Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden

Conti senkt Dividende wegen Corona – Vitesco-Chef Wolf rückt in den Vorstand

·Lesedauer: 4 Min.

Die Ausschüttung an die Anteilseigner sinkt. Das betrifft vor allem Großaktionär Schaeffler. Die Vorstandsvergütung ist künftig an Nachhaltigkeitsfaktoren geknüpft.

Der Konzern hatte sich bislang gegen eine Senkung der Dividende ausgesprochen. Foto: dpa
Der Konzern hatte sich bislang gegen eine Senkung der Dividende ausgesprochen. Foto: dpa

In der Continental-Zentrale an der Vahrenwalder Straße 9 in Hannover hatte es schon länger rumort. Wie die gesamte Autoindustrie zwingt die Coronakrise auch den Dax-Konzern zu verstärkten Sparanstrengungen. Das Management um Conti-Chef Elmar Degenhart hat deswegen bereits beschlossen, die Investitionen um 20 Prozent zu senken, die Abspaltung der Antriebssparte Vitesco Technologies wurde verschoben und eine Ausweitung des Sparprogramms angekündigt. Nur an der Dividende schien der Autozulieferer nicht rütteln zu wollen – zur Verärgerung der Arbeitnehmervertreter.

Am Mittwoch hat Continental nun nachgegeben. Der Aufsichtsrat beschloss in seiner Sitzung, die Dividende zu senken. Statt vier Euro pro Aktie müssen sich die Anteilseigner mit drei Euro begnügen. Damit sinkt der Ausschüttungsbetrag von rund 800 auf 600 Millionen Euro.

„Das wirtschaftliche Umfeld ist aufgrund der Coronavirus-Krise und ihrer Folgewirkungen weiter von hoher Unsicherheit geprägt. In dieser herausfordernden Situation ist eine starke Kapitalausstattung sowie eine ausreichend hohe Liquidität das oberste Gebot“, wird Wolfgang Reitzle, Aufsichtsratsvorsitzender von Continental, in einem Schreiben des Konzerns zitiert. Der angepasste Dividendenvorschlag trage den kurz- und langfristigen Interessen von Continental, ihren Aktionären und weiteren Stakeholdern gleichermaßen Rechnung.

Continental folgt dem Trend der Branche. Derzeit versuchen zahlreiche Unternehmen, ihre Liquiditätsposition zu verbessern. Im Mai hatte Conti bereits mit einer erfolgreichen Anleiheemission 1,5 Milliarden Euro eingenommen. Die Dividendenkürzung geht aus Sicht der Arbeitnehmervertreter dennoch nicht weit genug. Angesichts der angekündigten Verschärfung des Sparprogramms in diesem Jahr hatten sich die Gewerkschafter mehr erhofft. Konkurrenten wie Hella zum Beispiel setzen die Dividendenausschüttung für dieses Jahr komplett aus.

Die niedrigere Dividende betrifft vor allem die Schaeffler-Holding, die mit 46 Prozent größte Aktionärin von Continental ist. Die von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihrem Sohn Georg Schaeffler geführte Holding, zu der auch der gleichnamige Zulieferer gehört, wird nun statt mit einer Ausschüttung von knapp 370 Millionen Euro mit lediglich 276 Millionen Euro auskommen müssen.

Vorstand verzichtet auf zehn Prozent Festgehalt

Neben der Dividendensenkung verzichtet der Conti-Vorstand von März bis Ende Juli „aus Solidarität mit von Kurzarbeit und weiteren Einschränkungen betroffenen Mitarbeitern“ auf zehn Prozent Festgehalt. Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat beschlossen, der Hauptversammlung am 14. Juli ein neues Vergütungssystem für Führungskräfte und Vorstand zur Abstimmung vorzulegen.

Wie bereits bei der Kreditfinanzierung, bei der Continental mittlerweile Nachhaltigkeitskomponenten berücksichtigt, soll sich nun auch die Vergütung des Vorstands stärker an der nachhaltigen und langfristigen Entwicklung des Unternehmens orientieren.

Zu den relevanten Faktoren zählen unter anderem „die vollständige Umstellung des externen Strombezugs auf regenerative Quellen bereits dieses Jahr, die schrittweise Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen, die Senkung der Unfall- und der Krankheitsrate im Unternehmen sowie die Steigerung des Anteils recycelten Abfalls“, heißt es im Schreiben von Continental. Außerdem verpflichten sich Vorstände, konzerneigene Aktien dauerhaft zu halten.

Auch die Mitglieder des Aufsichtsrats müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. Künftig sollen variable Vergütungskomponenten entfallen. An die Mitglieder solle nur noch die Festvergütung ausgeschüttet werden. Die Anpassung folge auf Anregung des Deutschen Corporate Governance Kodex und solle die Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder stärken. Wie der Vorstand verzichtet zudem auch der Aufsichtsrat auf Teile seiner Festvergütung. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, teilte Continental nicht mit.

Neben der Dividenden- und Vergütungsanpassung hat der Zulieferer auch eine neue Vorstandspersonalie verkündet. Andreas Wolf, Chef der Antriebssparte Vitesco, rückt in den Vorstand von Continental vor. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie musste der Zulieferer die für dieses Jahr im Spätsommer geplante Abspaltung der Antriebssparte verschieben. Wolf soll nun als Conti-Vorstand die Abspaltung weiter vorantreiben.

„Andreas Wolf war bisher regelmäßig Gast unserer Vorstandssitzungen“, wird Conti-Chef Elmar Degenhart zitiert. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er – sobald es das Marktfeld erlaubt – den Spin-Off der Antriebssparte erfolgreich umsetzen und Vitesco Technologies dann eigenständig in eine Spitzenposition auf dem wachstumsstarken Elektrifizierungsmarkt führen wird.“

Wann es wieder ein profitables Marktumfeld für eine Abspaltung geben wird, ist unklar. Unter Zeitdruck dürfte Vitesco-Chef Wolf allerdings nicht geraten. Sein Vorstandsposten bei Continental ist auf drei Jahre angelegt. Sollte in diesem Zeitraum jedoch der Spin-off der Antriebssparte vollzogen werden, läuft Wolfs Mandat vorzeitig ab.

Die Aktionäre müssen sich mit einer niedrigeren Dividende begnügen, Conti-Chef Elmar Degenhart mit einer sinkenden Vergütung. Foto: dpa
Die Aktionäre müssen sich mit einer niedrigeren Dividende begnügen, Conti-Chef Elmar Degenhart mit einer sinkenden Vergütung. Foto: dpa