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Chinesen und Russen kommen

China und Russland eröffnen weltweit immer mehr Kulturinstitute und investieren in Auslandssender. Traditionelle Kultur-Player geraten ins Hintertreffen. Deutschland plant daher nun gemeinsame Institute mit Frankreich.


Wenn Außenminister Sigmar Gabriel diesen Donnerstag seinen französischen Amtskollegen Jean-Ives Le Drian trifft, werden die beiden auch kulturpolitisch neue Wege einschlagen: In der Türkei sind drei gemeinsame Häuser des Goethe-Instituts und des Institut Francais geplant - in Izmir, Diyarbakir und Gazintep - berichtete der Leiter der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt, Andreas Görgen, bei der Vorstellung einer Studie zum internationalen Wettbewerb in der Kulturpolitik.

Mit dabei sind zudem die Niederländer und Schweden. Vorbild ist das bislang einzige deutsch-französische Kulturinstitut weltweit in Ramallah. Daneben wollen Berlin und Paris künftig an den Orten kooperieren, wo bisher nur eines der beiden Länder ein Institut unterhält.

Das ist eine Antwort auf den verschärften weltweiten Wettbewerb in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Traditionelle Player wie Deutschland und Frankreich stehen massiv unter Druck, denn vor allem Russland und China haben ihre Investitionen kräftig erhöht: Allein die Zahl der chinesischen Konfuzius-Institute ist seit 2006 von 120 auf mehr als 500 gestiegen.

Dazu kommen mehr als 1000 "Konfuzius-Klassen" an Schulen im Ausland, heißt es in der Studie der  Hertie School of Governance für das Auswärtige Amt. Auch wenn ein Konfuzius-Institut noch nicht mit einem Goethe-Institut vergleichbar sei, stärke Peking damit eindeutig und ganz offen vor allem seine wirtschaftliche Expansion, so Studienleiter Helmut Anheier.

Russland betreibt demnach inzwischen 107 Russkiy Mir Foundations, das sind fast dreimal so viele wie vor sechs Jahren. Dabei konzentriert sich Moskau auf Europa. China fokussiert sich neben den USA und Europa zunehmend auf Afrika: Dort gibt es schon 40 Konfuzius-Institute.

Zum Vergleich: Deutschland unterhält 159 Goethe-Institute, die Zahl ist seit Jahren nahezu unverändert. Frankreich und Großbritannien haben sogar leicht nachgelassen, zuletzt gab es noch 215 Institut Francais- und 186 British Council-Häuser.  

Außen-Kulturpolitik wurde lange als 'als weiches, nettes Politikfeld' verharmlost“, sagte Anheier. Doch die „Softpower Kultur und Sprache“ sei schließlich auch zentrales Instrument für Politik und Wirtschaft. So mahnt etwa die deutsche Wirtschaft regelmäßig den Ausbau der deutschen Auslandsschulen  an – nicht nur für ihre Mitarbeiter im Ausland, sondern auch zur Gewinnung von künftigen Zuwanderern.

Der Präsident des DIHK, Eric Schweitzer, unterstreicht die Bedeutung der Auslandsschulen: „Neben knapp 20.000 Kindern von aus Deutschland entsandten Kräften werden dort auch gut 60.000 Landeskinder unterrichtet, die auf diesem Wege die deutsche Sprache erlernen und mit Deutschland, seiner Kultur und Wirtschaft vertraut gemacht werden“, sagte er dem Handelsblatt. Die Arbeitgeber drängten kürzlich bei einer Tagung der Auslandsschulen darauf, diese mögen doch bitte nicht nur über das Studium in Deutschland, sondern auch über die Möglichkeiten der beruflichen Bildung informieren.



Noch sei Deutschland mit seinen ausländischen Instituten – von den Schulen und Partnerschulen vor Ort bis hin zum DAAD – gut aufgestellt, sagt Anheier, doch die Konkurrenz hole nicht nur gewaltig auf, sondern ist zudem in den Medien weit aktiver.

Besonders rührig ist Russland: Der Sender RT (früher Russia Today) erreichte 2015 wöchentlich 70 Millionen Zuschauer und hat damit die Deutsche Welle mit 66 Millionen überholt. RT Arabic etwa stelle dreimal so viele Beiträge online wie DW Arabic. Viele Beiträge seien zwar nicht journalistisch recherchiert, oft seien es Amateurvideos oder Boulevard-Inhalte, so Anheier. Offensichtlich gehe es Russland darum, „die Aufmerksamkeit für seine politischen und meinungsbildenden Inhalte zu maximieren“.

Daneben rühmt sich RT als „most watched news network on Youtube“. Ein kleinerer, aber durchaus ehrgeiziger Mitspieler ist neuerdings auch die Türkei: Sie hat seit 2007 die den Goethe-Instituten ähnelnden ‚Yunus-Emre-Institute‘ aufgebaut – aktuell gibt es davon schon 51 in 36 Ländern. Bis 2013 sollen es 100 sein, so Görgen.

Für Deutschland gebe es also „durchaus Luft nach oben“, mahnt Anheier mit Blick auf die Konkurrenz, „vor allem bei den digitalen Medien, aber auch insgesamt“. Aktuell gibt der Bund für auswärtige Kulturpolitik rund 1,8 Milliarden Euro im Jahr aus. Klingt viel, sagt Görgen, „doch damit kann man bei uns gerade mal 150 Kilometer Autobahn bauen“.