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Chipmangel und Corona: Autoverband sieht Branche „bis zum Sommer stark von der Pandemie“ betroffen

Menzel, Stefan
·Lesedauer: 4 Min.

Die Autobauer rechnen mit einem Anstieg der Pkw-Nachfrage in Deutschland. Allerdings liegen die Zahlen noch deutlich unter denen vor der Coronakrise.

Große Probleme bereitet der Branche derzeit der Engpass bei Computerchips. Foto: dpa
Große Probleme bereitet der Branche derzeit der Engpass bei Computerchips. Foto: dpa

Die deutsche Automobilindustrie rechnet in diesem Jahr nicht mit einer schnellen Erholung nach der Corona-Pandemie. Für 2021 kalkuliert der Verband der Automobilindustrie (VDA) zwar mit einem Anstieg der Pkw-Verkäufe in Deutschland um acht Prozent auf 3,15 Millionen Autos.

Damit würde der deutsche Pkw-Markt aber noch deutlich unter den üblichen 3,5 Millionen Neuzulassungen der Jahre 2017 bis 2019 liegen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Pkw-Verkäufe um knapp 20 Prozent auf 2,9 Millionen Fahrzeuge eingebrochen.

„Bis zum Sommer werden wir noch stark von der Pandemie betroffen sein“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Dienstag in einem Pressegespräch. Mit einem wahrscheinlichen weiteren Impffortschritt in der zweiten Jahreshälfte sollte sich dann auch die Lage der Automobilindustrie langsam verbessern.

Positiver sieht es auf dem deutschen Lastwagenmarkt aus. Der VDA rechnet bei schweren Lkws für 2021 mit einem Wachstum von 15 Prozent auf rund 78.000 Fahrzeuge, ebenfalls bezogen auf die vergleichsweise niedrige Vorjahresbasis aus 2020.

Was für Deutschland zutrifft, gilt in größerem Maßstab auch für die gesamte weltweite Pkw-Nachfrage. „Die Rückgänge des Jahres 2020 lassen sich nicht sofort wettmachen“, betonte die VDA-Präsidentin. Der europäische Automarkt werde dieses Jahr voraussichtlich um etwa zwölf Prozent wachsen, in den USA sei mit einem Plus von neun Prozent zu rechnen, in China könnten es acht Prozent mehr werden, so die Prognosen des Industrieverbands.

Wegen der verhaltenen Zuwachsraten gibt es aus Sicht des Verbands keinen Anlass für übertriebenen Optimismus. Das gelte besonders für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Zulieferindustrie, die das geschwächte Deutschland- und Europageschäft mit neuen Erträgen aus dem Ausland ausgleichen können.

Den meisten Autoherstellern geht es wegen der Auslandsgeschäfte deutlich besser. Volkswagen hat in der vergangenen Woche für 2020 einen operativen Jahresgewinn von zehn Milliarden Euro gemeldet. Daran hat China einen starken Anteil, das sich schneller als der Rest der Welt von der Corona-Pandemie erholt hatte.

Autoindustrie leidet unter dem Chipmangel

Für zusätzliche Probleme sorgt in diesem Jahr ein neuer Engpass bei Computerchips. Volkswagen und Daimler mussten deshalb bereits ihre Produktion drosseln. Alle Hersteller suchen fieberhaft nach Wegen, um die Produktion am Laufen zu halten. Der Chipmangel könnte allein beim VW-Konzern dafür sorgen, dass in diesem Jahr mehr als 100.000 Pkws nicht wie geplant produziert werden können.

Der VDA stellt sich darauf ein, dass der Chipmangel in diesem Jahr länger anhalten könnte. Kurzfristig sei jedenfalls nicht mit einer Entspannung zu rechnen, so Müller. Es gebe zwar auf vielen Ebenen wie mit der Politik intensive Gespräche über mögliche Lösungen, um den Chipmangel schnellstmöglich zu beenden. Doch der Engpass mache nicht nur den Autoherstellern und ihren Zulieferern zu schaffen, sondern sei ein Thema für alle Industriezweige.

Insgesamt investiert die deutsche Automobilindustrie bis 2025 rund 150 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien. Dafür wird außer Software eine große Menge an elektronischen Bauteilen benötigt.

Müller ergänzte, sie sei dankbar für die jüngsten Vermittlungsversuche der Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte die Regierung von Taiwan in einem Brief darum gebeten, sich an den für die Automobilindustrie wichtigen Halbleiterkonzern TSMC zu wenden.

TSMC sollte mehr Chips für die Abnehmer aus der Automobilindustrie produzieren, damit die Zwangspausen in der Produktion ein Ende nehmen. Der taiwanesische Konzern hatte danach zugesagt, die Chipfertigung so weit wie möglich auszubauen.

Eigene Chipproduktion für Europas Autoindustrie

Für die VDA-Präsidentin ist der Chipmangel allerdings nicht nur ein kurzfristiges aktuelles Problem. Die derzeitige Situation offenbare vielmehr einen grundsätzlichen strategischen Mangel für die Industrie in Deutschland und Europa: Es gebe zu große Lücken bei wichtigen Zukunftsthemen wie eben bei der Chipversorgung. Die EU dürfe sich nicht allein auf die Versorgung aus fernen Weltregionen verlassen, sondern müsse solche Dinge auch verstärkt selbst produzieren.

„Deutschland und Europa müssen sich aktiver damit beschäftigen“, forderte Müller. Europa als Wirtschaftsraum sei auf eine größere eigenständige Versorgung angewiesen. Das Beispiel der Batteriezellen für Elektroautos zeige, dass so etwas möglich sei.

„Bei den Batterien kommt jetzt vieles in Gang“, ergänzte die VDA-Präsidentin. Bisher dominieren noch große Zellhersteller aus Südkorea, Japan und China das Geschäft. Doch inzwischen gibt es feste Zusagen für den Bau etlicher neuer Zellfabriken überall in Europa, gefördert von der EU und nationalen Regierungen. Müller deutete an, dass sie sich einen ähnlichen Weg auch bei Halbleitern vorstellen könnte.

Die VDA-Präsidentin äußerte zugleich Kritik an der EU, die überzogene Forderungen an die Automobilindustrie stelle. In der neuen Mobilitätsstrategie der EU-Kommission sei zwar davon die Rede, dass die Elektromobilität in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden solle. Doch es fehlten darin klare Ansätze, wie die Ladeinfrastruktur dafür entscheidend vorangebracht werden könnte. Bislang konzentriere sich der Ausbau des Ladenetzes auf die drei Staaten Niederlande, Frankreich und Deutschland.

Müller kritisierte außerdem die Brüsseler Vorschläge für eine mögliche Verschärfung der nächsten Abgasnorm Euro 7. Das, was die EU-Kommission bislang vorgelegt habe, „kommt einem Verbot des Kolbenmotors gleich“, so Müller. Sie appellierte an die Politik, die vorgeschlagenen Verschärfungen zurückzunehmen. „Da muss noch einmal nachgebessert werden“, sagte sie.