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Das Comeback der Value-Aktien: 3 Aktien, die gerade billig sind

Lou Whiteman
·Lesedauer: 6 Min.
Märkte Optimismus Langfristanlage
Märkte Optimismus Langfristanlage

Angesichts der Volatilität der Märkte in letzter Zeit beginnen die Anleger wieder verstärkt Value-Aktien zu schätzen.

In der Theorie klingt „Value“ großartig: die sprichwörtliche Möglichkeit, 100 Euro für 80 Euro zu kaufen. Das Problem ist, dass einige Aktien aus guten Gründen günstig zu haben sind. Nicht alle sind Schnäppchen, nur weil sie billig sind.

Es kommt darauf an, die Unternehmen auszuwählen, die die besten Chancen haben, weiter zu steigen. Schauen wir doch mal, warum drei Fool.com-Autoren derzeit Spirit AeroSystems (WKN: A0LEXG), General Motors (WKN: A1C9CM) und Stamps.com (WKN: A0BM1V) bevorzugen.

Wetten auf das Comeback der 737 MAX

Lou Whiteman (Spirit AeroSystems): Die 737 MAX von Boeing bekommt ihr Comeback, nachdem sie im letzten Herbst wieder die Flugerlaubnis erhalten hat. Trotz der Probleme des Flugzeugs gibt es immer noch eine große Nachfrage und die 737 MAX könnte immer noch eines der meistverkauften Modelle in der Unternehmensgeschichte von Boeing werden.

Aber angesichts der vielen Herausforderungen von Boeing gibt es eine bessere Möglichkeit, in diese Erholung zu investieren.

Hier kommt Spirit AeroSystems ins Spiel. Das Unternehmen ist eine einstige Boeing-Tochter, die die Rümpfe und andere Komponenten für die 737 MAX herstellt. Die Aktie wurde hart getroffen, als die 737 MAX aus dem Verkehr gezogen wurde. Zum Teil, weil die 737 MAX in guten Zeiten bis zu 40 % des Gesamtumsatzes des Unternehmens ausmachen kann. Damit ist Spirit die Aktie, die am stärksten vom Erfolg des Flugzeugs abhängt. Das sollte eine gute Ausgangsposition für eine Erholung bieten, wenn die Fluggesellschaften wieder auf das Flugzeug setzen und sich Bestellungen und Auslieferungen normalisieren.

Natürlich stellt diese Abhängigkeit von der 737 MAX auch ein langfristiges Risiko für Spirit dar. Das Unternehmen wurde lange Zeit für seine Abhängigkeit von Boeing kritisiert, die auch 15 Jahre nach der Ausgliederung als unabhängiges Unternehmen noch immer mehr als 75 % des Umsatzes ausmacht. Spirit hat daran gearbeitet, dies zu ändern, und hat im letzten Herbst die Übernahme des Flugzeugstrukturgeschäfts von Bombardier abgeschlossen. So will man das Geschäft durch mehr Kooperationen mit dem Boeing-Erzrivalen Airbus diversifizieren.

Spirit wird heute immer noch günstig gehandelt. Man kann erwarten, dass eine starke Erholung des 737-MAX-Programms die Aktie kurzfristig ankurbeln wird. Wenn sich das Programm normalisiert, wird Spirit das Bombardier-Geschäft vollständig integriert haben und die Airbus-Einnahmen werden fließen. Das macht es zu einer attraktiveren langfristigen Investitionsoption.

Bleibt abzuwarten, ob Spirit sich in eine starke Aktie verwandeln kann, die man für immer kaufen und halten will. Aber in den kommenden Jahren gibt es zumindest einen klaren Weg zu verbesserter Rentabilität und besseren Ergebnissen.

Im Ernst: Eine Elektroauto-Aktie, die profitabel und billig ist

John Rosevear (General Motors): Jeder weiß, dass Aktien von Elektrofahrzeugen im letzten Jahr stark zugelegt haben. Aber was wäre, wenn es eine Aktie gäbe, die nicht nur profitabel ist, sondern auch für das 10-Fache der für 2021 erwarteten Gewinne verkauft wird?

GM ist vielleicht ein Autohersteller der alten Schule. Aber die Umstellung auf die elektrische und autonome Zukunft gelingt besser als bei den meisten anderen. Überhaupt ist hier eine große Modernisierung im Gange:

  • GM hat sich in den letzten Jahren voll auf Elektrofahrzeuge konzentriert. Es gibt die neue modulare Elektrofahrzeug-Reihe Ultium. Außerdem will GM bis 2035 zu 100 % elektrisch fahren. Und CEO Mary Barra hat versprochen, dass die kommenden neuen Ultium-basierten Elektrofahrzeuge von GM etwas liefern werden, was selbst Tesla bislang nicht geschafft hat: beständige Gewinne erzielen.

