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Chiptechnologie von Zeiss wird zum Jobmotor in der Pandemie

Buchenau, Martin-W.
·Lesedauer: 3 Min.

Trotz der Coronakrise sieht sich Carl Zeiss langfristig auf einem Wachstumspfad. Und für die Chipsparte werden sogar 600 neue Mitarbeiter gesucht.

Während im Zuge der Corona-Pandemie vielerorts Stellen abgebaut werden, ist das beim Technologie-Konzern Carl Zeiss genau umgekehrt: „Wir suchen 600 Mitarbeiter für den Ausbau unserer Fertigung für die Halbleiter-Industrie“, sagte der seit April amtierende Vorstandschef Karl Lamprecht bei einer digitalen Pressekonferenz am Donnerstag, auf der die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres (30. September) präsentiert wurden.

Trotz der Coronakrise sei die Zahl der Mitarbeiter um drei Prozent auf 32.200 gestiegen, wovon rund 13.000 in Deutschland arbeiteten. Das Jobwunder auf der Ostalb ist auf den Durchbruch der neuen Halbleitertechnologie EUV zurückzuführen. Die Abkürzung steht für extrem ultraviolettes Licht, mit dem die Halbleiter belichtet werden.

EUV ist der größte Technologiesprung in der Chipindustrie seit Jahren und ermöglicht es, Chips mit Strukturgrößen von unter sieben Nanometern wirtschaftlich zu produzieren. So lassen sich noch feinere Strukturen auf den Leiterplatten abbilden und diese auf kleinstem Raum noch leistungsfähiger machen. Gleichzeitig wird weniger Energie dabei verbraucht. Zeiss liefert die hochsensible Optik und gehört damit neben Trumpf, das die passende Laser-Technologie bereitstellt, zu den Schlüssellieferanten des niederländischen Anlagenbauers ASML.

Mit den schwäbischen Hightech-Lieferanten haben sich die Niederländer eine Monopolstellung bei ihren Kunden – den Chipgiganten Intel, Samsung und dem weltgrößten Auftragsfertiger TSMC – erkämpft. Der Aktienkurs von ASML stieg vor allem wegen der Verkaufserfolge der EUV-Anlagen allein seit Anfang November von 310 auf 390 Euro.

Der Zeiss-Bereich Halbleiterfertigungs-Optiken erhöhte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um zwölf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, während die anderen Sparten des Konzerns Corona-bedingt jeweils Umsatzeinbußen zwischen sechs und neun Prozent verzeichneten. Im Bereich Consumer Markets waren die Folgen der Pandemie am stärksten zu spüren: Wegen Geschäftsschließungen blieb der Umsatz etwa mit Brillengläsern um neun Prozent hinter dem Wert des Vorjahres zurück.

Lamprecht glaubt an langfristiges Wachstum

Der Umsatz des Optikkonzerns sank 2019/2020 um zwei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Damit ging eine zehn Jahre andauernde Serie steigender Umsätze zu Ende. Der Gewinn sank um 132 Millionen Euro auf 616 Millionen Euro. Zeiss verfügt derzeit über eine Eigenkapitalquote von 47 Prozent.

„Insgesamt haben wir in Anbetracht der Pandemie ein gutes Geschäftsergebnis für die Zeiss-Gruppe erzielen können, auch dank unseres breiten Portfolios und der globalen Aufstellung“, sagte Vorstandschef Lamprecht. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte er die Rückkehr zum Wachstum an. Die steigenden Orderzahlen stimmen Lamprecht zuversichtlich: Diese zogen zuletzt um vier Prozent auf 6,8 Milliarden Euro an. Treiber ist neben der Chiptechnik auch die Medizintechnik.

Lamprecht zeigte sich überzeugt, dass der Wachstumskurs von Zeiss mittel- und langfristig ungebrochen sei und der Konzern gestärkt aus der Krise kommen werde. Rund 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete der Konzern im Ausland. Dabei hat China im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals die USA als größten Absatzmarkt abgelöst. Auch das liegt vor allem an der Halbleitersparte: Denn mit Ausnahme von Intel befinden sich die großen Chipfabriken alle in Asien – vor allem in Taiwan und Südkorea.

Politisch brisant ist allerdings, dass China gerne eine EUV-Anlage hätte und diese bei ASML bestellt hat, die Niederländer eine offizielle Ausfuhrgenehmigung aber noch nicht erteilt haben. Lamprecht hielt sich bei diesem Thema mit einer Stellungnahme zurück. Man arbeite zwar seit Jahrzehnten eng mit ASML zusammen, aber in diesem Fall liege die Kommunikation in der Hand der Niederländer.

Dass diese wichtige Technologie in China kopiert werden könnte, sei nicht gänzlich auszuschließen, aber angesichts ihrer Komplexität sehr schwierig. Zudem arbeitet Zeiss bereits an der nächsten Generation der EUV-Technologie. Insgesamt erhöhte die Gruppe die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 15 Prozent auf 812 Millionen Euro.