eine Analyse der Praxisdaten steht bisher noch aus.

Ungeklärt ist zum anderen die Frage, wie lange die Schutzwirkung der Impfstoffe anhält. Eine konkrete Antwort darauf können Beobachtungsstudien bislang noch kaum geben, da die Impfungen durchweg erst Anfang oder Mitte Dezember angelaufen sind.

Immerhin deuten die Daten der schottischen Analyse darauf, dass sich die Effektivität von nur einer Dosis des Biontech-Impfstoffs ab Tag 34 nach der Impfung wieder abschwächt. Bei einem Abstand von mehr als 42 Tagen nach der Impfung war danach die Wirksamkeit mit nur 64 Prozent schwächer als im Beobachtungszeitraum von 28 bis 34 Tage nach der Impfung.

Das wiederum könnte darauf hindeuten, dass die Zweitimpfung wichtig ist, um eine hohe Schutzwirkung aufrechtzuerhalten, und dass womöglich noch weitere Booster-Impfungen erforderlich sind.