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Commerzbank hat in fast allen Bereichen zu kämpfen

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Frankfurt/Main (dapd). Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr in fast allen Bereichen Gewinn eingebüßt. Im Privatkundengeschäft fiel das operative Ergebnis gegenüber 2011 um fast die Hälfte auf 245 Millionen Euro, wie die Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Das Institut begründete dies mit dem niedrigeren Zinsniveau, aber auch einem schwächeren Wertpapiergeschäft der Kunden. Auch im Auslands- und im Handelsgeschäft gab es deutliche Rückgänge.

Insgesamt fiel der Nettogewinn der Commerzbank im Jahresvergleich von 638 Millionen Euro auf sechs Millionen Euro. Ein Verlust von 716 Millionen Euro in den Monaten Oktober bis Dezember ließ das Ergebnis zusammenschrumpfen. Ein Milliardenverlust im Schlussquartal hatte auch der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) die Jahresbilanz verhagelt. Ihr Nettogewinn war von 3,6 Milliarden im Jahr 2011 auf 665 Millionen Euro gefallen.

Wegen des schwachen Ergebnisses bekommen auch die Commerzbank-Mitarbeiter weniger Gehalt. Die variable Vergütung fiel um 17 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing verzichtet auf seinen kompletten Bonus. Die Personalkosten sanken insgesamt um 200 Millionen auf 3,96 Milliarden Euro. Auch 2011 waren die Einkommen zurückgegangen.

Die Commerzbank baut ihren Konzern kräftig um. Von einigen Bereichen muss sich das teilverstaatlichte Kreditinstitut trennen. Dieser Abbau läuft laut Blessing planmäßig. Bis 2016 will der Konzern 4.000 bis 6.000 Vollzeitkräfte streichen. Die Verhandlungen dazu laufen seit Anfang des Monats. Für die Restrukturierung rechnet die Bank in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit Kosten von rund einer halben Milliarde Euro. Insgesamt soll der Umbau in allen Bereichen mehr als zwei Milliarden Euro kosten.

"Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten", erklärte Blessing. "Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang."

Aus der Politik kam unterdessen Kritik an Bank-Chef Blessing. "Es kann nicht sein, dass der Vorstand der Commerzbank ein Jahr, nachdem er die Deckelung der eigenen Bezüge aufgehoben hat, nun massiv an der Personalschraube dreht", sagte der Vorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, "Handelsblatt Online". Bis vor einem Jahr durften die Vorstände maximal 500.000 Euro im Jahr verdienen.

Der SPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, sagte: "Wer als Banker immer noch die Deckelung von Vorstandsgehältern ablehnt und gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut, hat offenbar den Schuss nicht gehört." Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick erklärte, offenbar seien Vorstand und Aufsichtsrat, die das Unternehmen in Schieflage gebracht hätten, nicht in der Lage, "die Bank auf einen tragfähigen Pfad zu führen".

Vor einer Woche hatte Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller den Vorstand gewarnt. "Eines ist klar: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln. Das ist ja ein ganz normaler Vorgang", sagte Müller der "Wirtschaftswoche".

dapd