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Christiane Hörbiger: Ein preisgekröntes Leben

Christiane Hörbiger bei der Premiere zum Fernsehfilm "Die letzte Reise" (Bild: imago/Andre Poling)
Christiane Hörbiger bei der Premiere zum Fernsehfilm "Die letzte Reise" (Bild: imago/Andre Poling)

Von der Leinwand über den Bildschirm bis zur Theaterbühne: Schauspielerin Christiane Hörbiger (1938-2022) war eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum.

Ihr Filmdebüt gab die Österreicherin 1955 in "Der Major und die Stiere". 1959 debütierte sie am Burgtheater in Wien. Bis in die 1980er Jahre hinein wechselten sich die Film- und Theater-Engagements ab.

Dann kam die TV-Serie "Das Erbe der Guldenburgs" (1987-1990), in der sie 40 Folgen lang als Christine Gräfin von Guldenburg zu sehen war. Die deutsche Antwort auf die US-Erfolgsserien "Dallas" und "Der Denver-Clan", wie das ZDF-Format gerne bezeichnet wurde, war ein echter Straßenfeger mit top Einschaltquoten. Die Serie um eine norddeutsche Adelsfamilie und Bierbrauer-Dynastie mit finanziellen Sorgen markiert Christiane Hörbigers Durchbruch beim deutschen TV-Publikum.

Mit zwei Kinofilmen verfestigte die österreichische Künstlerin dann ihren Platz in den Zuschauerherzen: "Herr Ober!" (1992) von Gerhard Polt (80) und "Schtonk!" (1992) von Helmut Dietl (1944-2015). Ende der 1990er wurde sie wieder zum Star einer erfolgreichen TV-Serie "Julia - Eine ungewöhnliche Frau" lief von 1998 bis 2003 (63 Folgen).

Christiane Hörbiger und Götz George

Mit ihrem 2016 verstorbenen Kollegen Götz George (1938-2016) teilte sie nicht nur den großen Filmerfolg "Schtonk!", der sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert war. Als junge Schauspielende hatten es beide gleichermaßen schwer, aus dem übermächtigen Schatten der Eltern herauszutreten. Christiane Hörbiger war die Tochter von Paula Wessely und Attila Hörbiger, Götz George der Sohn von Heinrich George und Berta Drews. Hörbiger und George waren zusammen auch in den TV-Produktionen "Schimanski muss leiden" (2000), "Alpenglühen" (2003) und "Blatt und Blüte - Die Erbschaft" (2003) zu sehen.

Die elegante Diva

Den stilvollen Auftritt beherrschte Hörbiger schon immer. Dabei vollzog sie eine bemerkenswerte Wandlung. Der zuletzt silberblonde Filmstar startete als brünette Theater-Größe eine beeindruckende Karriere. Wer ihre letzten Filme - "Die Muse des Mörders" oder "Einmal Sohn, immer Sohn" - sieht, dem ist aber auch nicht entgangen, dass Christiane Hörbiger körperlich ebenfalls sehr fit war.

Sie mache "30 Kniebeugen an jedem Morgen. Aber nicht gerne", erklärte sie unlängst in einem Interview mit "kurier.at". Bewegung ist das Eine, die andere Komponente für eine schlanke Figur und einen gesunden Körper ist die Ernährung. "Meine Waage ist meine Chefin. Ich möchte auf jeden Fall mein Gewicht halten", verriet die Schauspielerin im Interview mit der "Kronen"-Zeitung ihr Beauty-Geheimnis. Gnadenlos diszipliniert möchte man sagen, denn: "Um das zu erreichen, gibt's nix Süßes."

Die großen Lieben

Beeindruckend ist Christiane Hörbiger aber nicht nur in Sachen Schauspielkarriere, Eleganz und Disziplin, ein enormes Vorbild ist sie auch im Umgang mit Schicksalsschlägen. Nach der ersten Ehe (1962-1967) mit Regisseur Wolfgang Glück (93) heiratete sie den Schweizer Journalisten Rolf R. Bigler (1930-1978). Aus dieser Ehe stammt ihr Sohn, Regisseur und Drehbuchautor Sascha Bigler (54, "Die Muse des Mörders"). Nach dem überraschenden Tod ihres Mannes zog sie ihn mehr oder weniger allein groß.

In den 1980er Jahren traf sie dann ihren "Lebensmenschen" Gerhard Tötschinger (1946-2016, "Der Mops ist aller Damen Freude: Unser Leben mit Vicco und Loriot"). Die Schauspielerin und der österreichische Schriftsteller lebten von 1984 bis zu seinem überraschenden Tod kurz vor der geplanten Hochzeit zusammen. Über das Erfolgsrezept für die Beziehung zu ihrem acht Jahre jüngeren Lebensgefährten sagte sie der "Augsburger Allgemeinen" einmal: "Sehr viel Toleranz dem anderen gegenüber, aber auch gemeinsame Erinnerungen. [...] Gemeinsame Interessen sind natürlich ebenfalls wichtig, bei uns ist es der gemeinsame Beruf."

Letzterer half ihr wohl auch nach seinem Tod. Statt öffentlich zu leiden, stürzte sich Hörbiger nach einer Trauerphase wieder in die Arbeit. Und das Ergebnis - "Einmal Sohn, immer Sohn" - kann sich wirklich sehen lassen.

"Jeden Tag ein wenig mehr"

2018 erhielt Hörbiger - pünktlich zum 80. Geburtstag die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk. Der Preis gesellte sich zu einer ganzen Sammlung auf dem Kaminsims, darunter der Bayerische Fernsehpreis, der Karl-Valentin-Orden, das Bundesverdienstkreuz, ein Bambi, mehrere Goldene Kameras...

Aktiv war Hörbiger bis ins hohe Alter hinein. In einer ihrer letzten Produktionen spielte sie in der ORF-Filmreihe "Stadtkomödie" in der Ausgabe "Der Fall der Gerti B." im Jahr 2019. Ihre Lebenserinnerungen hatte die Schauspielerin schon 2008, zu ihrem 70. Geburtstag, veröffentlicht. Unter dem Titel "Ich bin der Weiße Clown" gab sie ihren Lesern darin die Botschaft mit auf den Weg: "Koste das Leben in jedem Augenblick aus, jeden Tag ein wenig mehr."