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Cornflakes-Startup von Rapper Cro in der Höhle der Löwen – deshalb gab's keinen Deal

Cro heißt bürgerlich Carlo Wabel, besitzt 30 goldene Schallplatten – und 10 Prozent am Cornflakes-Startup Spacies.  - Copyright: Spacies/Svenja Ava
Cro heißt bürgerlich Carlo Wabel, besitzt 30 goldene Schallplatten – und 10 Prozent am Cornflakes-Startup Spacies. - Copyright: Spacies/Svenja Ava

Müsli mit Maske essen – das geht, wenn man Cro heißt und das Markengesicht von Spacies ist, einem Startup für zuckerarme Cornflakes.

Spacies war am Montagabend in der Höhle der Löwen. Trotz Star-Support verließ das Startup die Show ohne Deal. Sorgen mache ihnen das keine, sagt Spacies-Gründer Carsten Hinzer im Gespräch mit Gründerszene. Er sieht seine Cornflakes "spätestens Anfang nächsten Jahres" im Supermarkt.

Der Jungunternehmer hat Spacies im September 2021 gegründet, wenig später holte er Rouven Kosel an Bord. Im Rücken hatten die beiden Gründer den Company Builder Crealize, der weiterhin mit fast 30 Prozent bei Spacies investiert ist.

Carsten Hinzer (l.) und Rouven Kosel präsentieren mit Spacies Protein Cerealien ohne Zucker. Sie erhoffen sich ein Investment von 200.000 Euro für acht Prozent der Firmenanteile. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel
Carsten Hinzer (l.) und Rouven Kosel präsentieren mit Spacies Protein Cerealien ohne Zucker. Sie erhoffen sich ein Investment von 200.000 Euro für acht Prozent der Firmenanteile. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel

Wir erreichen Hinzer in Vorbereitung auf die Ausstrahlung am Montag: „Da wird höchstwahrscheinlich ein bisschen Reichweite bei uns ankommen“, sagt der 27-jährige, die wolle man bestmöglich nutzen. Im Fernsehen sichtbar zu sein, sei wahrscheinlich immer ein Teil der Motivation, bei DHDL zu pitchen, sagt Hinzer – "aber wir hätten uns schon gewünscht, einen Löwen an Bord zu haben". Woran ist er gescheitert?

"Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler" 

Zunächst Mal stoßen Hinzer und Kosel in einen attraktiven Markt. Deutschland ist Frühstücks-Land. Ein Drittel der Deutschen hält das Frühstück für die „wichtigste Mahlzeit des Tages“ ergab Anfang 2023 eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa. Besonders für junge Menschen ist Frühstück ein Muss: Nur zwei Prozent der 18- bis 24-Jährigen verzichten darauf. Besonders beliebt ist Müsli. Das essen junge Deutsche doppelt so oft wie ihre Elterngeneration, die lieber zu Herzhaftem greifen.

Heute Kellogg's morgen Spacies? Das Startup stößt in einen attraktiven Markt – junge Menschen frühstücken besonders gerne Müsli. - Copyright: Spacies / Svenja Ava
Heute Kellogg's morgen Spacies? Das Startup stößt in einen attraktiven Markt – junge Menschen frühstücken besonders gerne Müsli. - Copyright: Spacies / Svenja Ava

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Frühstück ist eine Trendmahlzeit, sie durchläuft wechselnde Moden. Was früher Haferschleim war, ist heute Porridge. Die Botschaft von Spacies passt ins Konzept: Was früher Kellogg’s war, könnte morgen Spacies sein.

"Future Breakfast" – so steht es auch auf einem der Kartons, die zum Spacies-Pitch auf der DHDL-Bühne stehen. Deren Aufmachung erinnert ein wenig an den Look der Gorillas-Tüten. Drin ist die zuckerreduzierte Alternative zu Froot Loops und Choco Krispies.

Die hat auch Familie Maschmeyer eine Zeit lang gefrühstückt – "in nicht ganz klarer Kenntnis, dass wir eigentlich nur getrockneten angemalten Zucker gegessen haben – also es war Mist", sagt der Investor. Da müsste Spacies doch eigentlich ein gutes Match sein.

Tatsächlich gibt es erstmal auch Lob von Maschmeyer. Dem gefällt das auf Weltall getrimmte Konzept der Gründer, die die Investoren mit Space-lastigen Sprachbildern vom "Planet Kindheit" bis zum "Planeten Einzelhandel" führen.

Kinder-Frühstück "müsste eigentlich im Süßigkeitenregal stehen" sagt Rouven Kosel – weil sie bis zu einem Viertel aus Zucker bestehen. Letzteres stimmt: Frootloops enthalten 25 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Dagagen enthalten Spacies rund einen Gramm Zucker auf dieselbe Menge Cornflakes. Maschmeyer nickt. Zusätzlich buhlt Spacies mit 40 Gramm Protein um seine Zielgruppe. Die umfasst den 16-jährigen Fittness-Freak genau wie den 38-jährigen Familienvater, der Lust hat, seine Kindheit noch mal wieder aufleben zu lassen, sagt Hinzer: Menschen, die ein Frühstück suchten, bei dem sie sich nicht zwischen "nahrhaft" und "lecker" entscheiden müssten.

Bei der Verkostung durch die Löwen knuspert und knirscht es im Studio – "super geiles Geschmackserlebnis" lobt Nils Glagau. Die Investoren heben besonders die gute Konsistenz hervor: "crunchy" sagt Ralf Dümmel.

