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Commerzbank musste BCG-Gutachten der Regierung selbst zahlen

Zdrzalek, Lukas Welp, Cornelius
·Lesedauer: 2 Min.

Das Drama um die Commerzbank ist um eine Kuriosität reicher: Das Institut musste ein Gutachten bezahlen, das zum Sturz der Ex-Führung beigetragen hatte. Zudem rüstet die Gewerkschaft Verdi im Ringen um den Konzern auf.

Die Commerzbank steht im Zuge einer neuerlichen Sanierung vor dem Abbau von 10.000 Vollzeitstellen. Foto: dpa
Die Commerzbank steht im Zuge einer neuerlichen Sanierung vor dem Abbau von 10.000 Vollzeitstellen. Foto: dpa

Die Commerzbank hat das Gutachten selbst bezahlen müssen, das die Bundesregierung bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) beauftragt hatte, um das Geschäftsmodell der Bank zu überprüfen. Entsprechende Informationen der WirtschaftsWoche bestätigte eine Sprecherin der bundeseigenen Finanzagentur. Sie hatte das Gutachten formal in Auftrag gegeben und hält die Anteile der Bundesrepublik an der Commerzbank.

Die Sprecherin erklärte, dass die Commerzbank „die Rechnungen beglichen“ habe. Die „Kostenerstattung ist ein Regelvorgang, der bei allen stabilisierten Instituten angewendet wurde und wird“, teilte die Sprecherin mit. Das sei gesetzlich und in entsprechenden Verträgen so geregelt. Der Staat hatte die Commerzbank in der Finanzkrise gerettet. Eine Sprecherin des Finanzministeriums erklärte lediglich, die „Rechte und Pflichten wurden in einer Vereinbarung geregelt“. Die Commerzbank und BCG wollten keinen Kommentar abgeben.

Der Vorgang sorgt innerhalb der Commerzbank für großen Unmut: „Das ist absurd, bizarr und grotesk“, urteilte ein Manager. Das BCG-Gutachten hatte dazu beigetragen, dass die alte Commerzbank-Führung um Vorstandschef Martin Zielke im vergangenen Jahr zurückgetreten war.

Unterdessen hat die Gewerkschaft Verdi im Ringen um die Zukunft Deutschlands zweitgrößter Privatbank aufgerüstet. Sie lässt sich nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen nicht nur von der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung beraten, sondern auch von der Investmentbank Macquarie. Macquaire wollte das nicht kommentieren. Die Investmentbank steht bereits zahlreichen anderen Gewerkschaftern bei umkämpften Konzernen zur Seite. Die Commerzbank steht im Zuge einer neuerlichen Sanierung vor dem Abbau von 10.000 Vollzeitstellen.

Mehr zum Thema: Früher als geplant gibt die Commerzbank die Eckpunkte ihrer neuen Strategie bekannt: Sie will Tausende entlassen und Milliarden sparen.