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Corona-Ängste erreichen die Start-up-Welt

Die Venture-Capital-Firma Sequoia warnt ihre Portfolio-Firmen vor den Folgen des Corona-Virus. Sie ruft die Gründer auf, sich auf dürre Zeiten einzustellen.

Sequoia ist eine der erfolgreichsten Risikokapitalfirmen der Welt. Der 1972 gegründete Investor hat in Firmen wie Google und Youtube investiert, in LinkedIn und in Zoom. Nun stellen die Venture-Captial-Manager ihre Portfolio-Unternehmen auf schwere Zeiten ein. „Menschenleben sind gefährdet. Wir hoffen, dass sich die Lage so schnell wie möglich bessert“, schrieb die Sequoia-Führung am Donnerstag in einem Brief an ihre Portfolio-Unternehmen. „Bis dahin solltet ihr euch jedoch auf turbulente Zeiten einstellen und euch auf verschiedene Szenarien vorbereiten“.

So sollen sich die Gründer auf schwächere Umsätze einstellen. Probleme mit den Lieferketten und weniger Meetings könnten die gut geölte Start-up Maschinerie auf vielfältige Weise treffen. Sequoia drängt die Start-ups, zu überprüfen, ob sie genügend Cash-Reserven haben. „Finanzierungsrunden abzuschließen könnte deutlich schwieriger werden, wie wir das bereits 2001 und 2009 gesehen haben“, warnt Sequia in dem Brief.

Für Start-ups und ihre Geldgeber ist das eine deutliche Zeitenwende. Zwar sind Investoren nach dem geplatzten Börsengang von WeWork im vergangenen Herbst etwas vorsichtiger geworden und prüfen Geschäftsmodelle genauer. Doch es gab immer noch sehr viel Geld im Markt, das Risikokaptitalgeber und andere Investoren bei Start-up anlegen wollen.

Sequoia geht davon aus, dass die Flaute mehrere Quartale anhalten wird. „Was würdet ihr tun, wenn ihr in 2020 und 2021 kein Geld zu attraktiven Bewertungen einsammeln könnt?“, fragen die Investoren in dem Brief und ermuntern die Start-ups, über Wege nachzudenken, um „eine herausfordernde Situation für nachhaltigen Erfolg zu nutzen“.

Gig Economy besonders gefährdet

Die Mitarbeiter der sogenannten Gig Economy gelten als besonders gefährdet. Sie arbeiten als Selbständige, ohne Krankenversicherung. Wenn sie zum Beispiel als Fahrer von Uber oder als Lieferant für Dienste wie GrubHub nicht arbeiten können, dann fallen sofort ihre Einkünfte weg. Start-ups, die auf diese Selbständigen angewiesen sind, stehen schon länger in der Kritik, weil Gründer und Programmierer der oft milliardenschweren Unternehmen reich geworden sind, während die eigentlichen Dienstleister kaum den Mindestlohn verdienen.

In Zeiten von Corona sollen jedoch auch die Start-ups in ihren Zentralen mehr sparen, fordert Sequoia. Das betreffe das Marketingbudget genauso wie die Personalkosten. „Dies könnte eine gute Zeit sein um zu evaluieren, ob ihr mit weniger Mitteln mehr erreichen und die Produktivität anheben könnt“, heißt es weiter in dem Brief.

Auch an anderer Stelle gab es am Donnerstag Warnungen davor, die Lage zu unterschätzen. Die großen Aktienindizes gaben um über drei Prozent nach. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen erreichte ein neues Rekordtief, von knapp unter 0,9 Prozent. Star-Investor Jeffrey Gundlach von Doubleline Capital diskutierte im US-Börsensender CNBC daher Möglichkeiten, wie die Regierung die Mittelschicht entlasten und somit der Wirtschaft helfen könnte. „Steuergutschriften würden der Mittelschicht helfen. Oder Barauszahlungen“, so Gundlach. Die Bürger könnten somit ihre Ausgaben decken oder Schulden begleichen. Einer Studie der US-Notenbank Fed zufolge haben Amerikaner im Schnitt gerade einmal 400 Dollar an Ersparnissen, auf die sie in Notfällen zurückgreifen können.

„Sollte der Markt für Unternehmensanleihen schwächeln, dann wäre das schlecht für die gesamte US-Wirschaft“, so Gundlach. Er ist auf schlechte Zeiten eingestellt. „Es wird sicher ein größeres Problem werden als viele Leute gedacht haben.“