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Commerzbank rutscht tief in die roten Zahlen – und 2021 drohen weitere Belastungen

·Lesedauer: 3 Min.

Das Institut verbucht Restrukturierungsaufwendungen von 610 Millionen Euro für den Abbau von 2300 Stellen. Betroffen ist vor allem die Verwaltung.

Die Bank plant einen umfassenden Stellenabbau. Foto: dpa
Die Bank plant einen umfassenden Stellenabbau. Foto: dpa

Die Commerzbank beendet das Chaosjahr 2020 mit weiteren Rückstellungen für den Umbau des Konzerns. Das Institut werde im vierten Quartal Restrukturierungskosten von 610 Millionen Euro für den Abbau von 2300 Vollzeitstellen verbuchen, teilte das Geldhaus am Montag mit. Dabei geht es nach Informationen des Handelsblatts vor allem um Jobs in der Verwaltung.

„Mit den weiteren Rückstellungen schaffen wir die Basis für zwingend notwendige künftige Einsparungen“, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Sie hatte bereits im dritten Quartal Rückstellungen von rund 200 Millionen Euro gebildet – unter anderem für ein Altersteilzeitprogramm. Nach einer Verständigung mit dem Betriebsrat kann Orlopp nun wie angekündigt noch weitere Belastungen in die Bilanz des ohnehin miesen Jahres 2020 packen.

Die Commerzbank wird damit im laufenden Jahr deutlich tiefer in die roten Zahlen rutschen als bisher von Experten erwartetet. Mitte November hatten Analysten im Schnitt einen Verlust von 323 Millionen Euro vorhergesagt. Sie waren dabei jedoch lediglich von Restrukturierungsaufwendungen von 358 Millionen Euro ausgegangen. Nun werden sich diese auf mehr als 800 Millionen Euro belaufen.

Hintergrund für die Rückstellungen ist Finanzkreisen zufolge, dass die Bank im Sommer rund 200 Filialen komplett dichtgemacht hat, die wegen Corona zunächst nur vorübergehend geschlossen waren. Durch die Schließungen und die Digitalisierung der Bank werden auch in der Verwaltung – dem sogenannten Back Office – viele Stellen wegfallen.

Insgesamt hat das Institut nun Rückstellungen für den Abbau von 2900 Vollzeitstellen gebildet. Anfang kommenden Jahres will der neue Vorstandschef Manfred Knof jedoch deutlich härtere Einschnitte durchsetzen. Einige Aufsichtsräte erwarten, dass Knof die Strategiepläne des alten Vorstands, die den Abbau von rund 10.000 Stellen vorsehen, an der einen oder anderen Stelle noch einmal verschärfen wird. Damit würde beim Frankfurter Geldhaus, bei dem es zuletzt knapp 40.000 Vollzeitstellen gab, mehr als jeder vierte Arbeitsplatz wegfallen.

Showdown im Februar

Die Bank plane „weitere Restrukturierungsmaßnahmen im Rahmen der für das erste Quartal 2021 avisierten Strategieankündigung“, erklärte das Institut. „Einzelheiten hierzu müssen noch ausgearbeitet und beschlossen werden.“ Insider rechnen mit der Entscheidung auf einer für den 10. Februar angesetzten Aufsichtsratssitzung.

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende Martin Zielke verlässt die Commerzbank Ende des Jahres nach heftiger Kritik von Aktionären und der Finanzaufsicht. Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und mehrere andere Manager haben bereits in den vergangenen Monaten ihren Hut genommen.

Hinter den Kulissen läuft derweil seit Monaten eine intensive Debatte über die künftige Ausrichtung von Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Die Strategie des alten Vorstands sah vor, dass die Bank statt 1000 künftig nur noch 200 Filialen betreibt sowie 300 bis 400 sogenannte Service-Points, in denen nur wenige Mitarbeiter arbeiten.

Im Aufsichtsrat und innerhalb der Bank plädieren nun jedoch viele für einen anderen Mix – mit mehr Filialen und deutlich weniger Service-Points. Manche machen sich sogar dafür stark, auf die Service-Points ganz zu verzichten – und dafür an mehr als 400 Filialen festzuhalten.

Im Firmenkundengeschäft soll der neue Vorstand Michael Kotzbauer unter anderem das Geschäft im Ausland zurückfahren – und sich mit seiner Sparte künftig stärker auf die Betreuung deutscher Mittelständlern fokussieren.