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Coca-Cola benutzte Wissenschaftler, um die Öffentlichkeit zu manipulieren

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Coca-Cola hatte ein Forschernetzwerk mit dem Ziel gegründet, die öffentliche Meinung über den Einfluss zuckerhaltiger Getränke auf die Gesundheit zu manipulieren. Was bereits vor Jahren von Medien enthüllt wurde, belegen nun Wissenschaftler in einer Studie.

KIEV, UKRAINE - 2019/12/24: In this photo illustration an American multinational corporation and manufacturer of non alcoholic beverage, Coca-Cola logo seen on can with blurred lights on the foreground. (Photo Illustration by Igor Golovniov/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)
Bild: Igor Golovniov/SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Ist Fettleibigkeit Folge eines übermäßigen Zuckerkonsums? Oder liegt es daran, dass Menschen sich zu wenig bewegen? Dass eher Letzteres der Fall ist, will Coca-Cola alle Welt glauben machen. Für die Irreführung des Verbrauchers scheut der Hersteller des gleichnamigen Süßgetränks offenbar weder Kosten noch Mühe. Wie schon vor wenigen Jahren bekannt wurde, instrumentalisierte der Konzern für seine Zwecke sogar die Wissenschaft. Die Enthüllungen von damals belegt nun eine wissenschaftliche Studie.

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An der Untersuchung nahmen Forscher der University of Oxford, der London School of Hygiene & Tropical Medicine, der University of Bocconi in Mailand und der Non-Profit-Organisation US Right to Know teil. Das Ergebnis wurde am 3. August auf der Webseite Public Health Society veröffentlicht. Die Kernthese: Coca-Cola "versuchte", Wissenschaftler "zu benutzen, um branchenfreundliche Botschaften zu fördern."

Wissenschaftler sollen neue Wahrheit schaffen

Konkret handelt es sich um die wissenschaftliche Vereinigung Global Energy Balance Network (GEBN), die von 2014 bis 2015 aktiv war. Das Netzwerk gab sich nach außen hin als gemeinnützige Organisation. Tatsächlich aber stand sie im Dienste des Coca-Cola-Konzerns, der sie offenbar zu genau diesem Zweck gegründet und finanziert hatte. Im Jahr 2015 soll das Unternehmen mindestens 1,5 Millionen US-Dollar an die Organisation und "weitere Millionen", so die britische Zeitung Daily Mail, an Forscher für ihre Arbeit gezahlt haben.

Über die enge Verbindung zwischen dem Getränkehersteller und des GEBN hatte die New York Times bereits im Jahr 2015 berichtet. Die US-Zeitung hatte damals enthüllt, dass Coca-Cola das wissenschaftliche Netzwerk finanziell unterstützte mit dem Ziel, die öffentliche Meinung über die Ursache für das gesellschaftliche Phänomen Fettleibigkeit zu beeinflussen. Es sollte die "Botschaft" ausgesendet werden, dass nicht zuckerhaltige Getränke, sondern eine unzureichende Bewegung der Grund für das Übergewicht vieler Menschen seien.

Midsection Of Overweight Boy Measuring Waist With Tape While Standing Against Wall
Das wollte Coca-Cola die Menschen glauben machen: Nicht ein Zuviel an zuckerhaltigen Getränken, sondern ein Zuwenig an Sport ist der Grund für Fettleibigkeit. (Bild: Getty Images)

Die Studie bestätigt nun diese Behauptung. Für die Analyse haben die Wissenschaftler mehr als 18.000 Seiten E-Mails ausgewertet, die die Korrespondenz zwischen Coca-Cola und den Akademikern der West Virginia University und der University of Colorado bilden. Beide Bildungseinrichtungen gehörten zum Global Energy Balance Network.

Die Strategien von Coca-Cola und GEBN

Aus den Schreiben gehe hervor, so die Forscher, dass Coca-Cola "Strategien, Praktiken und Mechanismen" anwandte, um die "wissenschaftliche Gemeinde und die allgemeine Öffentlichkeit zu beeinflussen und eigene Interessen zu fördern." Eine der zwei Strategien hätte in dem "Versuch" bestanden, von dem Konzern als Finanzierungsquelle abzulenken. Es sollte vielmehr der Eindruck entstehen, dass auch andere Partner und Spender an dem Projekt beteiligt seien. Außerdem wäre man bestrebt gewesen, "die Höhe der gespendeten Mittel herunterzuspielen".

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Die zweite Strategie bezeichnen die Wissenschaftler mit dem Begriff "Koalitionsbildung". Coca-Cola hätte die Forscher benutzt, damit diese bestimmte "Botschaften im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit" des Konzerns vermitteln. Dafür soll das Unternehmen den Wissenschaftlern Gegenleistungen in Aussicht gestellt haben, wie die "Förderung ihrer Karrieren" und den Aufbau medizinischer Einrichtungen.

Welche Auswirkungen die Enthüllungen haben werden, bleibt abzuwarten. Gary Ruskin, geschäftsführender Direktor von US Right to Know, bezeichnet die Allianz zwischen Coca-Cola und GEBN als "Tiefpunkt in der Geschichte des öffentlichen Gesundheitswesens". Die Praktiken des Konzerns vergleicht er in einem Interview mit der Daily Mail mit den "klassischen Taktiken der Tabak-Industrie". Es ginge darum, "den Profit zu schützen".

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