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Das Comeback des WeWork-Gründers

·Lesedauer: 4 Min.

Nach seinem Rückzug ging Neumann erst einmal auf Tauchstation. Nun ist er wieder da – mit einer 30 Millionen Dollar schweren Investition in ein Start-up.

Um Adam Neumann war es lange still geworden. Nachdem der Gründer des verlustreichen Coworking-Spezialisten WeWork sich im vergangenen Jahr mit einem Milliardenpaket aus dem Unternehmen zurückgezogen und Investoren wie den Softbank-Milliardär Masayoshi Son verärgert zurückgelassen hatte, ging er erst einmal auf Tauchstation. Nun meldet sich der 41-Jährige mit einer 30 Millionen Dollar schweren Investition in das Start-up Alfred Club zurück.

Während der WeWork-Konzern unter den weltweiten Corona-bedingten Büroschließungen ächzt, setzt Neumann auf ein neues Geschäft auf dem Immobilienmarkt: Mit seiner Investition in Alfred Club will er Dienstleistungen rund um Apartmentgebäude anbieten, die von der Abrechnung über die Rezeption bis zum Putzpersonal und zum Dogsitter reichen.

Mit Neumann kehrt einer der umstrittensten US-Milliardäre auf die Bühne zurück. Zuvor als charismatischer Visionär gefeiert und finanziert, entpuppte er sich zum geplanten Börsengang für viele Kritiker als Scharlatan mit Milliardenverlusten. Das einst mit 47 Milliarden bewertete Unternehmen war auf einmal nur noch einen Bruchteil wert. Der IPO scheiterte. Investor Softbank musste Milliarden nachschießen, um das Überleben zu sichern. Tausende Mitarbeiter haben ihren Job verloren.

Neumann selbst hat sein Amt als Vorstandsvorsitzender im September 2019 auf Druck der Investoren niedergelegt. Seinen Abgang hat er sich allerdings vergolden lassen: Er verhandelte mit seinen Anwälten eine Abfindung von 1,7 Milliarden Dollar.

Dabei hatte alles nach einer amerikanischen Erfolgsstory ausgesehen: Der zum Teil im Kibbuz aufgewachsene Israeli und Ex-Marine-Offizier hatte WeWork zusammen mit dem Architekten Miguel McKelvey aufgebaut. Die beiden hatten sich in Brooklyn kennen gelernt, wo sie Büros im selben Gebäude gemietet hatten. Damals wollte Neumann mit seiner Firma „Krawlers“ noch mit gepolsterten Babyhosen Geld verdienen.

Recycling-Möbel und Ökostrom

Den beiden fiel auf, dass viele Büros leer standen. Sie überredeten den Hausbesitzer, ihnen die Flächen zu vermieten, damit sie diese mit Recycling-Möbeln und Ökostrom aufpeppen und untervermieten konnten. Die Idee für WeWork war geboren.

Mit seinem schwarzen welligen Haar, der großen Statur und seiner meist schwarzen Kleidung war Neumann schnell allseits bekannt. Er konnte Menschen mitreißen und Investoren begeistern. Obwohl WeWork de facto ein klassisches Immobilienunternehmen war, wurde es von Investoren wie ein Tech-Unternehmen bewertet. Dank seiner Ehefrau Rebekah Paltrow konnte Neumann sogar Hollywood-Glamour bieten. Schließlich ist sie die Cousine der Schauspielerin Gwyneth Paltrow. Mit ihren fünf Kindern lebt die Familie heute im teuren New Yorker Viertel Greenwich Village.

Ihre erste gemeinsame Wohnung war dagegen ein kleines Apartment im East-Village. Nach dessen Adresse ist auch sein „Family Investment Office“ benannt, mit dem Neumann in das jüngste Start-up Alfred Club investiert hat: „166 2nd LLC“. „Ein Großteil von Adams Genie ist seine Fähigkeit, enorme Mengen Geld einzusammeln“, sagte einst Cheni Yerushalmi über Neumann, ein Freund, dessen eigenes Coworking-Unternehmen von WeWork aus dem Markt gedrängt wurde. Neumann hängt zudem der Ruf an, mit dem Geld anderer recht lax umzugehen. So hat er sich zu WeWork-Zeiten gleich mehrfach über das Unternehmen selbst mit günstigen Krediten versorgt.

Rückkehr zu einem der Lieblingsprojekte

Mit seiner Investition in Alfred Club kehrt Neumann ein wenig zu einem seiner Lieblingsprojekte in seiner We-Welt zurück. Neben WeWork betrieb er in New York und in Washington auch zwei Wohngebäude. Unter dem Namen WeLive bot er etwa direkt auf der Wall Street über den Büros auch mehrere Etagen mit möblierten Wohnungen an. Dort konnten sich Menschen monats- oder auch jahresweise einmieten und die Gemeinschaftsräume mit Yoga, Tischtennis und Gemeinschaftsküche nutzen. Trotz hoher Mieten lief das Geschäft nicht besonders gut.

Vielleicht ist das mit ein Grund, dass er nun in einen Anbieter investiert, der das Immobilien-Risiko nicht selbst trägt: Alfred Club bietet lediglich die Dienstleistungen an, ohne dass ihm die Wohnungen gehören. 100.000 Wohnungen sollen den Service bereits nutzen.

Es ist ein deutlich kleineres Vorhaben als das von WeWork. Aber dafür braucht Neumann, der einst im Börsenprospekt versprach, „das Bewusstsein der Welt“ auf eine neue Stufe zu bringen, heute kein Geld mehr von Dritten. Dank seiner milliardenschweren Abfindung tritt er selbst als Geldgeber auf.