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Chinas Wachstumsmodell hat seine Grenze erreicht, sagt die Deutsche Bundesbank – das Land werde für viele Länder zum Risiko

Chinas Wachstumsmodell kommt an seine Grenzen, urteilt die Bundesbank.  - Copyright: NOEL CELIS/AFP via Getty Images
Chinas Wachstumsmodell kommt an seine Grenzen, urteilt die Bundesbank. - Copyright: NOEL CELIS/AFP via Getty Images

Die Schwäche der chinesischen Wirtschaft macht Ökonomen und Politikern auch im Westen Sorgen. Chinas rasanter Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat viele Abhängigkeiten geschaffen. Da kann man emotional werden wie US-Präsident Joe Biden, der China eine „tickende Zeitbombe“ nannte. Chinas Probleme seien gefährlich, „denn wenn schlechte Menschen Probleme haben, tun sie schlechte Dinge“, sagte Biden. Oder man betrachtet es nüchtern, wie die Ökonomen der Deutschen Bundesbank. Das Ergebnis ist ähnlich: China stoße an die Grenzen seines Wachstumsmodells, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Das habe schmerzhafte Folgen für die globale Wirtschaft – vor allem für die Schwellenländer, die noch stärker von China abhängig seien als der Westen.

Die Bundesbank weist darauf hin, dass das Wachstum der Weltwirtschaft in den 2000er-Jahren stark von China und den Schwellenländern geprägt war. Doch in der folgenden Dekade sei China, „an die Grenzen seines exportorientierten Wachstumsmodells“ gestoßen. „Ein wichtiger Grund war der gesunkene Kostenvorteil des Landes“, schreiben die Ökonomen. Sie weisen auf die dramatische Alterung in Chinas Bevölkerung hin. „Angesichts der zunehmenden Ausschöpfung des ländlichen Arbeitskräftepotenzials und des demografischen Wandels verstärkte sich das Lohnwachstum erheblich."

Chinas Wirtschaft: Gründe für die Schwäche

Bei vielen Produkten habe China sein Absatzpotenzial auf den Weltmärkten ausgeschöpft. Als eine Reaktion auf die nachlassende Dynamik habe die chinesische Regierung versucht, „die angebotsseitigen Probleme durch eine stark expansive Wirtschaftspolitik abzumildern. Daurch kam es aber zu beträchtlichen Überinvestitionen, unter anderem in Immobilien.“

Die Bemühungen des kommunistischen Regimes in Peking, den technologischen Aufholprozess voranzutreiben und vermehrt eigenständige Innovationen zu entwickeln, beurteilt die Bundesbank skeptisch. „Trotz hoher staatlicher Investitionen in Forschung und Entwicklung fallen die Erfolge bislang gemischt aus.", heißt es in dem Bericht.

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Ein weiteres Problem: Chinas vergleichsweise schwacher privater Inlandskonsum. Die Behörden hätten versucht, unrentable Investitionen einzuschränken und im Gegenzug den Konsum zu stärken. „Dieser gewann – zumindest bis zum Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – tatsächlich an Gewicht, glich das Nachlassen der Investitionsdynamik aber nicht vollständig aus“, schreiben die Ökonomen. Sie folgern: „Insgesamt verlor das Wirtschaftswachstum in China in den letzten Jahren weiter an Fahrt.“

Fortschritte attestiert die Bundesbank China bei der Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen für Unternehmen. Wie in Russland gebe es aber in China immer noch viele staatseigene Unternehmen mit häufig geringer Produktivität.

China: vom Partner zum Rivalen

Hinzu komme nun, dass China von bisherigen Partnern zunehmend kritisch oder als Rivale gesehen werde. „Viele Handelspartner werfen dem Land vor, gegen die Regeln der Welthandelsordnung zu verstoßen, etwa durch unfaire Handelspraktiken wie Preisdumping oder eine Verletzung der Rechte an geistigem Eigentum“. Hoffnungen, dass China mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 seinen staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft zurückdrängen würde, seien enttäuscht worden.

Die Folgen der Schwäche Chinas bekämen vor allem viele Schwellenländer zu spüren. „Im Zuge der wirtschaftlichen Verlangsamung in China gerieten die Wachstumsmodelle einiger Länder ins Wanken, die zuvor vom Aufstieg Chinas stark profitiert hatten", so die Bundesbank. Dies gelte zum Beispiel für Länder, Asiens, Südamerikas und Afrikas, die China mit Rohstoffen beliefert haben.

Viele Schwellenländer könnten doppelt betroffen sein, sowohl Chinas geringerer Nachfrage nach ihren Rohstoffen als auch von einer möglichen Abkopplung vieler Länder von China. „Sollten sich die Deglobalisierungstendenzen durchsetzen, dürfte dies weltweit zu beträchtlichen Wohlstandsverlusten führen“, warnt die Bundesbank. „Die Schwellenländer könnten dabei zu den größten Verlierern zählen" – und zu diesem Schwellenländern zähle immer noch auch China selbst. Schließlich sei das Bruttoinlandsprodukt durch die Größe des Landes zwar groß. Pro Kopf gerechnet sei Chinas Wirtschaftsleistung aber immer noch nur etwas ein Drittel so hoch wie etwa in Deutschland.

Die Erzeugerpreise steigen nicht mehr. Das nimmt auch Druck von den Preisen für Verbraucher. Die allgemeine Inflationsrate dürfte bald sinken.
Die Erzeugerpreise steigen nicht mehr. Das nimmt auch Druck von den Preisen für Verbraucher. Die allgemeine Inflationsrate dürfte bald sinken.