Die Löwen wirken zunächst begeistert vom Branding und dem Geschmack der zuckerarmen Spacies-Cornflakes. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel
Die Löwen wirken zunächst begeistert vom Branding und dem Geschmack der zuckerarmen Spacies-Cornflakes. - Copyright: RTL / Frank W. Hempel

Die Cornflakes von Spacies kommen in bisher acht Geschmackssorten – zwei sind seit der DHDL-Aufnahme dazugekommen: in Koorperation mit dem Rapper Cro.

Allen Sorten liegt die gleiche Rezeptur zugrunde – nur die Aromen variieren. Die Süße erreichen sie mit "zum einen Süßstoff und zum anderen Zuckeraustauschstoffe, Polyole". Und das Eiweiß? Derzeit Molke-Protein, man arbeite aber an einer veganen Variante.

Der Pandamasken-Rapper ("Easy", "Nie weg"), der über 30 goldene Schallplatten hält, kam per Mail auf Spacies zu. Entdeckt habe er Spacies über eine Instagram-Anzeige, sagt Hinzer im Gespräch mit Gründerszene. Inzwischen agiere Cro als eine Art Kreativdirektor für Spacies. Er sei als Investor hochengagiert, steuere zahlreiche Designs bei, organisiere Fotoshootings und produziere Werbevideos. Spacies begleitete Cro auf dessen Deutschland-Tour, platzierte ihr Produkt am Rand der Konzerte, sahen ihre Werbespots auf großer Bühne.

Die bunten Verpackungen (für das Design sei maßgeblich Cro verantwortlich, sagt Hinzer) ähneln denen im Supermarkt – nur werden Spacies Cerialien bisher nur online vertrieben. Für den Weg in den Einzelhandel, brauchen sie die Löwen, sagen Hinzer und Kosel. Sie bieten acht Prozent Firmenanteile für 200.000 Euro. Cro hält zehn.

Hohe Kosten – unappetitliche Besitzverhältnisse

Trotz Crunch: Den Löwen vergeht nach und nach der Appetit. Zum einen ist da der stolze Einkaufspreis des Produkts: Derzeit kosten 240 Gramm Cornflakes von Spacies 7,45 Euro (mehr als zum Aufnahmezeitpunkt der Show). Der Konkurrent Kellogg’s bietet seine Frootloops für 3,91 Euro im Handel an – für 375 Gramm. Selbst die Seitenbacher-Müsli-Kreationen sind im Kilo-Preis fast um die Hälfte günstiger.

Trotz hohem Preis liegt Spacies Marge – also die Differenz zwischen Selbstkosten und Verkauf – bei aktuell nur 38 Prozent. Das "reicht bei weitem nicht", sagt Löwe Tillman Schulz. Selbst die für die Zukunft anvisierte Marge in Höhe von 60 Prozent sei "knapp", betont der Investor.

Er hält das Produkt bei dem Preis noch nicht "handelsfähig". Er fürchtet eine "Endlosspule", bis er als Investor jemals "sein Geld zurückbekommt" – und ist raus.

Maschmeyer: "Das ist mir zu viel Company Builder"

Dazu kommt der Cap Table von Spacies: Der zeigt die Gesellschafterliste und damit die Besitzverhältnisse eines Unternehmens. Die sind bei Spacies schon verhältnismäßig komplex. Die beiden Gründer halten heute zusammen 52 Prozent ihres Startups – zum Zeitpunkt der Sendeaufzeichnung lagen diese Anteile noch bei ihrem Company Builder Crealize. Der hält inzwischen "nur" noch rund 29 Prozent. Mit fünf bis sieben Prozent sind außerdem mehrere Business Angels investiert, sagen die Gründer in der Show. Sowohl Crealize als auch Cro wären einem möglichen Löwen-Investor also immer überlegen.

Angesichts dieser Struktur geben Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl und Nils Glagau dem Startup einer nach dem anderen einen Korb. 

Was heißt das für Spacies?

Hinzer verteidigt den hohen Preis: immerhin werde man von 30 Gramm von ihrem Produkt tatsächlich satt – anders als bei den günstigeren Flocken von großen Namen wie Kellog's oder Nestle. Mit dem Eintritt in den Handel wolle man dennoch auch den Preis senken, sagt Carsten Hinzer im Interview mit Gründerszene. "Sobald wir in den Lebensmitteleinzelhandel kommen, werden wir unsere Preise senken", sagt Hinze am Telefon. Mit Blick auf die Marge habe man in den vergangenen Monaten Fortschritte gemacht – auch dank der wachsenden Nachfrage und der dementsprechend gestiegenen Produktion. Bis Juli verkaufte Spacies nach eigenen Angaben mehr als 170.000 Packungen Cornflakes – "und danach kam noch der Cro-Launch", betont Hinzer. Im Mai, bei der DHDL-Aufnahme waren es noch 80.000 verkaufte Packungen.

Mehr Details zur Produktion wolle er ungern nennen, sagt der 27-Jährige. Er sehe immer mehr Trittbrettfahrer, die selbst mit Protein-Müslis auf den Markt gingen. Teilweise mit einem ähnlichen Branding – dabei sei das Space-Motto sein ganz persönliches Kindheits-Thema. Hinzer bleibt optimistisch: "Wir haben eine geile, ehrliche Marke und das beste Produkt."