Suchen Sie eine neue Position?

Commerzbank enttäuscht fast auf der ganzen Linie

AKTUELLER KURS

SymbolKursVeränderung
CBK.DE12,050,15
^GDAXI11.327,19+116,92

Frankfurt/Main (dapd-hes). Bittere Zeiten für die Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) : Nach einer enttäuschenden Bilanz 2012 erwartet Vorstandschef Martin Blessing erneut ein schwieriges Jahr. "Das wird ein Jahr des Umbaus", sagte Blessing am Freitag in Frankfurt am Main. Der geplante Konzernumbau und der Abbau Tausender Stellen kosteten Kraft und Geld. "Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang", betonte der Vorstandschef.

Bis 2016 will die Führung des teilverstaatlichten Kreditinstituts zwischen 4.000 und 6.000 Vollzeitstellen streichen. 1.800 bis 3.400 davon sollen im Privatkundengeschäft wegfallen. Anfang Februar hätten die Gespräche mit den Betriebsräten begonnen, sagte Blessing. Er erwartet harte Verhandlungen und hofft auf einen Kompromiss bis Sommer. Für Abfindungen und sonstige Restrukturierungskosten rechnet die Bank mit Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro, 500 Millionen Euro davon in diesem Jahr.

Blessing will gleichzeitig in das Privatkundengeschäft investieren, neue Flaggschiff-Filialen einrichten und den Online-Auftritt überarbeiten. Einzelne Geschäftsstellen könnten geschlossen werden, es gehe aber vor allem um einen Umbau des Netzes, sagte der Vorstandschef. Die Commerzbank werde eine Filialbank bleiben.

Das Ergebnis des vergangenen Jahres bezeichnete Blessing als "unbefriedigend". Der Nettogewinn schrumpfte im Vergleich zu 2011 von 638 Millionen auf 6 Millionen Euro. Neben Sonderabschreibungen für ausbleibende Steuererstattungen und dem verlustreichen Verkauf der ukrainischen Tochter Bank Forum sorgten auch Einbußen im Kerngeschäft für den Einbruch.

Im Privatkundengeschäft fiel das operative Ergebnis gegenüber 2011 um fast die Hälfte auf 245 Millionen Euro. Blessing machte das niedrigere Zinsniveau sowie geringere Aktivitäten der Kunden dafür verantwortlich. Auch bei den Auslandsaktivitäten gab es Rückschläge. Lediglich die Mittelstandsbank konnte den Gewinn steigern.

Blessing verzichtet auf Bonus, verdient aber mehr

Wegen des schwachen Ergebnisses gehen auch die variablen Gehälter der Mitarbeiter zurück - im Schnitt um 17 Prozent. Vorstandschef Blessing verzichtet auf seinen kompletten Bonus. Allerdings stieg sein Einkommen im vergangenen Jahr dennoch von 500.000 auf 1,3 Millionen Euro, da die Deckelung wegen Rückzahlung staatlicher Hilfen aufgehoben wurde.

Die außertariflich bezahlten Angestellten bekamen nach mehreren Nullrunden im zweiten Halbjahr einen Bonus von drei Prozent. Insgesamt sanken die Personalkosten um 200 Millionen auf 3,96 Milliarden Euro.

Die Aktionäre, zu denen mit einem Anteil von 25 Prozent auch der Bund gehört, müssen für 2012 auf eine Dividende verzichten. Auch 2013 ist keine Ausschüttung geplant.

Dass die Commerzbank am Freitag zu den stärksten Gewinnern im DAX (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) gehörte, konnte sich Analyst Stefan Bongardt von Independent Research nicht erklären. "Die Zahlen waren schlecht, und es gibt auch keine besonderen positiven Aspekte", sagte er. Die Aktie lag am Freitag gegen 14.45 Uhr rund 2,6 Prozent im Plus.

Allerdings war der Kurs in den vergangenen Tagen deutlich nach unten gegangen. Die Commerzbank hatte wegen der schlechten Bilanz schon Anfang Februar die Eckzahlen veröffentlicht.

Kritik an Blessing

Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner kritisierte in der Onlineausgabe des "Handelsblatts" Commerzbank-Chef Blessing: "Wer als Banker immer noch die Deckelung von Vorstandsgehältern ablehnt und gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut, hat offenbar den Schuss nicht gehört."

Vor einer Woche hatte auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller den Vorstand um Blessing gewarnt. "Eines ist klar: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln. Das ist ja ein ganz normaler Vorgang", sagte Müller der "Wirtschaftswoche".

Blessing wollte von Kritik oder mangelndem Rückhalt von Politik und Aufsichtsrat nichts wissen und verteidigte seine Konzernführung. Auf die Frage, ob ihm die Aufgabe Spaß mache, sagte er: "Ja!"

dapd

Meistgelesene Artikel - Yahoo Finanzen

  • Facebook-Falle: Falsche Ikea-Gutscheine im Umlauf Yahoo Finanzen - Mi., 25. Feb 2015 13:57 MEZ

    Nachdem schon 2014 vor unzähligen Fake-Coupons von Unternehmen wie Zara oder H&M gewarnt wurde, ist nun auch das schwedische Möbelkaufhaus Ikea Opfer einer großen Fälschungsaktion geworden.

  • Warum man in der U-Bahn niemals schimpfen sollte Yahoo Finanzen - Fr., 20. Feb 2015 12:07 MEZ

    Ein U-Bahn-Fahrgast pöbelt im morgendlichen Berufsverkehr einen Mann an. Nur wenige Stunden später sitzt er ihm beim Bewerbungsgespräch gegenüber.

  • Schnee aus Boston im Online-Shop Yahoo Finanzen - vor 13 Stunden

    Es gibt Geschäftsideen, die erscheinen wie Sternschnuppen am Himmel: Glitzerbomben direkt ins Büro geliefert, oder jetzt neu, Schnee in Flaschen per Post. Ein Mann aus Boston, Massachusetts, will den Schneesegen, der seiner Heimat in diesem Winter zuteil wurde, mit der ganzen Welt teilen – und dabei noch ein paar Dollar …

  • Gewinne aus Glücksspielen sind nicht immer steuerfrei
    Gewinne aus Glücksspielen sind nicht immer steuerfrei

    Jede Woche hoffen tausende Glücksspieler auf sechs Richtige im Lotto. Wer den Jackpot dann wirklich knackt, stellt sich vielleicht nach der ersten Euphorie die Frage: Muss ich die Gewinne eigentlich versteuern? ...

  • Der neue 20-Euro-Schein kommt Ende November Handelsblatt - Mi., 25. Feb 2015 17:37 MEZ

    Die zweite Generation der Euro-Banknoten bekommt Zuwachs: An Dienstag stellte die Europäische Zentralbank (EZB) den neuen 20-Euro-Schein vor. Ab dem 25. November wird die überarbeitete Banknote in Umlauf gebracht, wie die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Vorstellung des neu gestalteten Zwanzigers in Frankfurt mitt …

 
  • Finanzglossar

    Finanzglossar

    Möchten Sie einen Finanzbegriff nachschlagen? Das Yahoo Finanzglossar hat die Antwort! … Mehr »