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Computer-Maus statt Teddy

AKTUELLER KURS

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Berlin (dapd-bln). Till hält eine graue Computer-Maus in der Hand. Der Sechsjährige drückt behutsam mit dem Zeigefinger darauf - es macht klick, klick, klick. Anerkennend nicken ihm seine fünf Spielkameraden in der Berliner Kindertagesstätte "Zu den Seen" zu - er reicht die Maus weiter, jetzt ist Sophie dran. Medienpädagogen führen dort 40 Vorschulkinder in wöchentlichen PC-Kursen in die digitale Welt ein.

In vielen Kitas gehören Computer längst zum Inventar - und auch die Wirtschaft hat den Markt der jungen User für sich erkannt. Der Softwarekonzern Microsoft etwa will nach eigenen Angaben mit einer kostenlosen neuen Version einer Lernsoftware Vor- und Grundschüler bei ihrer Sprachentwicklung fördern.

"Das ist ein MORNITOR"

Medienpädagogin Andrea Wittwer sitzt mit den Kindern im PC-Raum der Berliner Kita. Sie beginnt mit der ersten Lektion: "Was ist das?", fragt die Erzieherin und zeigt auf einen der PC-Arbeitsplätze. Ein Junge ruft kichernd: "Eine Wasserflasche" - er weiß, dass Wittwer den Bildschirm meint und nicht das Getränk, das direkt danebensteht. Ein anderer Junge löst die Frage auf und spricht laut: "Das ist ein MORNITOR". Wittwer schmunzelt.

"Computer gegen Computersucht" ist das Motto der Einrichtung. Es wäre unsinnig, Kinder von digitalen Medien fernzuhalten, sagt Kita-Leiterin Ina Ehmke. "Pädagogik muss sich am Alltag orientieren, die Kinder sind zuhause von Computer und Laptops umgeben." Die frühe Konfrontation in der Kita könne helfen, den PC nicht mehr als etwas Besonderes zu begreifen, sondern als Gegenstand wie viele andere auch. Ehmke will zudem den Computer verstärkt als Lerninstrument begreifbar machen.

Microsoft (NasdaqGS: MSFT - Nachrichten) -Chef Steve Ballmer ist überzeugt davon, dass Computer beim Lernen eine immer größere Bedeutung haben werden. "In den Händen von Schülern werden sich diese Geräte als unbezahlbar erweisen", sagt er am Donnerstag in Berlin, wo der Konzern die neue Version einer Sprach-Lernsoftware vorstellt. Technologie habe bereits "alle traditionellen Grenzen des Lernens eingerissen", weil sich Lernende heute grenzenlos und interaktiv austauschen könnten. Über die reine Inspiration hinaus erhielten die Kinder durch das Nutzen von IT beim Lernen auch technische Fähigkeiten, "die sie brauchen, um in unserer Wissensgesellschaft heute Erfolg zu haben", sagt der Microsoft-Chef.

"Öffne die Datei, dann kommt das Spiel herbei"

Lektion zwei in der Berliner Kita: Die Vorschüler sitzen zu zweit vor den Computern. Neben den Bildschirmen ist jeweils eine Plüschmaus platziert - sie soll spielerisch den Bezug zur Computer-Maus schaffen, erläutert Wittwer. Die Kinder singen in der Lehrstunde auch Lieder. "Öffne die Datei, dann kommt das Spiel herbei", lautet ein solcher Liedvers.

Der Hirnforscher und Autor Gerald Hüther hält das frühe Heranführen an digitale Medien zwar prinzipiell für richtig. "Sie sind in erster Linie Werkzeuge, es wäre absurd, Kindern das vorzuenthalten." Speziell beim Einsatz von Tablet-Computern vermutet er aber, dass sich die Lernentwicklung eines kleinen Kindes verlangsamen könnte. "Frühe Lernprozesse funktionieren immer über Emotionalität, zu einem Bilderbuch etwa kann ein Kind viel schneller eine persönliche Beziehung aufbauen als zu einem Tablet-Computer", sagt der Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Tablet-Computer sind Rechner, die über das Berühren der Bildschirmfläche gesteuert werden.

Ein Mädchen und ein Junge haben sich im PC-Raum der Kita für das Entenspiel entschieden. Sie müssen die gelben Entlein auf dem Monitor anklicken, die sich in einem Meer bewegen. Lara erwischt ein Tier - es landet auf der Insel mit einer großen Palme. "Juhuu", sagt die Vorschülerin. Es folgen drei weitere Enten. Die Medienpädagogin ist zufrieden: "Wir üben Koordination." Der kleine Till weiß, dass es bald wieder so weit ist. Wenn die Eieruhr klingelt, sind die 20 Minuten um - erst in der nächsten Woche wird er wieder Enten anklicken können. Deswegen sagt er zu seiner Nachbarin: "Jetzt bin ich aber noch mal dran." Er will schnell noch eine Runde spielen. "Mit der Klicke-Maus", sagt er.

dapd

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