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Chinesen investieren Milliarden im Saarland: Batteriehersteller Svolt will mit neuer Gigafactory 2.000 Jobs schaffen

·Lesedauer: 4 Min.
So soll das Eingangsgebäude der neuen Zellfabrik bei Überherrn final aussehen.
So soll das Eingangsgebäude der neuen Zellfabrik bei Überherrn final aussehen.

Bei der Produktion des wichtigsten Bauteils von E-Autos, den Stromspeichern und insbesondere den Batteriezellen, zeichnet sich eine deutliche Trendwende ab. Nachdem die Autobauer ihren Bedarf jahrelang mithilfe von aus Fernost importierten Batteriezellen gedeckt haben, setzen sie mittlerweile verstärkt auf Regionalisierung und holen die Produktion nach Europa.

Während VW seine Zellen etwa zukünftig komplett selbst auf dem Heimatkontinent produzieren und somit unabhängiger von China werden möchte, haben mittlerweile auch fernöstliche Zulieferer Deutschland als Fertigungsstandort für sich entdeckt. Der mit Startschwierigkeiten kämpfende Daimler-Partner Farasis wollte ursprünglich im sachsen-anhaltischen Bitterfeld-Wolfen sein europäisches Werk bauen, was jedoch mittlerweile auf der Kippe steht. Dafür errichtet der chinesische Branchengigant und Weltmarktführer CATL derzeit am Erfurter Kreuz eine Gigafactory, während Tesla in Grünheide zukünftig auch seine Batteriezellen selbst herstellen möchte.

Das Saarland liegt für die Pläne der Chinesen ideal

Während die beiden Großprojekte im Osten Deutschlands mit massiven Verzögerungen auffallen, kommen aus dem äußersten Westen der Republik gute Nachrichten. Svolt, ein Schwesterunternehmen des chinesischen Autogiganten Great Wall Motors, suchte ab dem Herbst 2019 nach einem geeigneten Produktionsstandort in Europa. Letztendlich fiel die Wahl auf das Saarland. Die Chinesen, die ihren europäischen Verwaltungssitz in Frankfurt am Main haben, begründen diese Entscheidung vor allem mit der zentralen Lage im Herzen Europas, sowie einer gut ausgebauten Infrastruktur. Zudem sei es dort einfach, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Ausschlaggebend dürfte jedoch der Umstand gewesen sein, dass Stellantis, der aus der Fusion von PSA und Fiat-Chrysler hervorgegangene und weltweit viertgrößte Autokonzern, ab 2025 der erste und voraussichtlich gewichtigste Großabnehmer der Lithium-Ionen-Stromspeicher aus dem Saarland sein wird. Svolt selbst kommunizierte bereits Anfang 2020, dass ein Auftrag über die Fertigung von Batteriezellen mit einem Energiegehalt von insgesamt sieben Gigawattstunden eingegangen sei. Allerdings wurde damals der Name des zukünftigen Geschäftspartners noch nicht genannt.

Eine alte Laminat-Fabrik wird umgebaut

Die Produktion der Batteriemodule und die Endfertigung der Hochvoltspeicher wird ab Mitte 2022 in der Nähe der Ortschaft Heusweiler vonstattengehen. Svolt plant, dort eine ehemalige Laminat-Fabrik umzubauen. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Umbauarbeiten erst Anfang 2023, also rund ein halbes Jahr nach dem Produktionsstart, komplett abgeschlossen sind. Sowohl die beiden elsässischen Peugeot-Fabriken Sochaux und Mulhouse, als auch Opels Stammwerk in Rüsselsheim sind nur wenige Fahrtstunden entfernt. Des Weiteren gibt es in der unmittelbaren Nachbarschaft noch einen weiteren großen Autohersteller, der auf lange Sicht ein potenzieller Svolt-Kunde werden könnte: Das Ford-Werk in Saarlouis ist mit dem Auto in rund 20 Autominuten erreichbar.

Svolt wird auch die Batteriezellen selbst herstellen

Svolt möchte im Saarland nicht nur Endfertigung der Stromspeicher vornehmen, sondern auch die dafür benötigten Batteriezellen herstellen. Dafür möchten die Chinesen bei Überherrn, in der Nähe von der französischen Grenze, auf einer 840.000 Quadratmeter großen und derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Fläche ein neues Werk hochziehen. Die Chinesen haben es sich als Ziel gesetzt, die Zellfabrik ausschließlich mit grünem Strom zu betreiben. Zudem sollen keine Produktionsabwässer die Umwelt belasten, da eine werksinterne Kläranlage mit eingeplant ist.

2.000 Arbeitsplätze sollen entstehen

Insgesamt möchte Svolt im Saarland zwei Milliarden Euro investieren und auf lange Sicht tausende Arbeitsplätze schaffen. Da das Unternehmen seinen Europa-Sitz in Frankfurt am Main hat, ist es in Deutschland gewerbesteuerpflichtig. Die beiden Produktionsorte Überherrn und Heusweiler bekommen jeweils die Hälfte davon, der Rest geht an die Metropole am Main. Kein Wunder also, dass Svolt von der Landesregierung mit zehn Prozent des unternehmenseigenen Investitionsvolumens bezuschusst wird. Zudem übernimmt das Land die notwendigen Bürgschaften. Anfangs wird das chinesische Unternehmen bei einer Produktionskapazität von sechs Gigawattstunden etwa 555 Mitarbeiter beschäftigen. Diese Kapazität soll aber in vier Schritten gesteigert werden. Letztendlich soll die Beschäftigtenzahl auf 2.000 steigen, was bei einem Output von 24 Gigawattstunden und mit einer Jahresproduktion von 500.000 Elektroauto-Batterien gleichzusetzen wäre.

Stellantis plant eigene Gigafactories

Svolt wird den Stellantis-Konzern aus dem Saarland mit zwei grundlegend verschiedenen Arten von Batteriezellen versorgen. Zum einen wären da eine selbst entwickelte und innovative Zelle, die ohne Kobalt auskommen und noch dieses Jahr marktreif sein sollen. Der Nickelanteil in deren Zellchemie wurde derart erhöht, dass komplett auf das seltene Metall verzichtet werden kann. Die damit ausgestatteten Lithium-Ionen-Batterien sollen trotzdem langlebig sein und mittelfristig Reichweiten von bis zu 900 Kilometern bieten können. Der Hersteller spricht davon, dass die Zellen über eine Lebensdauer von 15 Jahren und 1,2 Millionen Kilometer verfügen. Außerdem beliefern die Chinesen Stellantis zukünftig mit konventionell aufgebauten Zellen, die eine hohe Energiedichte haben sollen.

Allerdings können die saarländischen Fabriken nicht Stellantis gesamten Jahresbedarf an Batterien in Höhe von 130 Gigawattstunden abdecken. Deshalb werden ein Teil der Zellen und Batterien aus den chinesischen Svolt-Werken kommen. Zudem hat der Mutterkonzern von Opel gemeinsam mit der Total-Tochter Saft das Joint Venture „Automotive Cells Company“ ins Leben gerufen. Ab 2025 sollen zwei neue, konzerneigene Gigafactories Batteriezellen herstellen. Eine Fabrik soll im nordfranzösischen Douvrin entstehen, während die andere in Kaiserslautern, also ebenfalls unweit vom Saarland, geplant ist.

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