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Commerzbank will 2021 operativ wieder schwarze Zahlen schreiben – Dividende in Aussicht

Kröner, Andreas
·Lesedauer: 5 Min.

Vorstandschef Manfred Knof möchte das Institut zügig umbauen und ab 2023 wieder Dividenden bezahlen. Das laufende Jahr wird auch wegen Corona schwierig werden.

Bis 2024 will die Bank die Kosten um 20 Prozent senken. Foto: dpa
Bis 2024 will die Bank die Kosten um 20 Prozent senken. Foto: dpa

Die Commerzbank peilt nach einem hohen Verlust im Jahr 2020 im laufenden Jahr zumindest operativ wieder schwarze Zahlen an. „Wir wollen nachhaltig profitabel werden und unsere Zukunft als eigenständige Kraft im deutschen Bankenmarkt selbst gestalten“, sagte Commerzbank-Chef Manfred Knof am Donnerstag.

Im vergangenen Jahr hatte das Institut einen operativen Verlust von 233 Millionen Euro geschrieben. Im laufenden Jahr will das Institut hier nun wieder über die Nulllinie kommen und 2024 dann einen Betriebsgewinn von 2,7 Milliarden Euro erzielen.

Bereits ein Jahr früher will die Bank wieder eine Dividende zahlen. Wenn der Umbau des Instituts gelingt und die Bankenaufsicht grünes Licht gibt, sollen 2023 und 2024 durch Dividenden und Aktienrückkäufe bis zu drei Milliarden Euro an die Aktionäre zurückgegeben werden.

Die Eckpunkte ihrer neuen Strategie musste die Commerzbank nach einem Exklusivbericht des Handelsblatts bereits Ende Januar verkünden. Vergangene Woche verabschiedete der Vorstand seinen Umbauplan dann offiziell. Geplant ist unter anderem der Abbau von 10.000 Vollzeitstellen weltweit und von 340 Filialen in Deutschland. So will das Institut bis 2024 eine Eigenkapitalrendite von rund sieben Prozent erreichen.

„Wir werden unseren Plan mit aller Konsequenz umsetzen und dabei keine Zeit verlieren“, sagte Knof, der Anfang des Jahres die Führung von Deutschlands zweitgrößter Privatbank übernommen hat. Schon 2021 will er 190 Filialen schließen, die übrigen 150 dann in den folgenden beiden Jahren. Mehr als 80 Prozent des Stellenabbaus sollen bis Ende 2023 umgesetzt werden.

Neben dem geplanten Arbeitsplatzabbau will die Bank in den nächsten Jahren auch 2500 Vollzeitstellen aufbauen – unter anderem, um Kosten für externe Dienstleister zu reduzieren. Unter dem Strich fallen somit 7500 Jobs weg. Auf die Rahmenbedingungen dafür will sich das Management mit den Arbeitnehmervertretern bis zur Hauptversammlung am 5. Mai verständigen.

Hohe Belastungen durch Konzernumbau und Coronakrise

Im vergangenen Jahr hat die Commerzbank wegen Kosten für den Konzernumbau, Abschreibungen und Belastungen durch die Coronakrise einen Nettoverlust von 2,9 Milliarden Euro gemacht. Es ist das schwächste Ergebnis seit 2009, als das Institut im Zuge der Finanzkrise ein Minus von 4,5 Milliarden Euro verbuchte. 2012 hatte die Bank das letzte Mal rote Zahlen geschrieben.

Auch im laufenden Jahr stellt sich das Geldhaus wegen des Konzernumbaus und der Coronakrise auf hohe Belastungen ein. Es kalkuliert abhängig, von der Entwicklung der Coronapandemie, mit einer Risikovorsorge von 0,8 bis 1,2 Milliarden Euro nach 1,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Zudem sind Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 0,9 Milliarden Euro geplant. Unter dem Strich dürfte die Bank damit wohl erneut rote Zahlen schreiben.

Im vergangenen Jahr sanken die Erträge um fünf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. 2021 rechnet das Institut erneut mit einem leichten Rückgang. Die Kosten sollen von 6,7 auf rund 6,5 Milliarden Euro gedrückt werden.

