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„Wir brauchen Europa“ – Großbanken rufen nach Bankenunion

Der Commerzbank-Chef fordert schnelle Fortschritte bei der Bankenunion. Foto: dpa

Die Idee einer Bankenunion stößt bei Europas führender Banker auf reges Interesse. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der Geldhäuser stärken.

Europas führende Banker trommeln für eine Bankenunion und die in Deutschland heftig umstrittene gemeinsame Einlagensicherung. „Wir brauchen Europa. Wir sollten mehr darüber reden, wie wir es stärken könnten“, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Freitag auf European Banking Congress in Frankfurt.

Ein wichtiger Baustein sei die Bankenunion, deren Umsetzung schon vor Jahren beschlossen wurde, allerdings ins Stocken geraten ist. HSBC-Vize-Verwaltungsratschef Jonathan Symonds pflichtete Sewing bei: „Die Antwort auf Globalisierung ist nicht Fragmentierung. Wenn wir eine Ansammlung von heimischen Spielern sind, spielen wir nicht gut genug.“

Die vor rund fünf Jahren auf den Weg gebrachte Bankenunion sieht unter anderem einheitliche Finanzmarktrichtlinien und Regelungen zur Bankenabwicklung innerhalb der Europäischen Union (EU) vor. Die damit verbundene gemeinsame Einlagensicherung wird in Deutschland skeptisch gesehen.

Kritiker vor allem bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken fürchten, bei Schieflagen von Geldhäusern in Südeuropa in die Haftung genommen zu werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte an diesem Freitag aber, er hoffe auf eine Vollendung der europäischen Bankenunion in den nächsten vier bis fünf Jahren. Er rechne mit Verhandlungen von zwei bis drei Jahren sowie weiteren zwei Jahren für die Ausarbeitung der rechtlichen Vorschriften.

Scholz hatte bereits Anfang November in der Debatte um eine EU-Einlagensicherung aber Kompromissbereitschaft gezeigt und damit die Steine wieder ins Rollen gebracht.

Banken müssen in die Offensive gehen

Commerzbank-Chef Martin Zielke stellte sich hinter Scholz. „Wir können nicht zulassen, dass die weitere europäische Integration ein Traum bleibt“, sagte er. Durch eine Bankenunion würde die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzinstitute deutlich erhöht. „Eingequetscht zwischen den USA und China kann Europa nur erfolgreich sein, wenn es stärker zusammenwächst.“ Banken müssten in die Offensive gehen. Die Zeit laufe davon.

Während seiner Rede thematisierte der Commerzbank-Chef zudem die Zukunft seines Geldhauses. Er glaubt nicht an eine Neuaufnahme von Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank. Bei den Verhandlungen im Frühjahr habe man gesehen, dass ein Zusammengehen keinen Sinn mache, so Zielke.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann blickt angesichts der langanhaltenden Niedrigzins-Phase mit Sorge auf die Ertragskraft der Banken. Je länger diese Zeit der negativen Zinsen anhalte, desto wahrscheinlicher würden Banken belastet, die ihre Erträge traditionell aus dem Einlagen- und Kreditgeschäft erzielen, sagte Weidmann. Er wies allerdings auch darauf hin, dass der Preisdruck in der Euro-Zone nach wie vor verhalten sei. „Daher ist geldpolitische Unterstützung weiterhin gerechtfertigt.“

Auf dem Bankenkongress hielten weitere wichtige Akteure der Finanzbranche Reden – unter anderem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Außerdem hielt Christine Lagarde ihre erste programmatische Rede als neue EZB-Chefin. Darin bekräftigte sie, dass auf absehbare Zeit eine ultralockere Geldpolitik notwendig sei. Gleichzeitig kündigte sie eine baldige Überprüfung der kritisierten Notenbank-Strategie an. Zum Beispiel soll evaluiert werden, ob ein mittelfristiges Inflationsziel von knapp zwei Prozent noch zeitgemäß ist.

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