  • Ja, GM verkauft immer noch eine Menge benzinbetriebener Lkws und SUVs. Die Verkäufe der großen Pick-ups und SUVs liefen in letzter Zeit fantastisch. Die hohen Margen dieser Produkte sorgen für starke Gewinne und helfen GM, den raschen Übergang zu Elektrofahrzeugen zu finanzieren. Es dürfte auch bald E-Modelle von derzeit beliebten Benzinern geben.

  • GM hat, wie andere Autohersteller auch, mit einigen Produktionsschwierigkeiten aufgrund eines weltweiten Mangels an Halbleitern zu kämpfen. Aber CFO Paul Jacobson sagte Ende letzten Monats, dass er glaube, dass das Schlimmste vorbei sei – nicht unbedingt für die Industrie, aber für GM, das sich eine gute Versorgung gesichert hat.

Natürlich ist da noch mehr. Die GM-Tochter Cruise gilt als führend in der Entwicklung autonomen Fahrens, und der OnStar-Service von GM (erinnerst du dich?) wird derzeit zu einem Service für vernetzte Fahrzeuge überarbeitet. Das soll es Käufern künftiger elektrischer GM-Modelle ermöglichen, Apps zu installieren, Echtzeitwarnungen zu erhalten und vieles mehr.

GM ist damit eine bessere Wette für langfristiges Gewinnwachstum als die meisten Autohersteller der alten Garde. Und im Gegensatz zu so vielen der heißen neuen EV-Start-ups stehen die Chancen gut, auch in der Zukunft ein wichtiger Global Player zu sein. Und wie ich bereits erwähnt habe, ist die Aktie zum 10-Fachen des erwarteten Gewinns für 2021 immer noch recht günstig.

Wer also in Elektroautos investieren und nachts ruhig schlafen will, könnte hier eine Aktie gefunden haben.

Aktienabrutsch trotz Gewinnverdopplung

Rich Smith (Stamps.com): Manchmal macht der Aktienmarkt nicht viel Sinn – und das ist völlig in Ordnung.

So gab etwa der Online-Portoanbieter Stamps.com seine Ergebnisse für das vierte Quartal 2020 bekannt. Der Umsatz übertraf die Schätzungen für das Quartal und stieg um 28 %. Auch die Gewinne übertrafen die Erwartungen: Der bereinigte Gewinn stieg um 95 % und der Gewinn nach GAAP hat sich auf 2,36 USD pro Aktie mehr als verdoppelt. Und unter Berücksichtigung dieser neuesten Zahlen erscheint die Stamps.com-Aktie günstiger als je zuvor.

Bei einer Marktkapitalisierung von 3,4 Milliarden USD und genügend Barmitteln, um den Unternehmenswert auf unter 3 Milliarden USD zu senken, liegt das cashbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis von Stamps.com bei niedrigen 16,8. Das ist weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Bewertung des S&P 500, die bei fast dem 40-fachen Gewinn liegt. Gemessen an den tatsächlichen Bargewinnen ist Stamps.com sogar noch günstiger: Das Verhältnis von Unternehmenswert zu freiem Cashflow liegt bei nur 12,2.

Wenn Stamps.com weiterhin mit einer ähnlichen Wachstumsrate wie im vierten Quartal (28 %) wachsen kann, ist die Aktie nach dem 28%igen Abrutsch von neulich unglaublich günstig.

Natürlich macht Stamps.com keine Versprechungen, dass es weiterhin mit dieser Rate wachsen wird. Genau das ist das Problem. Das Unternehmen warnte vor „erheblicher Unsicherheit im Jahr 2021“, da niemand mit Sicherheit weiß, ob die Verbraucher nach der Pandemie weiterhin online einkaufen werden. (Ich persönlich denke, dass sie weiterhin online einkaufen werden.)

Der Abrutsch erscheint mir jedenfalls als nicht besonders gut begründet. Man sollte wissen, dass in den vergangenen fünf Jahren Stamps.com die Umsätze im Durchschnitt um 29 % pro Jahr und die Gewinne um 31 % gesteigert hat. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass der 12,2-fache freie Cashflow als Bewertung einfach sehr billig ist.

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The Motley besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. John Rosevear besitzt Aktien von General Motors. Lou Whiteman und Rich Smith besitzen keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 13.3.2021 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2021