Die Kernkapitalquote, die Ende Dezember bei 13,2 Prozent lag, soll über der Marke von zwölf Prozent bleiben. „Mit unserer komfortablen Kapitalausstattung haben wir für die kommenden Jahre genügend finanziellen Spielraum für die Umsetzung der Strategie 2024“, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp.

Im Privatkundengeschäft hat die Commerzbank länger als viele Konkurrenten an einem großen Filialnetz festgehalten hat. Nun soll die Zahl der Niederlassungen von 790 auf 450 sinken und das digitale Angebot weiter ausgebaut werden.

Darüber hinaus möchte das Geldhaus mehr Geschäfte mit vermögenden Kunden machen. Insgesamt will die Bank in der Sparte bis 2024 vor Steuern eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreichen. Das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen (Cost-Income-Ratio) soll auf 59 Prozent sinken.

Arbeitnehmervertreter kritisierten Stellenstreichungen

Im Firmenkundengeschäft sind die Ziele bescheidener. Hier strebt die Bank eine Vorsteuerrendite von neun Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 62 Prozent an. In der Sparte will sich das Institut künftig noch stärker auf den Mittelstand konzentrieren und das Geschäft ohne Deutschlandbezug drastisch zurückfahren. Internationale Kunden will die Bank künftig nur noch betreuen, wenn sie in Zukunftsbranchen wie Mobilität, Nachhaltigkeit, Kommunikation, Life Sciences und Investitionsgüter aktiv sind.

Auch im Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft gibt es Einschnitte. 15 internationale Standorte werden geschlossen. In Deutschland will die Bank ihre Firmenkunden in zahlreichen Filialen weiterhin persönlich betreuen. Parallel dazu soll jedoch auch ein „Direktbankangebot für Firmenkunden mit einem standardisierten Produkt- und Beratungsbedarf“ aufgebaut werden.

Die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank tragen die künftige Ausrichtung im Großen und Ganzen mit, nicht jedoch den geplanten Arbeitsplatzabbau. Zudem fordern sie, die Stellenstreichungen bis 2025 zu strecken. „Wir glauben nicht, dass die Commerzbank bei der Digitalisierung bis Ende 2024 so große Fortschritte machen wird, dass wir bis dahin auf jeden vierten Beschäftigten verzichten können“, sagt Stefan Wittmann, der für Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt.

Auch die geplanten Ausschüttungen an die Aktionäre sieht Wittmann kritisch. „Dass der Vorstand 10.000 Stellen streichen und Investoren gleichzeitig perspektivisch Dividenden und Aktienrückkäufe in Aussicht stellen will, passt auch unter Berücksichtigung der Investoreninteressen für uns schlicht nicht“, sagt das Aufsichtsratsmitglied. „Dividende durch Personalabbau ist nicht unsere Botschaft.“

Angespannt ist das Verhältnis zwischen Arbeitnehmervertretern und Vorstand auch wegen des Streits um Servicegesellschaften, die für die Commerzbank Verwaltungsaufnahmen übernehmen. Verdi ist sauer, dass die Bank nicht über Tarifverträge für die Töchter verhandeln will, in denen die Arbeitsverhältnisse laut Wittmann „zum Teil prekär sind“.

Investoren fordern konsequente Umsetzung der Strategie

Die Bundesregierung, die nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an der Commerzbank hält, steht hinter der neue Strategie. „Alle wissen, es muss etwas getan werden, auch etwas sehr Drastisches“, sagte Finanzminister Olaf Scholz. Nun müsse das Management in engem Schulterschluss mit Betriebsrat und den Gewerkschaften gemeinsame Lösungen für die Zukunft finden. „Das ist glaube ich der richtige Weg.“

Andere Aktionäre sehen den Umbauplan ebenfalls positiv, wenngleich sich der eine oder andere noch härtere Einschnitte gewünscht hätte. Entscheidend ist aus Sicht von Investoren jedoch, dass die Bank die beschlossene Strategie konsequent umsetzt. Daran hat es bei den Frankfurtern in der Vergangenheit nämlich häufig gemangelt. So hat das Institut beispielsweise alle wesentlichen Ziele der 2016 vorgelegten Strategie „Commerzbank 4.0“ verfehlt.